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Mission Maiherz: Wenn Playboy-Hasen am Fenster hängen

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Dieses Herz hat Patrik Scholl (l.) seiner Freundin Aline im vergangenen Jahr gesteckt. Wie der Maischmuck in diesem Jahr aussieht, bleibt sein Geheimnis. Bevor es an die Arbeit geht, schauen Patrik und seine Freunde Daniel Essers und Daniel Hahn (r.) erstmal Champions League. Foto: Sonja Essers
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Pink und lila sind beliebt: Für Floristin Melissa von Schwartzenberg ist heute einer der Haupttage im Maigeschäft.

Eschweiler. Schwer bepackt, fahren Patrik Scholl und Daniel Hahn mit ihren Freunden durch die Mainacht. Die mit kiloweise Krepppapier geschmückten Bäume liegen im Sprinter. Die Stimmung ist gut. Die nächste Station der Jungs ist das Haus von Daniels Angebeteter. Das Auto stoppt und im Scheinwerferlicht dann die bittere Erkenntnis: Jemand war schneller!

Am Haus der Liebsten steht schon ein Maibaum. „In solchen Momenten kommt man sich schon ziemlich blöd vor“, sagt Daniel. „Man überlegt sich genau, ob man noch einen zweiten Baum daneben setzt.“ Daniel hat es dann doch getan. Den fremden Baum hat er dabei allerdings ziemlich ins Abseits gerückt.

Auch in der Nacht zum Mittwoch werden Patrik und Daniel mit sieben weiteren Freunden wieder ihren Mai­schmuck an die Frau bringen. Das Aufstellen der Maibäume ist mittlerweile Tradition für die jungen Männer. Und wenn die Jungs keinen Fahrer für ihren Sprinter finden, gehen sie eben zu Fuß los.

Nur nicht zu früh. „Dann besteht die Gefahr, dass die Bäume und Herzen von anderen geklaut werden.“ Damit es gar nicht erst soweit kommt, treffen sich die Freunde zunächst zum gemeinsamen Fußballgucken, um dann im Laufe der Nacht ihre Tour zu starten. Borussia Dortmund tritt bei Real Madrid an.

Nachbarschaftshilfe

Doch das Aufstellen der Bäume kann auch zu späterer Stunde einige Probleme mit sich bringen, wie die beiden jungen Männer berichten: „Mir ist es schon passiert, dass der Maibaum am nächsten Tag umgefallen ist, weil ich ihn nicht richtig befestigt habe“, sagt Hahn.

Der 21-Jährige war beim Maistecken auch schon auf fremde Hilfe angewiesen. „Vor einigen Jahren hat uns ein Nachbar aus der Patsche geholfen“, erzählt der Student. „Er hatte gesehen, dass wir Schwierigkeiten beim Befestigen des Maibaumes hatten und hat uns seine Leiter ausgeliehen.“ In diesem Jahr hat er von seiner Freundin eine klare Ansage bezüglich ihres Maischmuckes bekommen. „Meiner Freundin brauche ich mit einem Maiherz nicht zu kommen“, meint der Student. „Für sie wäre das genauso, als wenn ich ihr gar nichts stecken würde.“

Dass die Geschmäcker der jungen Damen von Grund auf verschieden sind und die Auswahl des Maischmuckes erhebliche Konsequenzen haben kann, wissen auch die Floristinnen Thanee Oltmanns und Melissa von Schwartzenberg. Schon seit März nehmen sie Bestellungen entgegen und beraten die jungen Männer, die manchmal nicht so recht wissen, womit sie ihrer Angebeteten eine Freude bereiten können. „Es gibt viele Kunden, die mit der großen Auswahl einfach überfordert sind“, meint Oltmanns.

Dies ist jedoch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass heutzutage nicht nur Maiherzen, sondern auch Maibilder mit den außergewöhnlichsten Motiven gefertigt werden können. Der Playboy-Hase liegt in diesem Jahr genauso im Trend wie ein Porträt von Snoopy. „Mittlerweile gibt es keine Grenzen mehr. Erlaubt ist schließlich alles, was gefällt“, erklärt von Schwartzenberg.

