Eschweiler - Majella Lenzens Ideen sind der Kirche 50 Jahre zu früh

Majella Lenzens Ideen sind der Kirche 50 Jahre zu früh

Von: sh
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Das möge Gott verhüten: Warum Majella Lenzen keine Nonne mehr sein kann, erzählte sie mehr als 100 Zuhörern im Talbahnhof. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Es ist eine Geschichte, die die Menschen berührt. Vielleicht, weil sie selbst einen Konflikt zwischen Glaube und Kirche in sich austragen. Es ist die Erzählung eines außergewöhnlichen Lebens.

Eine weiße Frau auf dem Schwarzen Kontinent, eine ehrgeizige wie einfühlsame Missionsschwester, die letztlich an ihrem Reformwillen und Pragmatismus scheiterte, zumindest in der Institution Kirche. Im „normalen” Leben kämpft sie weiter.

Hierbei erfährt Majella Lenzen, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, viel Unterstützung. Mehr als 100 Besucher kamen am Dienstagabend in den Talbahnhof, um ihrer Geschichte zu lauschen.

Als Schwester Maria Lauda lebte und arbeitete sie 33 Jahre lang in Afrika. In Tansania baute die gelernte Krankenschwester ein Krankenhaus mit auf. Als Provinzoberin der „Schwestern vom kostbaren Blut” versuchte sie in Simbabwe, die Ordensregeln zu reformieren, den Gegebenheiten anzupassen.

„Im Nachhinein sagte man mir, ich sei mit meinen Ideen 50 Jahre zu früh gewesen”, erzählt die 71-Jährige in Eschweiler. Eine beinahe zynische Bemerkung, die sie da schlucken musste. Denn die Missionsschwester agierte in Afrika im Dienste der Menschen, sie rettete Leben. Und ja: Sie verteilte Kondome in einem Prostituiertenviertel in Morogoro, Tansania.

Eine Entscheidung der tiefgläubigen Frau, die das Fass zum Überlaufen brachte. Für konservative Traditionalisten innerhalb der Kirche war sie nicht mehr tragbar. So erzählt es Majella Lenzen in ihrem Buch. „Ich kam nicht mehr damit klar, was die Kirche und der Papst im Gegensatz zu dem verlangen, was man im alltäglichen Leben tun muss”, sagt die Nonne.

Es ist der 8. Dezember 2009. Auf den Tag genau vor 50 Jahren flog sie von Amsterdam aus zu ihrem 8000 Kilometer entferntem Missionarsleben. Ihre Ausführungen klingen exotisch, fast romantisch. Das Abenteuer einer jungen Frau in einer fremden (Kolonial-)Welt.

Doch immer wieder merkt sie bei ihrer Arbeit im Krankenhaus und als Ordensschwester, dass sie bei der sturen Obrigkeit aneckt. Heute sagt sie: „Ich möchte Frauen Mut machen, zu sich selbst zu stehen, das zu tun, wovon sie überzeugt sind. Dann erst ist man frei.” Eine Maxime, die sie teuer zu stehen kam.

Ob sie Afrika vermisse, fragt eine Besucherin. „Ja, ich habe starkes Heimweh”, sagt Majella Lenzen. Ihre Stimme leise und brüchig. Zu ihrer Entscheidung, sich von ihrem Gelübde entbinden zu lassen, stehe sie aber weiterhin, trotz aller (finanzieller) Schwierigkeiten. „Ich habe mein ganzes Leben lang gesucht.” Dieser Weg hin zu Gott führe sie weiter, bis zum Tod.

Wie man nach 50 Jahren plötzlich wieder ein neues Leben als normaler ziviler Mensch beginnen könne? „Ich glaube, darüber muss ich noch mal ein Buch schreiben.” Hier klingt Majella Lenzen kraftvoll. Sie hat schließlich etwas zu sagen. Eine Geschichte zu erzählen, die berührt. Schweigen war noch nie ihre Sache.
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