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Mit dem Auto bis ins Klassenzimmer: „Elterntaxi“ statt Schulbus

Von: Von Sonja Essers und Nina Leßenich
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Schule aus, wir fahr‘n nach Haus‘: An der Liebfrauenschule reihen sich nach Schulschluss die Stoßstangen aneinander. Mütter und Väter parken jedoch nicht nur in der zweiten Reihe. Auch vor Einfahrten und Bürgersteigen machen sie keinen Halt. An den anderen weiterführenden Schulen in der Indestadt ist die Situation ähnlich. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Es reiht sich Stoßstange an Stoßstange, Zufahrten und Anwohnerparkplätze sind blockiert, im Minutentakt hält ein Auto auf der Feuerwehrzufahrt im Halteverbot. Immer mehr „Elterntaxis“ bringen ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule.

Durch verkehrswidriges Parken und riskante Wendemanöver wird die Verkehrslage vor Schulen oft unübersichtlich und die Situation für Kinder zunehmend gefährlich.

Egal ob Städtisches Gymnasium, Realschule Patternhof, Gesamtschule Waldschule oder Bischöfliche Liebfrauenschule: Die Verkehrssituation vor den weiterführenden Schulen ist an allen Standorten schwierig. In regelmäßigen Abständen wiederholt sich folgendes Bild: Vor dem Eingang der Schule werden Blinker oder Warnblinkanlage eingeschaltet, dann bleibt das Fahrzeug stehen. Während sich hinter dem Wagen eine Schlange bildet, steigen die Schüler aus und ein. Andere Kinder schlängeln sich, oftmals mit ihrem Fahrrad, vorbei an den parkenden Autos. Nach einigen Sekunden geht es dann wieder weiter. So lange, bis das nächste Fahrzeug stoppt.

„Zu Stoßzeiten ist bei uns vor dem Haus der Bär los“, sagt Bert Schopen, Schulleiter der Bischöflichen Liebfrauenschule. „Manche Eltern würden ihre Kinder am liebsten direkt vor die Klassentür fahren.“ Das Problem sei also durchaus bekannt, ihm entgegenzuwirken gestalte sich allerdings schwierig. Zwar würde man die Problematik bei allen Pflegschaftssitzungen ansprechen, das Verständnis der Eltern sei aber oft gering.

Dass rund um die Liebfrauenschule Verkehrschaos herrscht, wird vor allem zur Abholzeit am Mittag deutlich. Bereits 20 Minuten vor Schulschluss gestaltet sich das Durchkommen als äußerst schwierig. Einfahrten werden zugeparkt und auch vor Bürgersteigen machen die wartenden Eltern keinen Halt. Zur gleichen Zeit hat man nur eine Straße weiter die Auswahl zwischen zahlreichen freien Parkplätzen. Nicht nur die Schulleitung hat für dieses Verhalten wenig Verständnis. Auch eine wartende Großmutter schüttelt beim Anblick der langen Autoschlange vor dem Schulgebäude den Kopf.

An der Gesamtschule Waldschule ist das Bild zumindest am Morgen ein anderes. Von Verkehrschaos ist vor Schulbeginn keine Spur. Trotzdem spielt das Thema auch dort eine große Rolle. „Viele Eltern halten hier im Parkverbot, um ihre Kinder abzusetzen. Die Kinder laufen dann zwischen den parkenden Autos, um ins Gebäude zu kommen. Da wird die Situation schnell unübersichtlich und gefährlich“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Marlene Rüland. Auch an der Waldschule stoße man häufig auf mangelndes Verständnis der Eltern. „Wir weisen die Eltern regelmäßig auf die schwierige Verkehrslage hin, aber bekommen dann auch oft unfreundliche Antworten“, so Rüland.