Um jedoch einen Fehlgriff zu vermeiden, lassen viele Männer ihre Liebste gleich selbst bestimmen. „Es kommt nicht selten vor, dass Paare gemeinsam kommen und sich die Frauen ihren Mai­schmuck selbst aussuchen“, sagt Oltmanns. Doch auch für diejenigen, die ihre Liebste überraschen wollen, haben die Floristinnen einige gute Tipps: „Mädchen, die zwischen 15 und 16 Jahren alt sind, wünschen sich meist große Herzen in pink oder lila“, sagt Oltmanns. Bei jungen Frauen stehe hingegen eher die Geste imVordergrund. Dann seien auch kleinere Herzen in rot, blau oder weiß erlaubt.

Ärgerlich nur, wenn sich das Liebespaar vor dem 1. Mai trennt. „Wenn diese Situation eintritt, muss man sich etwas einfallen lassen“, sagt Oltmanns und fügt schmunzelnd hinzu: „In einigen Fällen kommen die Kunden vorher zu uns und lassen den Maischmuck dann auf die Wünsche der neuen Freundin anpassen.“

Die Angst vor einer frühzeitigen Trennung könne auch der Grund dafür sein, dass es immer wieder junge Männer gibt, die erst kurz vor der Mainacht ihre Bestellung aufgeben: „Das Hauptgeschäft findet an den beiden Tagen vorher statt“, erzählt von Schwartzenberg.

Von Zeitdruck weiß auch der 23-jährige Patrik Scholl zu berichten: „Einem Freund von mir ist erst in der Mainacht selbst eingefallen, dass er noch ein Herz aufhängen will. Wir mussten noch am gleichen Abend zum Supermarkt fahren und Krepppapier kaufen.“ Das selbstgebastelte Endergebnis konnte sich jedoch nicht sehen lassen und so landete der Schmuck dann nicht am Fenster der Liebsten, sondern in der Mülltonne.

Auch Daniel Asara, Vorsitzender des Mai-Clubs Röhe, hat in diesen Tagen einen vollen Terminplan. Damit die Besucher der 1. Kölschen Mainacht heute Abend reibungslos in den Mai tanzen können, bedarf es vieler Vorbereitungen. Von den Aufbauarbeiten in der Röher Merzweckhalle bis hin zum Programm, bestehend aus Kölner und Eschweiler Spitzenkräften, haben die jungen Mitglieder des Clubs alles selbst organisiert. „Wir freuen uns sehr darüber, dass auch immer mehr junge Leute den Weg zu uns und unseren Veranstaltungen finden“, sagt der 25-Jährige, der bereits seit vier Jahren als Vorsitzender tätig ist.

Doch er weiß auch, dass das beliebte Brauchtum von vielen Altersgenossen ausgenutzt wird. „Maivereine haben oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass dort nur getrunken wird, doch das ist nicht der Fall“, meint Asara. „Bei uns stehen vor allem die Traditionen und natürlich auch die Gemeinschaft im Vordergrund.“

Damit es in der Mainacht zu keinerlei Ausschreitungen kommt, ist auch Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamtes, mit seinen Kollegen unterwegs. „Es gibt zwar immer wieder junge Menschen, die das Brauchtum ausnutzen, jedoch ist die Mainacht in der Regel nicht so problematisch“, meint Müller. Denjenigen, die in dieser Nacht ihren Maischmuck an die Frau bringen wollen, gibt er Folgendes mit auf den Weg: „Natürlich darf man weder alkoholisiert fahren, noch die Verkehrsregeln brechen und die Ladung muss sicher verstaut werden“, sagt Müller. „Man sollte sich so verhalten, dass man weder straffällig, noch auffällig wird.“ So lange diese Regeln beachtet werden, steht einer erfolgreichen Mainacht nichts mehr im Weg.

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