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Missio-Truck bietet Einblicke in die Welt von Flüchtlingen

Von: Andreas Röchter
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Beklemmende Enge und realistische Flüchtlingsschicksale: Schüler der Hauptschule Stadtmitte setzten sich im „Missio-Truck“ mit dem Thema „Menschen auf der Flucht“ auseinander. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sara ist 16 Jahre alt. In ihrer Freizeit zeichnet sie Frisuren und flechtet Zöpfe. Ihr großer Wunsch lautet, Frisörin zu werden und Menschen durch ihr Handwerk Freude zu bereiten. Auch Markthändler Ntumba, Hobbyfußballer Samuel und Medizinstudentin Christelle haben Träume. Doch alle vier leben im von einem furchtbaren Bürgerkrieg heimgesuchten Ostkongo.

Statt der Verwirklichung ihrer Träume steht der Kampf um das blanke Überleben auf der Tagesordnung. Sara zum Beispiel flieht seit ihrem achten Lebensjahr mit ihrer Mutter von einem Flüchtlingslager zum anderen und hat trotz ihres jungen Alters schon (zu) viel Schreckliches erlebt.

Und noch eines haben Sara, Ntumba, Samuel und Christelle gemeinsam: Sie sind fiktive Personen, spielen aber beim Projekt „Missio-Truck: Menschen auf der Flucht“ des Katholischen Hilfswerks Missio, das seine Hauptsitze in Aachen und München unterhält, Hauptrollen. Mit ihrer Hilfe gelingt es den Projektverantwortlichen, die Situation von Flüchtlingen etwas realer nachzuzeichnen als durch bloße Zahlen und Statistiken.

Am Donnerstag und Freitag schlüpften und schlüpfen nun die Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn der Hauptschule Stadtmitte in die Rollen von unter anderem Sara, Ntumba, Samuel und Christelle. Denn mit Ann-Christin Verholen und Franziska Jurgeit sind zwei Projektmitarbeiter samt Truck in der Indestadt zu Gast.

Reale Biographien

„Unser Ziel ist es, Menschen in Deutschland auf das Thema ,Flüchtlinge‘ aufmerksam zu machen. Zwar sehen wir in den Fernsehnachrichten häufig Bilder von Menschen, die sich auf der Flucht befinden. Doch deren Schicksale sind dennoch für die meisten von uns sehr weit weg. In unserem Truck können sich die Schüler dagegen in Personen hineinversetzen, deren Geschichten an reale Biographien angelehnt sind“, macht Ann-Christin Verholen deutlich.

Die pädagogische Mitarbeiterin des Hilfswerk Missio hat festgestellt, dass sich die Menschen, die die sechs zum Teil beklemmend engen Räume des „Missio-Trucks“ durchlaufen und sich in ihnen per interaktiver Computersimulationen mit der praktischen Situation von Flüchtlingen beschäftigen, im Nachhinein sehr oft erschrocken und betroffen zeigen. Kein Wunder, schließlich spielt sich die Szenerie in Raum zwei in einer Kirche im Ostkongo ab, in die die Bewohner eines Dorfes vor schwer bewaffneten Milizen geflüchtet sind.

Doch auch dort sind sie alles andere als sicher. Der lauter werdende Geräuschpegel zeigt, dass die Soldaten näher kommen. Schließlich fallen Schüsse. Für die Menschen in der Kirche gibt es nur eine Rettung: Flucht! Und dies ohne die notwendigsten Habseligkeiten.

Lehrerin Petra Frings-Freialdenhoven und ihre Schüler besuchten am Donnerstagvormittag als erste Protagonisten der Gemeinschaftshauptschule Stadtmitte den Truck. „Für meine Schüler und mich ist das Thema momentan brandaktuell, da seit einigen Tagen eine Schülerin aus Syrien Teil der Klasse ist“, berichtete die Pädagogin. „Natürlich ist die Betroffenheit größer, wenn man aus nächster Nähe etwas über das Schicksal von Flüchtlingen erfährt“, unterstreicht sie.

In die gleiche Kerbe schlagen die Schülerinnen Jacqueline Laufenberg und Mara Möschter aus der Klasse 8d: „Die Stationen innerhalb des Trucks zu durchlaufen war interessant, aber auch erschreckend, wenn man darüber nachdenkt, was Flüchtlinge durchmachen.“ Zumal die letzte Station des Trucks deutlich macht, dass der Ostkongo räumlich zwar weit entfernt ist von Deutschland, wir aber dennoch eine ganze Menge mit den Schicksalen der Menschen dort zu tun haben. Schließlich liegt der Hauptgrund des Bürgerkriegs im blutigen Kampf um das Erz Coltan, das in jedem der 1,5 Milliarden (!) Handys, die im Jahr 2011 weltweit verkauft wurden, vorhanden ist.

Und damit wird deutlich, dass Sara, Ntumba, Samuel und Christelle im Rahmen des Missio-Truck-Projekts „Menschen auf der Flucht“ zwar fiktive Personen sind, deren Lebensgeschichten aber viel mehr der Realität entsprechen, als jedem in Deutschland lebenden Menschen lieb sein kann.

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