Mit gnadenloser Schärfe rasant den Alltag seziert

Von: irmi
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Eschweiler. Die Pointen haben gesessen. Zwar immer haarscharf „an de Grenz, awers stimmt!“ Tabuthemen hatte Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker jede Menge auf Lager, als er am Dienstagabend vor ausverkauftem Haus im Talbahnhof sein neues Programm „Die Welt rückt näher“ messerscharf präsentierte.

Nun gut, schwarzer Humor ist nicht jedermanns Sache und so blieb auch so manchem Zuschauer schon einmal das Lachen im Halse stecken, als Heinz Becker (in typischem Outfit mit kariertem Hemd, Hosenträger und Schieberkappe) seelenruhig „in seinem Wohnzimmer“ mit altfränkischer Blumentapete und auf einem klapprigen Stuhl sitzend und mit einem unnachahmlichen Mienenspiel das Publikum an die Abgründe der Volksseele führte.

Früher war es doch irgendwie alles besser, und „nit nur, weil de Übergang von de Kirch zum Frühschoppe besser geregelt war. Früher hätten die Frauen heiraten müssen und wurden für den Rest ihres Lebens vom Mann durchgeschleppt. Heutzutage würde man(n) von Feministinnen schikaniert.

„Wenn isch seh, wie mein Hilde das Wohnzimmer abstaubt, sage ich immer zu ihr: Das nenn ich Frauenbewegung!“, konstantierte er. „Wenn dei Frau heutzutag Schatz zu dir sagt, kannschte gleisch zur Kreissparkass renne un Geld hole!“

Heutzutage gebe es doch nur noch überall Krawalle, Tumulte und Terror, „das hat man früher net gekannt!“ In einem rasanten Tempo fasste er das Unheil der Welt zusammen und prophezeite: „ Auch wenn der Weltuntergang erst emol abgesaad is, der nägschte is sicher, aber das erlebe ich nicht mehr, das wär nämlich erscht dann, wenn der Berliner Flughafen ferdich wird!“

Mit gnadenloser Schärfe ließ er sich über die Machenschaften in Politik, Wirtschaft und Religion aus und brachte den Alltagswahnsinn mit der Logik eines Heinz Becker auf den Punkt: ob Berliner Flughafen, Stuttgart 21, erneuerbare Energien, Islam, Terror, Europa, Kirche, und, und: „Was das alles für einen Haufen Geld kostet, was da in der Unterwelt, äh, im Untergrund verschwindet“, regte er sich auf.

„Die Welt rückt näher“, meinte der Kabarettist, der einmal mehr in seiner Rolle als Heinz Becker brillierte und den Besserwisser, Nörgler, Spießer, Vereinsmeier und dilletantischen Heimwerker herrlich zu Wort kommen ließ.

Sich aufregen „un maßlos übertreibe“ tut er gerne, der Heinz. Dabei ist er in seiner Radikalität kaum zu überbieten. Doch im nächsten Moment geht er wieder auf Distanz, rudert wieder zurück, „weil, es geht misch jo nichts ah, awers stimmt doch, oder?!“ .

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