Mit Drogen schneller, höher und weiter

Von: Andreas Gabbert
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Von den 14- bis 24-Jährigen gelten etwa 250 000 als internetabhängig und 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer: Bei der Eschweiler Suchtberatung melden sich aber nur wenige Spiel- oder Internetsüchtige. Foto: imago/Niehoff

Eschweiler. Etwa 9,5 Millionen Bundesbürger trinken Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge. Rund 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig, circa 73.000 sterben jedes Jahr an den Folgen. Das belegt der jetzt veröffentlichte Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung.

Auch in der Suchtberatung Eschweiler war die Alkoholabhängigkeit im Jahr 2010 die am häufigsten gestellte Diagnose. Die Suchtberatung verzeichnete 248 „Betreuungsprozesse” in Zusammenhang mit Alkohol (da einige Menschen im Laufe eines Jahres mehrmals längerfristige Beratungsprozesse in Anspruch nehmen, ist die Anzahl der Betreuungen wesentlich höher als die der Klienten). Es folgten die Abhängigkeiten von Heroin (136), Cannabis (126) und Amphetaminen (35).

Dies sei aber ein verzerrtes Bild der Realität, sagt Fischer. Das liege daran, dass viele Abhängige gar nicht in der Beratung ankämen, weil sie kein Problembewusstsein haben, noch lange Zeit „funktionieren” und nicht auffallen. Außerdem habe Sucht oft etwas mit Scham zu tun. „Nur vier Prozent der Suchtkranken trauen sich in eine Beratungsstelle, von daher sind die Menschen, die hierher kommen, sehr mutig.” Deshalb sei die Dunkelziffer sehr hoch. „Wenn sie im Betrieb trinken, fällt das schnell auf, weil man Fehler macht. Bei Amphetaminen und Kokain sieht das ganz anders aus, weil diese Substanzen zunächst eine leistungssteigernde Wirkung haben”, erklärt Fischer. Die Diplom-Sozialpädagogin hat eine Tendenz weg von dämpfenden Mitteln wie Heroin hin zu aufputschenden Mitteln wie Amphetaminen beobachtet. Das passe auch ins Bild unserer Gesellschaft: immer schneller, immer höher, immer weiter.

Der aktuelle Bericht der Bundesregierung zeigt einen erfreulichen Trend auf: Immer weniger Menschen sterben an ihrer Drogensucht. Doch auch dieser Schein trüge, sagt Fischer. „Wenn über Drogentote gesprochen wird, geht es immer um die illegalen Drogen wie zum Beispiel Heroin. Betrachtet man aber auch die legalen Drogen, beispielsweise Alkohol, dann kommt man zu ganz anderen Zahlen”, so die Sozialpädagogin. Nicht die illegalen Drogen seien das größte Problem, sondern die sogenannten Alltagsdrogen wie Alkohol und Nikotin. „Rauchen und Alkohol werden wohl immer ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein”, sagt Fischer.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, zeigte sich über den „exzessiven oder pathologischen Computerspiel- und Internetgebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen” besorgt. Vor allem in der Altersgruppe zwischen 16 und 20 Jahren habe das mit erhöhtem Suchtrisiko verbundene gewerbliche Glücksspiel stark zugenommen. Von den 14- bis 24-Jährigen gelten etwa 250.000 als internetabhängig und 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer. Bei der Eschweiler Suchtberatung melden sich aber nur wenige Spiel- oder Internetsüchtige. „Es kommen nur diejenigen, die schon einen sehr hohen Leidensdruck haben”, erklärt Fischer. Deutlich gestiegen seien aber die Anfragen für Schulungen zum Thema Medienkompetenz. Viele Eltern, Schulen und Lehrer würden sich mehr Informationen wünschen. „Wie kann ich mein Kind schützen? Wie kann ich Kindern und Jugendlichen Kompetenzen und Fähigkeiten vermitteln, die neuen Medien sinnvoll zu nutzen und sich damit auch vor den Gefahren einer Sucht zu schützen?”, lauten die Fragen.

Beim Cannabiskonsum ist der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die mindestens einmal im Leben Cannabis probiert haben, bundesweit weiter rückläufig. Er fiel von 15,1 Prozent im Jahr 2004 auf 6,7 Prozent. In Eschweiler gibt es aber noch viele Beratungen in diesem Zusammenhang. Die Zahl der Konsumenten habe zwar abgenommen, die Zahl der Betreuungen im Gegenzug aber nicht, da der Konsum exzessiver geworden sei.
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