Eschweiler - Mancher Einsatz eines Polizisten ist nicht „cool“

Star Wars Alden Ehrenreich Solo Freisteller Kino

Mancher Einsatz eines Polizisten ist nicht „cool“

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
5012909.jpg
Auf Interesse stießen die Ausführungen von Oberkommissarin Jeanette Schmidt, Einstellungsberaterin der Polizei. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Medizin oder Maschinenbau? Physik oder Chemie? Vielleicht Jura? Wirtschaftsprüfer? Ein Lehramtsstudium? Eventuell sogar die Polizei? Oder doch ein Beruf im sozialen Bereich? Die beruflichen Möglichkeiten, die sich Abiturienten nach ihrem Schulabschluss bieten, sind äußerst vielfältig, können aber auch verwirrend sein. Beratung tut also Not!

Auf Initiative von Ulrich Reinartz, ehemaliger Schulleiter des Städtischen Gymnasiums und Vizepräsident des Rotary Clubs Aachen-Land, sowie Lehrerin Christine Müller, Koordinatorin der Berufswahlvorbereitung, besteht bereits seit Jahren eine Kooperation zwischen den Verantwortlichen des Städtischen Gymnasiums und den Mitgliedern des Rotary-Clubs, die im Zweijahres-Rhythmus die Schule besuchen, um Informationen aus erster Hand weiterzugeben.

Jetzt waren nun zum insgesamt fünften Mal Professoren, Anwälte, Manager, Geschäftsführer von Unternehmen und viele weitere Personen am Städtischen Gymnasium zu Gast, um mehr als 250 Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 13 die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt näher zu bringen, sie über Anforderungen und Chancen in Studium und Beruf aufzuklären und nicht zuletzt Fragen zu beantworten.

„Berufsberatung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Vor Ort beim Arbeitsamt oder durch die neuen Medien. Berufsberatung aus erster Hand findet aber viel zu selten statt“, betonte Schulleiter Dr. Friedhelm Mersch während seiner kurzen Begrüßungsansprache. „Hier habt ihr nun die Gelegenheit, mit Profis in den Dialog zu treten, um neues zu erfahren,“ sprach der Pädagoge die Schüler direkt an. Laute das Fazit am Ende des Abends, dass der Beruf, über den Informationen eingeholt wurden, nun doch nicht der richtige ist, sei dies auch ein Erfolg. „Es ist nämlich viel schlimmer, erst während oder nach der Ausbildung beziehungsweise nach einigen Semestern zu bemerken, dass man die falsche Richtung eingeschlagen hat“, so Dr. Friedhelm Mersch. „Das Ziel muss lauten, zeitnah nach dem Schulabschluss eine klare Vorstellung zu haben, welche berufliche Richtung eingeschlagen werden soll“, erklärte der Schulleiter.

Kleinere Gruppen

„Wir haben uns im Vorfeld dieser Veranstaltung bemüht, alle Berufsgruppen unserer Mitglieder abzubilden, um euch unser Leben darzustellen“, versicherte Hans Cordes, Präsident des Rotary Clubs Aachen-Land. „Unser Pathologe schockiert allerdings schonmal“, warnte er die Schüler, bevor sich diese in kleinere Interessengruppen aufteilten, um Näheres über ihre „Wunschberufe“ zu erfahren.

Auf großes Interesse stießen unter anderem die Ausführungen von Polizeioberkommissarin Jeanette Schmidt, die den Schülern die Anforderungen sowie die Praxis des Polizeidienstes näher brachte und Fragen beantwortete. Etwa die, ob es einen „Mindest-BMI“ (Maßzahl zur Bewertung des Körpergewichts) gebe? „Die Entscheidung, ob der Bewerber körperlich geeignet ist für den Polizeidienst, fällt der Polizeiarzt, den jeder Bewerber am zweiten Tag des insgesamt dreitägigen Auswahlverfahrens kennenlernt“, so die Antwort der Einstellungsberaterin der Polizei in Aachen. Der bei vielen so gefürchtete „Sporttest“ sei nicht mehr Teil des Auswahlverfahrens. „Dafür gehört nun ein Belastungs-EKG dazu“, so Jeanette Schmidt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sei aber das Deutsche Sportabzeichen sowie das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze. Als Mindestgröße gelte bei Frauen 1,63 Meter und bei Männern 1,68 Meter. „Und dies wird nachgemessen“, unterstrich die Oberkommissarin. Brillen- und Kontaktlinsenträger seien vom Polizeidienst nicht ausgeschlossen, so lange eine bestimmte Restsehstärke ohne Sehhilfe vorhanden sei. Auch Tätowierungen seien kein Ausschlusskriterium, wenn sie beim Tragen „normaler“ Kleidung unsichtbar blieben.

In Sachen Schulabschluss muss zum Bewerbungszeitpunkt die volle Fachhochschulreife (Fachabitur) vorliegen. „Es gibt keinen NC, aussortiert wird beim Auswahlverfahren“, machte Jeanette Schmidt deutlich. „Um als Polizist glücklich zu werden, muss man sich berufen fühlen“, unterstrich sie weiterhin. Nicht jeder Einsatz sei „cool“. „Es gibt Einsätze, die einen an seine emotionalen Grenzen bringen.“ Etwa Verkehrsunfälle, die tragisch enden. Und auch das Überbringen von Todesnachrichten sei Teil des Polizeiberufs. „Jeder Bewerber muss sich der sozialen Verantwortung, die dieser Beruf mit sich bringt, bewusst sein.“

Auf der anderen Seite habe die Polizei natürlich einiges zu bieten: „Den ehemals sogenannten Mittleren Dienst gibt es in Nordrhein-Westfalen nicht mehr, sondern nur noch den Gehobenen sowie den Höheren Dienst“, erklärte die Beraterin.

Einstieg als Studierender

„Der Einstieg erfolgt als Studierender, nicht als Student, so dass ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis mit einem Einstiegsgehalt von 950 Euro netto vorliegt.“ Nach Abschluss des Studiums sei der Polizist „Kommissar des Gehobenen Dienstes“. Vorgeschrieben seien anschließend ein Jahr Streifendienst sowie danach drei Jahre „Hundertschaft“. „In dieser Zeit sollte 25 Prozent der Dienstzeit aus Sport bestehen. Im Falle des Falles werdet ihr dies brauchen“, schloss die Polizeioberkommissarin ihre Ausführungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert