Lohn des ESG-Urgesteins ist der Spaß der Handball-Pänz

Von: Patrick Nowicki
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Blau und Gelb fest im Griff: Handball in der ESG ist die große Leidenschaft von Michael Weber. Foto: Patrick Nowicki (2)/privat

Eschweiler. Mit seiner ESG hat Michael Weber schon alles erlebt: Triumphe in der Handball-Regionalliga, bittere Abstiege, der Rückzug des gesamten Vorstandes, der Wiederbeginn und schließlich der jüngste Aufschwung. Und der 47-Jährige war immer mittendrin.

Zunächst als Spieler, dann als Kassierer und seit über zehn Jahren schließlich als Vorsitzender. Gestern wurde er für sein unermüdliches Engagement beim Tag des Ehrenamtes ausgezeichnet. Vor der Ehrung sprach er mit uns über die Goldenen Zeiten der Eschweiler Handballer, die Schwierigkeiten der Ehrenamtler und die Hoffnung, die er in die Jugendlichen steckt.

Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Auszeichnung beim Tag des Ehrenamtes in Empfang nehmen?

Weber: Das haben meine Vorstandskollegen ohne mein Wissen in die Wege geleitet. Ich bin natürlich stolz und geehrt. Aber ich nehme den Preis stellvertretend für alle entgegen, die bei uns im Verein mitarbeiten.

Sie haben alle Hoch und Tiefs der ESG-Handballer miterlebt. Wann erwachte Ihre Liebe zum Handball?

Weber: Als ich ein Kind war. Mein Vater war bereits Kassierer bei der ESG und als ich in der C- und B-Jugend war, fuhr ich mit zu den Auswärtsspielen. Natürlich mit Fahne. So habe ich auch den Aufstieg in die Regionalliga erlebt. Das waren damals alles fast nur Eschweiler Jungs.

Sie waren damals ein Spieler dieser Mannschaft. Wie erklären Sie sich den Abstieg bis hinunter in die unterste Klasse?

Weber: Naja, ich habe mir ziemlich früh einen Muskelfaserriss zugezogen, war also nicht wirklich im Team. Als wir in 1988 abgestiegen sind, wollte der Vorstand unbedingt wieder aufsteigen. Das hat auch geklappt, aber zu einem hohen Preis. Es folgte danach der vollständige Absturz.

Welche Gründe haben Sie heute dafür?

Weber: Der Vorstand hatte sich wohl auf mündliche Zusagen des Handballkreises verlassen, dass die 1. Mannschaft die Stelle der 2. Mannschaft übernehmen konnte. Dies hätte bedeutet, dass es in der 1. Kreisklasse weitergehen sollte. Stattdessen wurde das Team komplett heruntergestuft. Danach trat der gesamte Vorstand zurück.

Sie haben damals zum ersten Mal auch im Vorstand Verantwortung übernommen. Was hat Sie dazu bewogen?

Weber: Wir haben uns gedacht: Jetzt erst recht! Wir steigen auch wieder auf. Das ist uns ja auch bis in die Landesliga gelungen. Danach aber ging es immer wieder mal zurück. Wir waren eine Fahrstuhlmannschaft.

Was haben Sie denn aus der Krisenzeit gelernt?

Weber: Wir haben uns geschworen, dass nur noch ohne Geld gespielt wird. Und wir wollten die Jugendarbeit nach vorne bringen. Denn nur so kann sich ein Verein dauerhaft über Wasser gehalten.

Die Jugendjahrgänge sind durchgängig besetzt. In der Vergangenheit gab es immer wieder gemeinsame Veranstaltungen mit dem TFB Röhe. Ist da eine Vereinsfusion angedacht?

Weber: Ich denke, das wir so nicht klappen. Man hat uns eine Spielgemeinschaft angetragen. Aber dagegen hat sich unser Vorstand entschieden.

Sie sind Vorsitzender, immer noch Spieler der 2. Mannschaft und trainieren zudem zwei Jugendmannschaften. Wie viele Stunden verbringen Sie in der Woche mit Handball, oder darf Ihre Frau das nicht lesen?

Weber: (lacht) Ohne meine Frau ginge das gar nicht. Sie ist selbst ehemalige Handballerin und derzeit Zeitnehmerin. Meine Söhne spielen natürlich ebenfalls Handball. Natürlich bei uns in der ESG. Aber Sie haben recht: Es gibt wohl keinen Tag ohne Handball in meinem Leben.

Waren die Kinder auch der Grund, selbst Jugendtrainer zu werden?

Weber: Wir standen ja nur mit wenig Jugendmannschaften dar. Also überlegten wir uns, die Jugend komplett von unten aufzubauen. Mein Sohn war damals vier Jahre alt, also im Alter für Minis. Mit Gabi Zylus und Nicole Pütz haben wir als Trainer begonnen. Mit einer Mini- und einer F-Jugend-Mannschaft hat alles angefangen. Anschließend ist es uns gelungen, die Teams kontinuierlich aufgebaut. Inzwischen spielen 120 Kinder und Jugendliche bei uns.