Für einige Eltern ist deshalb das Chaos vor den Schulen Grund genug, ihre Kinder trotz kurzer Strecke mit dem Auto zur Schule zu fahren. „Die Angst, dass ein Kind vor ein Auto läuft, ist schon da“, berichtet eine Mutter vor der Realschule Patternhof. „Da bringe ich mein Kind lieber selbst zur Schule und kann dann sicher sein, dass es gut angekommen ist.“

„Einfach bequemer“

Werden die Schüler in den unteren Klassen noch von ihren Eltern zur Schule gefahren, fahren viele Oberstufenschüler bereits selbst zur Schule. So auch eine Gruppe von Schülerinnen, die auf dem Parkplatz am Waldfriedhof aus dem Auto steigt. Auf die Frage, warum die Mädchen nicht mit dem Bus zur Schule kommen, antworten sie: „Mit dem Auto ist es einfach bequemer.”

Dass es an manchen Tagen kurz vor Schulbeginn rund um die Schule chaotisch zugeht, ist auch ihnen aufgefallen. Das liege vor allem daran, dass die Eltern entweder direkt vor der Schule oder in den Seitenstraßen anhalten, um ihre Kinder aussteigen zu lassen. Die Besitzerin des Kiosks neben der Waldschule hat sich bereits an die Verkehrssituation gewöhnt. Sie ist der Meinung, dass ein Großteil der Eltern vernünftig fahre. Raser gebe es nur selten. Auch von Verkehrschaos könne man ihrer Meinung nach an der Waldschule nicht sprechen. Nur nach den Sommerferien komme gelegentlich Stau auf, doch mittlerweile habe sich die Situation eingespielt, meint sie.

Am Städtischen Gymnasium gestaltete sich die Situation weitaus unübersichtlicher. Minütlich parkten Eltern hier im absoluten Halteverbot oder in der gegenüberliegenden Feuerwehrzufahrt, um ihre Sprösslinge abzusetzen. Das ist nicht nur gefährlich für die Schüler, sondern betrifft auch die Anwohner vor Ort. „Es stört schon ziemlich, wenn man morgens nicht aus seiner eigenen Ausfahrt kommt”, berichtet Anwohnerin Bahar Yildiz. Sie steht mit ihrer Meinung längst nicht alleine da. „Besonders in der dunklen Jahreszeit ist die Situation hier sehr gefährlich für die Kinder.”

Auch die Ämter blicken kritisch auf den Trend zum Elterntaxi. „Die Zustände auf den Straßen vor den Schulen sind zum Teil katastrophal“, weiß Edmund Müller vom Ordnungsamt Eschweiler. Trotz der schlechten Verkehrslage gäbe es jedoch keine höhere Unfallhäufigkeit vor Schulen. „Das ist natürlich ein Glücksfall, aber gleichzeitig auch ein absurder Widerspruch“, so Müller.

Der Versuch, bei den Eltern um Einsicht zu werben, gleiche jedoch einem „Kampf gegen Windmühlen“. „Wir führen verstärkt Schwerpunktkontrollen vor den Schulen durch und versuchen, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Aber das ist leider schwierig“, erklärt Müller. Für die Verkehrslage sei es besser, die Kinder zu Fuß zur Schule zu schicken. Auch den Kindern würde dies zu Gute kommen: Schließlich hätten sie so die Möglichkeit, sich nach der Schule an der frischen Luft abzureagieren.

In der Hand der Eltern

Diese Meinung teilt auch Bernhard Kleefisch. „Die Kinder kommen so viel lernbereiter in der Schule an“, meint der Leiter der Direktion Verkehr der Polizei Aachen und ist sich sicher, dass das größte Problem oftmals der Zeitdruck ist, dem Eltern ausgesetzt sind. Der Polizeirat befürwortet die so genannten Elternhaltestellen (siehe Zusatzbox und „Drei Fragen an“), ein Projekt, das es an einigen Standorten in der Städteregion bereits gibt. Schließlich könne so ein gefahrloser Schulweg ermöglicht werden, da dieser von Verkehrssicherheitsberatern getestet wurde.

Letzten Endes liege es in der Hand der Eltern, zur Lösung der Situation beizutragen, sagt Edmund Müller. „Mütter und Väter sollten jeden Tag reflektieren, ob jedes Bringen und Abholen wirklich notwendig ist“, appelliert er. Nur so lasse sich auch langfristig zu einer Deeskalation der Lage beitragen.

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