Eschweiler-Dürwiß - Mit der Wärme auch Strom erzeugen

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Mit der Wärme auch Strom erzeugen

Von: Patrick Nowicki
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Mal groß, mal klein: der Blick in ein Blockkraftheizwerk mit großen Leitungen für mehrere Haushalte. Rechts oben ist ein kleines sogenanntes Mikro-BHK zu sehen. Foto: stock/Bernd Friedel
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Möchten für Dürwiß KWK-Standorte entwickeln: Eberhard Büttgen, Hermann Gödde und Dr. Armin Kraft (rechts). Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler-Dürwiß. Öl, Gas oder doch Pellets oder Wärmepumpe? Hausbesitzer suchen immer häufiger nach der passenden Wärmeerzeugung für ihre Immobilie. Die Stadt Eschweiler will nun die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nach vorne bringen.

Sie ist Modellkommune in Nordrhein-Westfalen und entwickelt für den östlichen Teil von Dürwiß ein Konzept zur Nutzung kleinerer und größerer Blockheizkraftwerke. „Wir wollen nicht nur einen Plan entwerfen, sondern konkrete Projekte anstoßen“, betont der Technische Beigeordnete Hermann Gödde.

Im ersten Schritt wird die Stadt in den nächsten Tagen auf die Bürger zugehen. Die etwa 700 Hauseigentümer im Modellbereich werden angeschrieben und erhalten einen Fragebogen. Dieser kann auch im Internet beantwortet werden. „Wir wollen zunächst den Bestand in Dürwiß erfragen“, sagt Eberhard Büttgen, bei der Stadt Ansprechpartner für das Modellprojekt. Anhand der Daten könnten die Experten ein kostenoptimiertes KWK-Konzept aufstellen. In dem Bogen geht es aber nicht nur um die aktuelle Heizform, sondern auch um die Pläne und Bereitschaft der Eigentümer, sich an einem KWK-Projekt zu beteiligen.

Dies kann aus mehrfacher Sicht interessant sein. In der zweiten Förderstufe steht ein Zuschusstopf in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung, von dem Eschweiler einen Teil erhalten würde, um Projekte vor Ort zu fördern. „Damit schaffen wir es vielleicht, Investitionshemmnisse abzubauen und die KWK-Technik interessanter zu machen“, hofft Hermann Gödde. Ein Blockheizkraftwerk ist zwar unbestritten effizienter als herkömmliche Anlagen, aber die Anschaffungskosten sind höher als zum Beispiel für eine Gastherme.

Um die zweite Förderstufe zu erreichen, muss die Stadt bis Ende März des nächsten Jahres ein Feinkonzept entwickeln. Hierbei arbeitet sie mit drei Ingenieurbüros zusammen: Wiro Consulting Aachen, DFIC Essen und EEB Enerko. „Unser Ziel muss es sein, dass der Bürger weniger Heizkosten hat als bisher“, sagt Gödde. In anderen Kommunen sei gelungen, die Kosten um bis zu 20 Prozent zu senken.

Das Areal in Dürwiß zwischen Weisweiler-, Lohner, Jülicher und Karl-Arnold-Straße soll beispielgebend auch für andere Gebiete in der Stadt sein. Deswegen wurde auch das Gewerbegebiet an der Laurenzberger Straße mit einbezogen. So befinden sich in dem Projektbereich Betriebe, Mehrfamilien-, aber auch zahlreiche Einfamilienhäuser. „Je nach Art der Bebauung und Ausstattung der Gebäude sind die Anforderungen an Blockheizkraftwerke unterschiedlich“, berichtet Dr. Armin Kraft von der EEB Enerko mit Sitz in Aldenhoven. Das Unternehmen errechnete im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Eschweiler den Wärmebedarf in Dürwiß.

Denkbar sind dort verschiedene Versorgungsformen. Mikro-Blockheizkraftwerke, die die Größe konventioneller Heizungskessel aufweisen, aber zusätzlich noch Strom produzieren, sind ebenso möglich, wie zentrale Blockheizkraftwerke. Sie versorgen mehrere Einheiten. „Die an ein solches Wärmesystem angeschlossenen Gebäude brauchen keine eigene Öl- oder Gasheizung mehr. Diese werden durch eine Wärmeübergabestation mit einem Zähler im Haus ersetzt“, sagt Büttgen.

Berechnet wird dann nur noch der Wärmepreis. Wartungs- und Reparaturkosten seien mit diesem Entgelt bereits bezahlt. Der Wärmetauscher in dem jeweiligen Haus hat in etwa die Größe zweier Schuhkartons und kann an der Wand installiert werden.

Betriebsformen offen

Auch die Betriebsformen sind völlig offen: Gesellschaften mit Bürgerbeteiligungen sind ebenso möglich wie Genossenschaften oder Projekte von Versorgungsunternehmen. In allen Fragen steht die Stadtverwaltung beratend zur Seite. Schließlich hat die Kommune hohe Ziele: Bis zum Jahr 2020 will sie den KWK-Wärmeanteil in Dürwiß auf etwa 25 Prozent erhöhen. Der CO2-Ausstoß würde sich etwa halbieren, wenn es gelingt, einen Anschlussgrad von 80 Prozent zu erreichen. Die Emissionen von Kohlendioxid würden sich dann um 2300 Tonnen pro Jahr verringern.

Ein Großteil der Bauten in Dürwiß entstand im Zuge der Umsiedlungen in den 50er und 60er Jahren. Die Wärmeversorgung erfolgt größtenteils über Gas- und Ölanlagen sowie Nachtspeicherheizungen. Die Stadt rechnet damit, dass viele Hauseigentümer in naher Zukunft eine Sanierung planen.

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