Und wie viel Stunden kommen wöchentlich für den Handball zusammen?

Weber: Also jede Woche sind es mindestens sechs Stunden Jugendtraining. Hinzu kommen noch die Spiele an den Wochenenden. Dann trainiere und spiele ich auch selbst. Oft bin ich der Letzte in der Halle und schaue nochmal nach dem Rechten. Und Zuhause muss ich noch den Schreibkram erledigen. Da kommt schon einiges zusammen.

Was motiviert Sie dazu, so viel Freizeit für den Sportbund den Verein zu opfern?

Weber: Ganz einfach: Weil ich Handball über alles liebe. Ich könnte mir heute gar nicht vorstellen, nicht mehr zu spielen. Da müsste ich mir schon alle Gräten brechen.

Mit 47 Jahren kommt bestimmt auch das ein oder andere Wehwehchen dazu. Waren Sie nie ernsthaft verletzt?

Weber: Nichts Schlimmeres. Ich hatte mal nach einem Handkantenschlag einen Finger gebrochen. Die Nase – das sieht man auch – wurde ein Paar Mal in Mitleidenschaft gezogen. Aber sie war, glaube ich, nur einmal in Gips.

Sie sind nun schon sehr lange Zeit ehrenamtlich tätig – ist das Ehrenamt schwieriger geworden?

Weber: Definitiv ja. Es werden Ehrenämtlern immer mehr Aufgaben aufgebürdet. Dies betrifft nicht nur die Behörden, sondern auch die Sportverbände.

Die Sportförderung in Eschweiler wird auch kritisch beäugt. Manche behaupten, dass der Fußball bevorteilt wird. Wie sehen Sie das als Handballer?

Weber: Wir werden schon von der Stadt unterstützt. Dies betrifft zum Beispiel die Hallenzeiten. Nach langem Hin und Her haben wir in der Eichendorffhalle nun endlich einen Raum mit Spüle und fließend Wasser bekommen, um unseren Gästen bei Heimspielen auch das ein oder andere anbieten zu können. Wir sind als Verein auch auf solche Einnahmen angewiesen. Deswegen sind wir sehr dankbar, dass dies endlich geklappt hat. Das war aber eine sehr langwierige Angelegenheit, obwohl wir von einer sehr kleinen Summe rede. Da ist es für manche Mitglieder natürlich schwer nachvollziehbar, dass wir so lange warten müssen, aber überall für viel Geld Kunstrasenplätze und Vereinsheime gebaut werden.

Auch wenn Sie selbst betonten, dass es für ESG Handball wohl keine Fusion geben wird: Sind Zusammenschlüsse von Vereinen für Sie grundsätzlich kein Weg?

Weber: Doch, man muss sich Gedanken machen, vor allem dann, wenn die Jugendarbeit wegbricht. Wir sind in der glücklichen Lage, die 1. Mannschaft immer mit eigenem Nachwuchs zu versorgen. Aber wir müssen uns im Klaren sein, dass es immer weniger Kinder gibt. Der Demografische Wandel ist da. Dennoch sind Sportvereine extrem wichtig. Denn ein Kind ohne Sport ist ein armes Kind. Wo will es denn mit seinen Emotionen hin? Wo will es soziale Kompetenzen erwerben? Zuhause auf der Couch vor dem Fernseher?

Wie motivieren Sie andere in Ihrem Verein, ehrenamtlich tätig zu sein?

Weber: Man muss schon ein bisschen positiv bekloppt sein. Viele unserer Nachwuchstrainer kommen aus der Seniorenmannschaft. Dann spreche ich sie an und frage: Der Verein hat dir viel gegeben, willst du nicht auch etwas zurückgeben? Wir übernehmen als Verein die Kosten für den Übungsleiterschein, immerhin 400 Euro pro Person. Viele Übungsleiter sind Studenten. Bei den ganz Kleinen schauen wir natürlich darauf, dass nach Möglichkeit jemand trainiert, der selbst Kinder hat.

Sie sagten gerade, dass es kein Geld zu verdienen gibt in Ihrem Verein. Wie wird man denn für die ehrenamtliche Arbeit entschädigt?

Weber: Es ist natürlich manchmal anstrengend. Aber ganz ehrlich: Es ist so schön zu sehen, wie viel Spaß die Pänz beim Handball haben. Davon lebt ein Verein.

Zum Abschluss, Sie heißen Michael, werden in Handballkreisen aber „Männ“ gerufen. Woher kommt der Spitzname?

Weber: (lacht) Das ist lange her. Ich habe immer gerne Heber geworfen. Also nannte man mich Hebersch Männ. Irgendwann hieß ich nur noch Männ. Und da Michael Weber häufig vorkommt, steht Männ nun auch in meiner E-Mail-Adresse.

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