Magisches aus sechs oder zwölf stählernen Saiten

Von: vr
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Ähnlichkeiten mit Eric Clapton sind zufällig und nur äußerlich: Ulli Bögershausen hat seinen eigenen Gitarrenstil entwickelt und präsentierte im Talbahnhof die gesamte Bandbreite seiner Kunst. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Die Augen sind geschlossen, im Kopf klingt glasklar eine Melodie und leuchtet wie ein einzelner, heller Lichtstrahl im Dunkeln. Die Augen werden geöffnet und auf der Bühne leuchtet ein einzelner Scheinwerferschein auf den Mann mit seiner Gitarre, dessen Musik gerade so verzaubert.

„Ein Licht strahlt in der Dunkelheit” („A light hits the gloom on the grey”) lautet übersetzt eine Textzeile aus Seals Ballade „Kiss from a rose”, einem erklärten Lieblingssong von Ulli Bögershausen, der nicht mehr als seine sechs-, manchmal auch seine zwölfsaitige Steelstring-Gitarre braucht, um die ganze Magie der Musik zu entfalten. So geschehen am Freitagabend im Talbahnhof.

Ein wenig wie ein kühl-nüchterner Professor wirkt Bögershausen, als er Eschweilers Kleinkunstbühne betritt, seine Gitarre nimmt und nach einer knappen Begrüßung zunächst um etwas Geduld bittet, bis er sich „an die Bühne, das Licht und die Atmosphäre gewöhnt” habe.

Doch dann wird atemberaubend gegroovt: „Percussive groove” startet direkt durch mit einem dicht verwobenen Sound mehrerer Tonläufe, in dessen Verlauf bereits die enorme Bandbreite der gitarristisch-technischen Fähigkeiten des Interpreten deutlich wird. „Es gibt gitarristische und melodiöse Stücke”, erklärt Ulli Bögershausen später und gibt bei seinem Konzert am Freitag Kostproben aus beiden Kategorien, wobei gerade seine Interpretationen von Cindy Laupers „Time after time” oder Joan Osbornes „What if God was one of us” ganz klar der letzteren Sorte zuzuordnen sind.

Doch gerade die eigenen Kompositionen, von der gefühlvollen Ballade „Secret story” bis hin zum klangspielerischen „Valpolicella Express”, einen der Konzertlocation angepassten abfahrenden Zug ausdrückend, sind es, die besonders beeindrucken, strahlen diese Stücke doch eine unglaubliche Tiefe aus, in die sich der geneigte Zuhörer gerne fallen läßt.

Von seinen ursprünglichen Folkwurzeln scheint bei Ulli Bögershausens Musik auf den ersten Blick nicht mehr viel übrig geblieben zu sein, doch bei genauem Zuhören erzählt jedes Lied eine eigene Story mit Höhen und Tiefen, werden bestimmte Akkorde oder Melodielinien betont und immer wieder unterschiedliche Stimmungen erzeugt.

Auch wenn aus „Es wäre schön gewesen” im Zuge der Internet-gestützten Popularität mittlerweile der Titel „It could have been” geworden ist, liegen Ulli Bögershausen gerade seine älteren Lieder, darunter auch das an Tempo gewinnende „Gegen die Zeit”, am Herzen. Und immer dann, wenn man glaubt, den Fingerstyle-Gitarristen in eine musikalische Schublade stecken zu können, überrascht der Künstler, greift zum Bottleneck und seiner Zwölfsaitigen, um ganz Leo Kottke-gemäß „Frühling, Sommer, Herbst” anzustimmen.

Schließlich schloss auch das Talbahnhof-Konzert am Freitag mit zwei Gegensätzen, bestehend aus dem groovigen Pianobar-Klassiker „Hit the road Jack” und einem Tango. Bleibt zu hoffen, dass Ulli Bögershausen nicht allzu viel Gefallen an „ausgedehnten kreativen Phasen” in seinem idyllischen Zuhause mit Blick auf Weinberge und die Mosel finden wird, um in naher Zukunft auch an der Inde wieder mit seiner Musik träumen zu dürfen.
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