Liedermacherin aus Eupen längst kein Geheimtipp mehr

Letzte Aktualisierung:
5792920.jpg
Vergleiche zur jungen Joan Baez sind rein optisch, akustisch verfügt die belgische Liedermacherin Romy Conzen über ein weitaus größeres Repertoire – zu hören bei ihrem Auftritt im Culture Café. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Wenn sie die ersten Akkorde auf ihrer grünen Gitarre spielt, fällt die augenscheinliche Schüchternheit schlagartig ab.Wenn sie die ersten Textzeilen singt, wird es ruhig in der kleinen Kneipe, spätestens beim Refrain, ob energiegeladen oder samtig-weich – sie zieht ihr Publikum in ihren Bann.

Die belgische Liedermacherin Romy Conzen verzauberte bei ihrem Auftritt am Freitag im Culture Café mit gefühlvoll interpretierten Coversongs und eigenen Kompositionen aus ihrem Debut-Album „Black as night“. „Ich finde es gemütlich und schön, wenn alles funktioniert“, trotz einer gerissenen Saite und kleinen Mikrofonproblemen ließ sich die 25-jährige Sängerin am Freitagabend nicht aus der Ruhe bringen und hatte offensichtlich ebenso viel Freude an ihrem Auftritt wie die Gäste von Gretel Germann im gut gefüllten Culture Café.

„So far away“, „Sky falls down“ und „Cruel to be kind“ heißen die neuen Songs, die Romy Conzen noch vor wenigen Wochen bei der Präsentation ihres Albums „Black as night“ im „Spirit of 66“ in Verviers mit ihrer Band noch sehr rockig präsentiert hatte. Doch auch im Soloprogramm mit Akustikgitarre funktionieren ihre Lieder, wenn auch in ein musikalisch komplett anderes Gewand gehüllt.

Sie könne nicht sagen, was mehr Spaß mache oder was anstrengender sei: Mit ihrer Band einen Club zu rocken oder ganz alleine mit ihrer Gitarre vor einem Publikum aufzutreten. Jedenfalls flogen der ebenso talentierten wie sympathischen Sängerin am Freitag die Herzen ihrer Zuhörer in Rekordzeit zu, vor allem als sie mit Songs wie U2s „With or without you“ und Snow Patrols „Chasing cars“ für Gänsehautstimmung sorgte.

Dass Conzen nicht nur die ruhigen, balladesken Töne beherrscht, bewies die in Eupen geborene Musikerin mit ihrer Version von „Losing my religion“ (R.E.M.): rhythmische Gitarre, ausdrucksstarke Strophenmelodie und ungeahnt kraftvoller Refrain, die Stimme von samtig-weich bis leicht rauchig. So beeindruckte Romy Conzen mit Songs, die wie für sie gemacht zu sein scheinen à la Radioheads „Creep“ oder „Paint it black“ von den Rolling Stones, also Songs mit rockigen Wurzeln im akustischen Balladen-Gewand. Nicht wenige Sänger haben sich an Leonard Cohens „Hallelujah“ vergeblich versucht – Romy Conzen gelingt auch diese gesangliche Höchstleistung ohne verkrampfende Anstrengung.

Bleibt die Frage, warum Romy Conzen nicht mehr Lieder in ihrer Heimatsprache singt, hat sie von den elf Songs ihres Albums doch nur „Just be free“ auf Französisch geschrieben – und auch dort ist der Refrain auf Englisch. „Es fällt mir leichter, Emotionen in englischer Sprache auszudrücken – außerdem sind die Songs internationaler“, lautet die einfache Begründung der Interpretin, die über den Status des talentierten Geheimtipps hinaus will und es offensichtlich auch schon ist.

Da passt es auch, dass nach „Holding on“ mit „Cruel to be kind“ bereits das zweite Musikvideo in Produktion ist. Und wer unweigerlich beim Auftritt der Sängerin am Freitagabend, vor allem auch optisch, an die junge Joan Baez denken musste, der dürfte überrascht sein, wie rockig die belgische Liedermacherin sein kann, wenn sie mit ihrer Band auftritt. Ihre starke Bühnenpräsenz und die grüne Akustikgitarre sind auch hier ihr steter Begleiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert