Mit wachsendem Erfolg nach Eschweiler: „Bytec Medizintechnik”

Von: Jürgen Lange
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Eschweiler. Ihre Kernkompetenz, die exklusive Entwicklung und Zulassung medizintechnischer Geräte innerhalb kurzer Zeit, beherrscht die Stolberger „Bytec Medizintechnik GmbH” so erfolgreich, dass sie die Kupferstadt bald verlassen wird. Nach mehrfacher Erweiterung sind die Expansionsmöglichkeiten am Standort Birkengangstraße ausgeschöpft.

Im Eschweiler Industrie-Gewerbe-Park entsteht derzeit der neue Produktions- und Verwaltungssitz, der im Frühjahr bezogen wird. Mit dem Umzug nach Eschweiler schließt sich für Geschäftsführer Paul W. Coenen ein Kreis, der zu seinen Studienzeiten an der Inde begonnen hatte.

Als Elektrotechnik-Student der FH in Jülich begann der junge Mann aus Rödingen 1989, der Eschweiler Augenchirurgie-Firma Fritz Ruck bei der Entwicklung und Produktion augenoptischer Geräte zur Hand zu gehen. Aus seiner Diplomarbeit entwickelte Coenen in Zusammenarbeit mit der Kölner Universitätsklinik ein Gerät zur Augendruckmessung, das mit Hilfe von Sensoren während der Operation eingesetzt werden kann. „Es war kein Produkt, sondern ein Lerntool”, sagt Coenen heute selbstkritisch. Denn nach einigen Anwendungen kam der Operateur auch ohne technische Hilfe aus. Aber für den Elektrotechniker war der Weg in die Medizintechnik bereitet.

Zwei Monate, nachdem er als Entwicklungsingenieur bei einem Mönchengladbacher Unternehmen begonnen hatte, ereilte Coenen der Ruf aus Eschweiler. Nach dem Tod des Geschäftsführers Fritz Ruck lag die Produktion brach. Mit einem Studienkollegen stieg er 1990 in das Geschäft ein, entwickelte, produzierte und vertrieb erste medizintechnische Augenchirurgie-Geräte.

Aus der Fritz Ruck entwickelte sich 1992 das Tochterunternehmen „Bytec Hard- und Softwareentwicklung GmbH”, welches mit zwei Ingenieuren gegründet wurde. Auf der Basis der Entwicklung von Augenchirurgiegeräten und dem Aufbau einer eigenen Qualitätssicherungs- und Zertifizierungsabteilung entwickelt sich die Firma rasant und erweitert ihr Spektrum schnell auf den Bereich der Herzchirurgie. Dabei steht die Entwicklung von Geräten im exklusiven Auftrag anderer Unternehmen im Vordergrund. Ein nagelneuer Antrieb für eine Herz-Lungen-Maschine der Stolberger Medos AG ist ein Beispiel dafür.

„Die Entwicklung neuer Produkte ist für kleine und mittelständische Unternehmen stets mit einem Risiko verbunden”, sagt Coenen. Entwicklung ist eine zeitspielige Angelegenheit, die personelle wie finanzielle Kapazitäten bindet. Insbesondere Existenzgründer und junge Unternehmen stellt das vor ein Problem. Genau hier liegt die Stärke von „Bytec”.

Die Stolberger entwickeln Spezialgeräte für Therapie, Diagnostik und Chirurgie einschließlich der aufwendigen Zulassung in einer kurzen Zeitspanne. „Wir schaffen das in rund 24 Monaten wo andere vier bis sechs Jahre benötigen”, bringt Coenen das auf den Punkt. Dabei durchlaufen bei „Bytec” drei bis vier Produkte gleichzeitig den Entwicklungsprozess, bei dem schon spätere Fertigungsschritte berücksichtigt werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die konsequente Dokumentation entsprechend internationaler Richtlinien und das Zulassungsverfahren mit ständig wechselnden und wachsenden Anforderungen.

Mit rund 70 Prozent machen sie einen Großteil einer Innovation auf dem Weg zur Marktreife aus. Im Laufe der Zeit haben eine Reihe führender Produkte die Ideenschmiede an der Birkengangstraße verlassen. Beispielsweise ein Infusionssystem, das kompatibel ist mit einem Magnetresonanztomographen dank hochpräziser hydraulischer Pumpen. „Das haben wir innerhalb von 24 Monaten für einen führenden US-Konzern entwickelt”, sagt Coenen.

Diagonale Pumpen zum Einsatz für die Herzchirurgie, Augenchirurgiegeräte, Medikationshilfen, Spezialgeräte zum Auslesen von Implantaten und ein neues System zur Krebstherapie zählen mit zu den erfolgreich platzierten Produkten aus dem Hause „Bytec”. Derzeit befindet sich eine neuartige Herzkateter-Steuerung in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Universität in der klinischen Erprobung. „Alle diese Produkte müssen hochpräzise und fehlerfrei arbeiten”, unterstreicht der Geschäftsführer.

Bei seiner Entwicklungstätigkeit arbeitet „Bytec” mit renommierten Herstellern zusammen, passt bestehende Produkte den aktuellen Anforderungen an. Das Stolberger Unternehmen für Hochfrequenztechnik ist beispielsweise ebenso ein Kooperationspartner wie Hochschulen und Institute - in Aachen wie in aller Welt. Mit zunehmendem Erfolg entwickelten sich auch die Stolberger weiter. Eine Service-Abteilung wurde ebenso gegründet wie der Einstieg in eine eigene Produktion mit Lager und Einkaufswesen sowie eine zusätzliche Produktionsstätte am Birkenfeld etabliert wurde. 2004 firmierte das Unternehmen um in „Bytec Medizintechnik GmbH”. Paul W. Coenen führt heute das Unternehmen als Alleingesellschafter mit derzeit 41 Mitarbeitern - mit steigender Tendenz.

Kein Zugang zur Autobahn

5,2 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr erwirtschaftet, 6,0 Millionen Euro sind das Ziel in diesem und weiteres Wachstum das der nächsten Jahre. Die Basis dafür wird im Eschweiler IGP gelegt, wo 1100 m2 Büro-und Lagerflächen insbesondere für die Entwicklung von Medizingeräten, 1300 m2 für Produktions- und Lagerflächen mit fünf Fertigungslinien nebst weiteren Expansionsmöglichkeiten entstehen. Für April ist der Umzug avisiert.

Diese „ideale Lage direkt an der Autobahn” konnte weder das Aachener Campus-Gelände - wegen hoher Kosten und fehlender Expansionsflächen - noch Camp Astrid toppen: Fehlende Nachbarschaft und der schwierige Zugang zur Autobahn sprachen gegen ein Engagement in dem Stolberger Gewerbegebiet.
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