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Mahnende Worte gegen das Vergessen

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
Trug zur musikalischen Gestalt
Trug zur musikalischen Gestaltung der Gedenkstunde im Rathaus maßgeblich bei: Nicola Kaußen, Schülerin der Bischöflichen Liebfrauenschule, am Violoncello.

Eschweiler. Ist das jährliche Gedenken an die Millionen Toten der beiden Weltkriege sowie die zahllosen Opfer von Gewaltherrschaft, ist also der Volkstrauertag noch zeitgemäß?

Diese Fragen stellten am Samstagnachmittag mit Oberst Günter Selbert und Bürgermeister Rudi Bertram gleich zwei Redner während der zentralen Gedenkfeier im Rathaus, zu der der Ortsverband Eschweiler des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeladen hatte. Und beide gaben die eindeutige Antwort: Ja!

Erinnerung wichtig

„Nach wie vor gibt es Menschen, die Angehörige während der Weltkriege verloren haben. Auch deshalb ist es weiterhin wichtig, den Soldaten, aber auch den Opfern unter der Zivilbevölkerung zu gedenken”, machte Rudi Bertram während seiner kurzen Begrüßungsansprache deutlich. Die damaligen Geschehnisse seien Teil unserer Geschichte.

Außerdem genüge ein Blick in die aktuellen Nachrichten, um zu verstehen, wie wichtig es sei, an die Vergangenheit zu erinnern und dabei die Gegenwart und Zukunft im Blick zu haben. „In vielen Teilen der Welt herrscht Unruhe! Deshalb muss das Gedenken auch Mahnung sein. Die Gründe des Volkstrauertages müssen immer in unseren Gedanken sein, damit wir nie mehr Gefahr laufen, Krieg in Europa heraufzubeschwören”, so der Verwaltungschef.

Oberst Günter Selbert blickte auf die Geschichte des Volkstrauertages zurück. 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen, konnte er sich während der Weimarer Republik nicht etablieren und wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von diesen als „Heldengedenktag” missbraucht.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Volkstrauertag 1948 in den drei westlichen Besatzungszonen in alter Tradition eingeführt. 1952 an das Ende des Kirchenjahres verlegt, wird seitdem „den Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat” sowie den Opfern von Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. „Der Volkstrauertag ist ein geeigneter Ansatz, zumindest einen Teil der Bevölkerung zum Gedenken anzuregen. Denn Gedenken ist das Gegenteil von Vergessen”, betonte der Standortälteste des Bundeswehrstandortes Aachen.

Der Zweite Weltkrieg habe 55 Millionen Tote gefordert, ein Wahnsinn, der sich niemals wiederholen dürfe, erst Recht nicht von Deutschland ausgehend. „Ich empfinde Trauer um die vielen Opfer von Gewaltherrschaft in der Vergangenhet und der Gegenwart, Demut und Schmerz, wenn ich daran denke, das sich das deutsche Volk mehrheitlich hat missbrauchen lassen und ein Verantwortungsgefühl für eine friedensstiftende Rolle Deutschlands in der Welt”, so der Offizier.

Darüber hinaus sei jedoch Dankbarkeit angebracht, in einer Demokratie leben zu dürfen sowie Zeuge der Aussöhnung mit den Nachbarländern, besonders dem ehemals sogenannten „Erbfeind” Frankreich, geworden zu sein. „Ich selbst durfte ein deutsch-französisches Kommando in Bosnien führen und miterleben, wie sehr gerade die Kooperation von Soldaten unterschiedlicher Nationen einen guten Einfluss auf die Bevölkerung hatte”, blickte Oberst Günter Selbert auf eigene Erfahrungen zurück. Die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland sei der überzeugendste Aspekt europäischer Freundschaft auf dem Weg zur Einheit Europas. Und dieser eingeschlagene Weg zur Aussöhnung sei unumkehrbar, auch wenn weltweit zahlreiche Gefahren lauerten.

Zu diesen zählte Günter Selbert unter anderem nationalistische Tendenzen, religiösen Fanatismus, die Lage im Nahen Osten, den Kampf um Wasser und andere Ressourcen in einer Welt mit sieben Milliarden Menschen, das weltweite soziale Ungleichgewicht sowie das Gebahren unverantwortlicher Finanzjongleure. Der Volkstrauertag müsse als Mahnung in den Köpfen der Menschen unseres Volkes verwurzelt bleiben. „Wir Deutschen müssen aus unseren bitteren Erfahrungen lernen, an sie erinnern und ihrer Gedenken. Dies ist der richtige Weg zur Klugheit”, schloss der Standortälteste.

Musikalisch wurde die Gedenkstunde von Bert Schopen, stellvertretender Leiter der Bischöflichen Liebfrauenschule, am Cembalo, sowie den Schülerinnen Nicola Kaußen (Violoncello) und Sarah Ziemons (Querflöte) mit Werken von Henry Eccles und Johann Sebastian Bach gestaltet.

Nach der Gedenkstunde folgte unter Begleitung des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr (Leitung Johann Krott) sowie der Mitwirkung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stadtmitte ein Schweigemarsch zum Ehrenmal im Stadtgarten, an dem drei Kränze niedergelegt wurden.
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