Eschweiler - Mit Nessi kann Nonsens so schräg und so schön sein

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Mit Nessi kann Nonsens so schräg und so schön sein

Von: sh
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Engel mit Makel: Als nuschelnde Beschützerin mit Alkoholproblem hat dieser lustige Lockenkopf stets ein wachsames Auge auf „Frau Nessi Tausendschön”. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. „Nonsens” wird in deutschen Wörterbüchern mit „etwas Sinnloses” oder „Quatsch” erklärt. Ist es das, was Nessi Tausendschön da macht, wenn sie über die Bühne fegt, wild gestikulierend von Ausdruckstanz spricht, ihren eigenen betrunkenen Schutzengel mimt und ihn abwechselnd ins Mikro brüllen und nuscheln lässt?

Oder wenn sie das wohl verrückteste jemals aufgeführte „russische” Schlaflied anstimmt? Ja, man kann durchaus von Nonsens sprechen, aber bitte: Nonsens mit Niveau.

„Ich präsentiere depressives Liedgut teilweise gepaart mit Ausdruckstanz. Was ich ausdrücke? Jetzt sagen sie nicht: einen Pickel!”, begrüßte die Kabarettistin, Sängerin und Musikern die vielen Gäste im Talbahnhof.

Im Gepäck hatte sie ihren ebenso genialen wie wortkargen („Ja, ja!”) kanadischen Gitarristen und Komiker William MacKenzie. Zusammen präsentierten sie anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Nessi Tausendschön auf der Bühne” ein Programm, das es in sich hatte. Kein Wunder, schließlich hieß es schlichtweg: „Das Beste”.

„Ich bin sehr, sehr lustig”, weiß Nessi um ihre Qualitäten. Dann habe das Publikum aber bitte auch an den richtigen Stellen zu lachen. „Drei Witze habe ich in das Programm eingebaut”, sagte die im roten Kleid auf die Bühne Stürmende. Das Publikum lachte.

„Das war der Erste. Somit haben sie ein Drittel des Humorteils nun erlebt”, log die Künstlerin mit einem Engelslächeln. Denn es folgten weitere humorvolle, ja geradezu herrlich absurde Momente. Leise und laut, hektisch und ruhig, melancholisch und wild. Nessi Tausendschön halt.

In ihrem Hulla-Lied „Die neue deutsche Leichtigkeit” stellte sie auf ihren ganz eigenen Wegen fest, dass, wenn Jesus ertrunken wäre, wir heute in der Schule ein Aquarium hätten. Als „Domina” am Mikrokabel peitschte sie nicht nur die erste Zuschauerreihe an, sich zu beteiligen.

Schlagfertig, herzerfrischend anders, zu Recht mit Preisen überhäuft. Der hocherotische Eisprung-Song, das melancholische Trinkerlied „Bar der Vernunft”, die schwülstigen Einblicke in das Leben eines Stars (Nessi) während einer Mondscheinfahrt in der Uckermark - die in Hannover geborene Tausendschön brillierte in allen Rollen, so schräg sie auch sein mochten.

Als Stilikone Gabi Pawelka brachte sie feierliche Eleganz und sportliche Lässigkeit - alles bügelfrei - auf die Bühne. Ihre unnachahmlichen Hypnoseversuche sorgten zwar nicht für schläfrige Ruhe im Saal, dafür aber für Tränen vor Lachen.

Am Ende flatterten Frühlingsgefühle wie junge Schmetterlinge durch den Raum (Nessi: „Das heißt bei mir: Ich bin spitz wie Nachbars Lumpi.”). Das Publikum war begeistert, forderte und bekam schließlich auch zwei Zugaben. Gratis dazu gab´s die Gewissheit: Nonsens kann so schön sein, wenn Nessi dafür sorgt.
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