Löcher in den Kassen und im Asphalt

Von: Sarah Maria Berners
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Besonders heftig sind die Frostschäden in der Martin-Luther-Straße. Allerdings ist es schon beschlossene Sache, dass die Fahrbahndecke im Frühjahr erneuert wird. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Nun gut, viele Straßen im Stadtgebiet sind auch vor dem heftigen Wintereinbruch nicht gerade in einem Topzustand gewesen. Aber Eis und Schnee haben den Asphaltdecken nicht gut getan. Vielerorts klaffen dicke Schlaglöcher in den Straßen.

„Im Vergleich zu anderen Städten sind wir aber noch relativ glimpflich davongekommen”, sagt Stadtsprecher Stefan Kaever. Glimpflich heißt aber noch lange nicht gut. „Unsere Begeher sind ständig unterwegs. Überall, wo es schon vor dem Winter Risse gab, hat der Frost Schäden angerichtet”, sagt Tiefbauamtsleiter Bernd Hartlich. Denn durch kleine Risse in der Asphaltdecke dringt Wasser ein. Wenn das gefriert, platzt die Asphaltdecke auf. Die Reifen des nächsten Autos schleudern die ersten Brocken auf die Straße, langsam entsteht ein Schlagloch - oder Frostausbruch, wie die Fachleute sagen.

Wie immer fehlt das Geld

Das Problem ist aber nicht allein der Winter. Das Problem ist - wie so oft - das Geld. „Wenn wir das Geld für ein besseres Erhaltungsmanagment hätten, würde der Winter nicht solche Auswirkungen haben”, sagt Gregor Mathar von der Straßenmeisterei. Alle 15 bis 18 Jahre sollte die Deckschicht einer Straße erneuert werden. Dann käme es nicht zu den vielen Rissen und in Folge dessen nicht zu den Frostausbrüchen.

Für eine regelmäßige Erneuerung der Deckschicht fehlt Kommunen und Landesbetrieben jedoch meist das Geld. Wer einen Blick auf die Straßen wirft, kann fast überall Risse entdecken.

Selbst bei der Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht kann es knapp werden. Hartlich bringt das für die Stadt Eschweiler auf den Punkt: „Wir haben einen Nachholbedarf im zweistelligen Millionenbereich.” Trotz der vielen Baustellen. Für dieses Jahr hat der Tiefbauamtsleiter etwa eine Millionen Euro zur Verfügung. Den Investitionsstau wird er damit - angesichts der anstehenden Reparaturen und Erneuerungen - wohl kaum aufholen können. „Wir können nur das Nötigste machen, nur dort, wo Gefahren drohen. Für alles andere fehlen Leute, Geld und Material.”

Überall, wo Gefahr für Autofahrer und Fußgänger droht, rückt eine Truppe der Wirtschaftsbetriebe an und verfüllt die Löcher mit Kaltasphalt. Gleiches gilt für die Straßen, für die der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig ist. „Das ist aber nur etwas von heute auf morgen”, sagt Hartlich.

Er vergleicht den Kaltasphalt mit Uhu - „und den soll man auch nur auf trockenem Haftgrund anwenden”. Will heißen: Wenn es so, wie in der vergangenen Woche schüttet, können die löchrigen Straßen kaum gescheit geflickt werden. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, müssen die Zuständigen trotzdem provisorisch tätig werden. Wohl wissend, dass die Füllung nicht lange halten wird. „An Stellen mit großem Verkehrsaufkommen können wir nicht selten am nächsten Tag wieder zur selben Stelle anrücken oder zu einem Schaden einige Meter weiter.” Bisher konnten nicht einmal alle Schäden des vergangenen Winters behoben werden.

Dennoch werden - allerdings nicht belegt für Eschweiler - bei den Reparaturarbeiten auf den Straßen immer wieder Fehler gemacht. „Ich bekomme graue Haare, wenn sehen, wie Straßenarbeiter Kaltasphalt in nasse Schlaglöcher schütten und zweimal mit der Schaufel drauf hauen”, sagt Bernd Yannicke, beim Landesbetrieb Fachmann für Bautechnik. So eine Reparaturmaßnahme sei vergeudete Zeit und vergeudetes Geld. „Das hält mit ein bisschen Glück bis zum Frühjahr.” Dabei könne man auch jetzt im Winter durchaus gute und lange haltende Flicken machen. Für die „Minimalvariante eines haltbaren Flickens” gibt es dem Fachmann zufolge nur ein paar Regeln zu beachten.

