Eschweiler - Minister lässt sich vom deutschen Pflegesystem inspirieren

Minister lässt sich vom deutschen Pflegesystem inspirieren

Von: Mischa Wyboris
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Nachbarschaftshilfe: Diana Reitler und Peter Gaida (rechts) zeigen Minister Harald Mollers das SBZ und das Angebot des „Alltagsbegleiters” für demenziell erkrankte Menschen. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. „Das sieht hier ja aus wie in einer Hotel-Lobby!” Harald Mollers´ Lächeln will eine Weile lang gar nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden. Bis er sich selbst daran erinnert, dass das Pflegesystem in Belgien anders aussieht als in Deutschland.

„Man darf nicht den Fehler machen und das als Luxus betrachten”, sagt der Minister für Familie, Gesundheit und Soziales der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) bei seinem Besuch im Senioren- und Betreuungszentrum (SBZ) der Städteregion Aachen mit Blick auf die Angebote der Einrichtung.

Besonders das seit 2008 durch eine Gesetzeserweiterung auch in vollstationären Pflegeeinrichtungen mögliche Betreuungskonzept des „Alltagsbegleiters” für demenziell erkrankte Menschen hat es dem Minister angetan. 103,50 Euro zahlt die Pflegekasse für jeden der 133 dementen SBZ-Bewohner pro Monat, um ihnen mit Hilfe speziell ausgebildeter Alltagshelfer mehr Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen.

Sieben spezielle Begleiter

„Es gibt immer mehr ältere und in Verbindung damit auch immer mehr demente Menschen. Es ist wichtig, dass wir auf sie gebührend eingehen können”, sagt Diana Reitler, Leiterin des sozialen Dienstes. Sieben Alltagsbegleiter betreuen im SBZ nun „die Menschen, die im Langzeitgedächtnis stehengeblieben sind”, sagt Reitler.

Breit gefächertes Angebot

Ihnen kann das Seniorenzentrum nun psychosoziale Einzelgespräche, Spaziergänge, spezielle Massagen, Sterbebegleitung, Betreuung mit Tieren und Trainings wie die Erinnerungspflege anbieten. In Gruppenaktionen finden zudem Singkreise, Spielrunden, Koch- und Backgemeinschaften sowie Gottesdienste statt. Ausgebildet werden die Alltagsbegleiter der Senioren von Institutionen wie dem TÜV Rheinland oder dem Amt für Altenarbeit.

„Die Pflegestruktur ist in Belgien eine völlig andere. Es ist eine große Kunst, dass es hier trotz des riesigen Apparates so wohnlich und familiär ist”, lobt Minister Mollers die Einrichtung mit 240 Pflegeplätzen. „In Belgien gibt es kein einziges Heim, das mehr als 140 Bewohner fassen kann.” Auch dürfte der Grad der Vernetzung belgischer Senioreneinrichtungen mit anderen Institutionen weniger stark ausgeprägt sein. Das SBZ leistet Angehörigenarbeit und kooperiert mit derzeit 42 Ehrenamtlern sowie ambulanten Hospizdiensten, Kindergärten, Schulen, örtlichen Gemeinden und Pfarren.

Am Ende des Ministerbesuchs steht die Erkenntnis, dass sich Belgien durchaus etwas vom deutschen Pflegesystem abgucken darf - alles andere als einfach in einem System, das die Pflegeversicherung so nicht kennt. Dennoch will Mollers einige Anregungen aus dem Nachbarland mitnehmen, nicht zuletzt das Konzept des Alltagshelfers: „Wir werden uns da mit viel Akribie reinwerfen. Ich bin immer wieder froh, wenn man Input aus anderen Richtungen bekommt. Man muss das Rad ja nicht immer selbst erfinden.”
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