Eschweiler - Lieder, Gedichte und Sorgen um den Sinn des Festes

Lieder, Gedichte und Sorgen um den Sinn des Festes

Von: ran
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„Sei ein Licht dieser Welt“ lautete die Aufforderung des Frauenchors der Pfarrkirche St. Antonius Röhe zum Auftakt des Konzertes „Die Krippe ist schon aufgestellt“. Mancher Redner machte sich aber auch Sorgen um den „Sinn des Weihnachtsfestes“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Nur noch wenige Stunden, dann ist Weihnachten – das Fest der Liebe und hoffentlich auch der Nächstenliebe. Diese stand am frühen Sonntagabend beim Wohltätigkeitskonzert in der Pfarrkirche St. Antonius in Röhe im Mittelpunkt. Unter der Überschrift „Die Krippe ist schon aufgestellt“ boten die Mitwirkenden unter der Leitung von Kantor Franz Surges weihnachtliche Musik und Poesie.

Die Einnahmen des Konzerts kommen der Aktion „Kinder aus Notstandsgebieten“ von Professor Dr. Joachim Steffens, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St.-Antonius-Hospital, zugute.

Viele Weihnachtsfacetten

Besinnliche und fröhliche Melodien und Klänge sowie nachdenklich stimmende, aber auch Hoffnung und Zuversicht verbreitende Worte – das Konzert in der gut besuchten Röher Pfarrkirche St. Antonius bot den Zuhörern viele Facetten des Weihnachtsfestes. Moderator Simon Küpper, Ehrenvorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins, führte mit kurzen und prägnanten Hinweisen durch das Programm. Dieses eröffnete Franz Surges mit dem Praeludium C-Dur von Johann Ludwig Krebs an der Orgel; und er setzte es mit der von ihm komponierten Choral-Veränderung des berühmten Adventslieds „O Heiland reiß die Himmel auf“ durchaus dramatisch fort.

Kurz darauf bot der 16-jährige Aaron Fehr, Jungstudent an der Musikhochschule Köln, an der Trompete mit der Ouvertüre, der Bourrée sowie dem Marsch drei Sätze aus Georg Friedrich Händels „Wassermusik“. Dann war es an Dr. Oliver Deserno, Oberarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St.-Antonius-Hospital, die Arbeit des „Friedensdorf International“ in Oberhausen, mit dem die Klinik des Eschweiler Krankenhauses eng zusammenarbeitet, vorzustellen.

„In den zurückliegenden 15 Jahren konnten wir 45 Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten operieren und ihnen ein körperlich weitgehend uneingeschränktes Leben ermöglichen“, trug der Oberarzt Gedanken von Professor Dr. Joachim Steffens vor. Am Beispiel eines siebenjährigen Jungen aus Afghanistan, dessen Gesicht, Arme und Nieren durch Granatsplitter schwer verletzt wurden, wurde deutlich, dass hier routinierte Eingriffe in den Herkunftsländern Herausforderungen darstellen. „Das dankbare und glückliche Lächeln der Kinder nach einer erfolgreichen Operation ist der wunderbarste Dank“, sagte Professor Dr. Joachim Steffens.

Dann eroberte wieder die Musik die Aufmerksamkeit der Zuhörer: Der Frauenchor der Pfarrkirche St. Antonius stimmte mit dem von Franz Surges komponierten Lied „Sei ein Licht in dieser Welt“ eine Uraufführung an, lud mit „Macht hoch die Tür“ das Publikum zum Mitsingen ein und ließ wenig später das Tiroler Adventslied „Ach, wann kommen jene Stunden“ hören.

Sorge um den Sinn des Festes

Querflötistin Barbara Lietz interpretierte zwei Sätze (Largo, Allegro) aus der „Sonata terza“ von Francesco Veracini, bevor das Bläserquartett Heinrich Krüttgen (Posaune), Thomas Graaf (Horn), Robert Skambraks und Aaron Fehr (beide Trompete) mit „Tochter Zion“ und „Es ist ein Ros entsprungen“ die Frohe Botschaft des nahenden Weihnachtsfestes musikalisch verkündeten.

Zum Nachdenken über den Sinn des Weihnachtsfestes animierte Dr. Martin Gruhlke. Den Diplom-Biologen der RWTH Aachen treibt die Sorge um, dass die Redewendung „Frohe Weihnachten“ heutzutage zu einem „beiläufig dahergesagten Saisonartikel“ verkomme.

„Für mich ist Weihnachten das Fest der Hoffnung. Doch in unserer säkularen Welt beginnen selbst die Christen, sich der Hoffnung, die als irrational gilt, zu schämen. Ich glaube an die Kraft der Hoffnung. Gerade weil ich als Naturwissenschaftler der Vernunft verpflichtet bin. Hoffnung ist nicht irrational. Jeder Mensch ist von ihr getragen, sonst wäre er nicht lebensfähig“, so Dr. Martin Gruhlke. Wer das Fest nur durch die „abgeklärte Brille der Postmoderne“ sehe, werde dessen Kern nicht erfassen. Denn: „Nur wenn wir von Hoffnung und Sehnsucht getrieben werden, können wir für etwas einstehen“, schloss er seine Ausführungen – er bekam Applaus.

Gedichte vom Bürgermeister

Bürgermeister Rudi Bertram trug mit „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ der Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs sowie mit „Heimatlos“ von Max Herrmann-Neiße Gedichte von Schriftstellern vor, die als deutsche Staatsbürger während des Naziterrors ihr Heimatland verlassen mussten. „Menschen, die in Eschweiler Asyl suchen, werden in naher Zukunft ein großes Thema sein. Unsere Aufgabe ist, diesen Menschen Hoffnung zu geben“, so Rudi Bertram.

Gegen Ende des Wohltätigkeitskonzerts begeisterte dann die zehnjährige Violinistin Zoé Freitag. Mit ihrer Lehrerin Aki Sakamoto-Bartz spielte sie den Vortrag des 1. Satzes aus dem Concerto a-Moll von Antonio Vivaldi. Aaron Fehr zeigte die weltberühmte Arie „Lasscia ch‘io pianga“ von Georg Friedrich Händel. Der Frauenchor trug mit dem „Ave Maria“ von Franz Surges die zweite Uraufführung des Tages vor und stimmte ebenso das fröhliche und beschwingte Lied „Sohn Gottes, werd‘ neu geboren“ an.

Die von Simon Küpper vorgetragene Weihnachtsgeschichte „Das Kind in der Krippe“ ließ die Zuhörer sowohl schmunzeln als auch nachdenklich werden. Dankbarer Applaus des Publikums war der verdiente Lohn für alle Mitwirkenden des Konzerts, das der Aktion „Kinder in Notstandsgebiete“ 770 Euro einbrachte. Die Zugabe „Das winterliche Schweigen“ sowie das gemeinsam mit dem Publikum gesungene Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ stellten einen würdigen Schlusspunkt eines liebevoll gestalteten Abends dar.

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