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Mark Britton: Heil raus aus der Midlife-Crisis?

Von: zsa
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Mark Britton gab im Talbahnhof eine Vorpremiere seines neuen Programms „Forever Jungs“ und zeigte die humorvolle Seite der Midlife-Crisis bei Männern auf. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Was bewegt den Mann in den mittleren Jahren, wie kommt es zur Midlife-Crisis und – viel wichtiger – wie kommt man da wieder heil raus? Mit seinem neuen Programm „Forever Jungs“ versucht Mark Britton Antworten auf diese Fragen zu geben. Am Samstagabend gab er als Vorpremiere dem Eschweiler Publikum im Talbahnhof einen ersten Vorgeschmack.

Zunächst stellte sich der gebürtige Brite dem Publikum ausführlich vor und warnte auch gleich vor möglichen „Hängern“, denn schließlich sei die Software in seinem Kopf nicht mehr die Neueste, aber das Programm ja schon. Aber durch eine „externe Festplatte“, seine Frau, sei es schon besser geworden mit dem Merken. Britton lebt seit über 20 Jahren in Deutschland und sei mittlerweile bestens integriert: „Ich fahre VW, trinke Weizenbier und esse Döner“. Dazu würde er im Urlaub auch in perfekt deutscher Manier die Liegen am Pool reservieren – wegen „der Scheiß-Engländer“.

Männer in den mittleren Jahren hätten es schwer, meinte Britton. Sie verlieren die Lust am Leben und gehen beispielsweise abends ungern aus. Daher unterstellte er einfach mal den Männern im Publikum, dass womöglich ihre Frauen sie gezwungen hätten, sich sein Programm anzuschauen. Dies führte jedoch zu leichtem Protest sowohl seitens der Damen als auch der Herren. Die letzte Party auf der er gewesen sei, wäre eine Weinprobe gewesen, so Britton: „Also, eine Autopsie für tote Trauben“.

Aber auch die Kinder machen es einem zu schaffen. Auf Brittons Frage, ob sich Eltern von Teenagern im Publikum befänden, gingen die Hände nur zögerlich hoch. Er verstehe das, meinte der britische Comedian: „Eltern von Kleinkindern melden sich immer schnell, aber bei Teenager-Eltern ist das eher so wie bei den anonymen Alkoholikern: ‚Hallo, ich heiße Mark und habe einen Teenager-Sohn’.“

Von der letzten Bastion des Mannes, dem Hobbykeller, über Konzertbesuche und Trennungsschmerz bei alten Möbeln bis hin zur Paleo-Diät, Klassentreffen und Oldtimer-Schwärmereien ließ Mark Britton keine klischeehaften Erfahrungen aus, die Männer ab 50 (durch-)machen. Dem Thema Sport widmete er sich ausführlich, denn da müssten Männer im mittleren Alter besonders aufpassen. „Für Männer über 50 sollte es ein Tanzverbot wegen Selbstverletzungsgefahr geben“, lautete Brittons klare Warnung. Auch Zumba kann er nicht empfehlen: „Ich kam mir vor wie ein Parkinsonpatient in der Kinderdisko“. Beim Jogakurs störten ihn die üppigen, künstlichen Brüste so mancher Teilnehmerinnen, die allzu sehr im Liegen hervorstanden.

Brittons Fazit hierzu heißt „Silikonkraft – Nein, Danke“. Auch der Fußball birgt so manche Verletzungsgefahr, so habe er sich beim WM-Gucken den Rücken verengt, als er beim Jubeln über Mario Götzes Tor im Spiel Deutschland-Argentinien aufgesprungen sei. Eine Krankengymnastin musste es richten. Sie sagte Britton allerdings während der Begleitung im Alltag bei fast jeder Bewegung auch, dass er diese falsch mache. „Die war so in meinem Kopf drin, dass ich selbst beim Sex ihr ‚Nein, das machen Sie falsch’ hörte“, witzelte der Komiker. Das Publikum im Talbahnhof konnte sein Leid nachvollziehen und brach gleichzeitig in schallendes Lachen aus.

Für Mark Britton ist die Midlife-Crisis eindeutig eine Krankheit der modernen Gesellschaft, in der Mongolei käme eine Frau beim Melken ihres Yaks nie auf die Idee, am Sinn des Lebens zu zweifeln, meinte Britton und malte dem Publikum eine solche Szene dabei köstlich aus. Die Männer von heute hätten dann in den mittleren Jahren auch eher Burn Out, denn die üblichen Depressionen seien ja für Loser. Brittons Frau habe ihn deshalb auch einmal vorbeugend zur Therapie geschickt, aber bereits in der ersten Sitzung verscherzte er es sich mit der Therapeutin. Die Angst vor dem Tod wächst daher bei Männern jenseits der 50. „Willkommen im Club Mid – nicht Club Med. Auch mit Sand, aber eher eine Wüste und der Animateur ist zwei Meter groß, trägt Schwarz, hält eine Sense und fragt ‚Wollen wir spielen?’“, sprudelte es mit charmantem britischen Akzent aus Britton heraus.

Zum Schluss zählte er dann noch einmal die offiziellen Symptome der Wechseljahre bei Männern auf: Kopf-, Brust-, Hoden-, und Prostataschmerzen („Kurz gesagt, eine Menge Schmerzen“), Inkontinenz, Seh- und Hörstörungen, Impotenz, Körpergeruch, Depressionen und Knochenschwund. Oder auch „Knochenschwand“, wie der Brite es nannte. Verzweifelt stellte er fest: „Ich kann nichts mehr sehen, nichts mehr hören, ich stinke, ich mache in die Hose und kriege keinen mehr hoch – natürlich bin ich da traurig!“ Das Klimakterium, so der lateinische Begriff für die weiblichen Wechseljahre, werde dann beim Mann eher zum Krematorium.

Das Publikum überlebte den Abend dennoch, trotz zahlreicher Attacken auf die Lachmuskeln. Besonders die Männer gingen sicherlich mit einem lachenden und weinenden Auge nach Hause – ob der ihnen noch bevorstehenden Midlife-Crisis. Schließlich hatte Mark Britton bereits zu Anfang festgestellt, dass er genau zu seiner Zielgruppe sprach: den über 30-Jährigen.

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