Bevor der Asphalt in das Schlagloch gefüllt wird, muss das Loch sauber und trocken sein. „Loses Material muss ausgekehrt werden und Feuchtigkeit kann mit einem Gasbrenner getrocknet werden”, sagt der Fachmann. Außerdem seien die Ränder der Schlaglöcher durch die vielen Autos relativ glatt. „Um einen wirklich guten Verbund zwischen dem alten und dem neuen Material zu erhalten, sollte man die Fläche aufrauen.” Ideal sei, wenn zusätzlich noch Haftkleber verwendet würde.

Verdichtung ist wichtig

Danach reicht es nicht, zweimal mit der Schaufel auf den Asphalt zu klopfen. „Unbedingt einen Stampfer verwenden. Diese Verdichtung ist wichtig”, sagt der Fachmann. Wird nicht ausreichend verdichtet, dringt neues Wasser ein und beim nächsten Frost platzt die Schicht wieder auf. Besser als das Minimalprogramm ist es jedoch, wenn die schadhafte Stelle großzügig ausgeschnitten wird. So werde sichergestellt, dass schadhafte Ränder nicht bald wieder Probleme machen. Für Trupps, die täglich Tausend Schlaglöcher stopfen müssen, sei das allerdings schwierig.

Gussasphalt

Auf Autobahnen wird mit heißem Gussasphalt gearbeitet. „Das ist entgegen der landläufigen Meinung auch jetzt möglich”, betont Yannicke. Gussasphalt ist heißt und flüssig. Verwenden kann man ihn auch bei niedrigen Temperaturen, weil er sich selbst verdichtet und nivelliert. Bei normalem Asphalt ist das Problem, dass er verdichtet werden muss und dafür hat die Walze bei niedrigen Temperaturen zu wenig zeit, weil der Asphalt zu schnell fest wird. „Wenn eine Straße von Schlaglöchern übersät ist, dann hilft es nur noch, die ganze Straße oder zumindest die Deckschicht neu zu machen.” Wenn da die leeren Kassen nicht wären.

Warum man ein Wasserflasche in das Schlagloch legen sollte

„Grundsätzlich gibt es eine Kontrollpflicht für die Kommune und den Straßenbetrieb”, sagt Elke Hübner, Juristin und Verbraucherschützerin beim ADAC. Wenn die verletzt wird und etwas passiert, kann der Geschädigte Ansprüche geltend machen.

Ob ein Schaden reguliert wird, hängt vom Einzelfall ab. „Ist ein Schlagloch sehr groß und gut zu sehen, haftet die Kommune eher nicht”, nennt Hübner ein Beispiel. Die Beweislast liegt beim Autofahrer. „Es ist nicht einfach, seine Ansprüche durchzusetzen.” An Stellen, die vor vielen Autofahrern benannt wird, sei die Chance jedoch erheblich größer.

Bei der Stadt Aachen wurden bereits einige Regressansprüche gestellt. In Eschweiler bisher keine.

Wichtig ist es laut ADAC sofort anzuhalten und das Auto zu überprüfen, wenn man in ein Schlagloch gefahren ist, rät die Verbraucherschützerin. Dann sollte man das Schlagloch zum Beispiel mit dem Handy fotografieren. „Am besten legt man eine Flasche Wasser oder etwas anders hinein, damit man später einen Größenvergleich hat. Außerdem sollte man die Polizei rufen und Zeugen finden.”

Wer den Schaden erst Zuhause entdeckt, kann kaum beweisen, dass er an einem bestimmten Schlagloch entstanden ist. Außerdem könnte das Loch am nächsten Tag bereits verfüllt sein.

Die Juristin vom ADAC rät Autofahrern zu einer vorsichtigen und vorausschauenden Fahrweise. „Auf diese Mühen und den Ärger kann man gut verzichten.”

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