Eschweiler - Lichtschnelles Internet kommt in den Nordwesten von Eschweiler

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Lichtschnelles Internet kommt in den Nordwesten von Eschweiler

Von: Rudolf Müller
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Internet mit Lichtgeschwindigkeit: Die Deutsche Glasfaser GmbH bietet Bewohnern von Hehlrath, Kinzweiler und St. Jöris nun Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnung. Foto: Martin Wissen
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Verspricht eine zügige und saubere Abwicklung der Netzausbau-Arbeiten samt fünfjähriger Garantie: Nicole Holländer, Vertriebsleiterin der Deutsche Glasfaser GmbH. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Jahrelang hagelte es Beschwerden aus Eschweilers nördlichen Stadtteilen: Während nahezu überall in Europa das Internet immer schneller und damit effektiver wurde, herrschten in Eschweilers Randbezirken Zustände, die eine Postübermittlung per Brieftaube fixer erscheinen ließen als per Datenübertragung.

Zwar hat die Telekom vor knapp vier Jahren aufgerüstet und Eschweiler zeitweise zu einer der „schnellsten“ Städte in NRW werden lassen, doch davon profitierten längst nicht alle Haushalte.

Bewohner von Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris können sich nun auf Internet mit Lichtgeschwindigkeit freuen: Am Mittwoch unterschrieb Bürgermeister Rudi Bertram einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser GmbH. Und der umschließt nicht nur die genannten Stadtteile, sondern auch die Gewerbegebiete IGP, In der Krause und Südlich Elektrowerk. Die Deutsche Glasfaser GmbH plant hier ein Invest von 3,1 Millionen Euro.

Wesentlicher Standortfaktor

Das 2012 im westfälischen Borken gegründete Unternehmen, das heute mehrheitlich der US-Beteiligungsgesellschaft KKR gehört, betreibt den Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen. FTTH, das steht für Fiber To The Home und bedeutet, dass das Glasfaserkabel nicht an der Grundstücksgrenze endet, sondern bis in die Wohnung geführt wird. Sprich: Jeder Haushalt bekommt einen eigenen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung. Die Firma unterhält ein eigenes Breitband-Glasfasernetz, das Leistungen von bis zu 1 GB/s ermöglicht.

„Für eine moderne und attraktive Stadt ist eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur ein wesentlicher Standortfaktor“, begründet Bürgermeister Rudi Bertram die jetzt beschlossene Zusammenarbeit mit Deutschlands größtem FTTH-Netzbetreiber, der in unserer Region auch bereits in Simmerath und Roetgen tätig ist und den gesamten Kreis Heinsberg mit Glasfaser versorgt.

In Eschweiler wartet die Deutsche Glasfaser GmbH mit einem besonderen Angebot auf: Kunden, die sich bis zum 25. August dafür entscheiden, erhalten den Anschluss kostenlos, egal, wie weit entfernt ihr Haus von der Straße liegt. Fürs erste Jahr gilt dann ein günstiger Pauschalpreis, ehe ab dem 13. Monat eine Preisstaffelung je nach Bandbreite (200, 400 oder 600 MB) eintritt.

Auf vier bis sechs Monate beziffert Vertriebsleiterin Nicole Holländer die Gesamtbauzeit für Leitungsverlegung und Anschlüsse in den genannten Gebieten. Bis Mitte kommenden Jahres könnte alles geschafft sein. Voraussetzung ist natürlich, dass die Bürger auch tatsächlich an den lichtschnellen Anschlüssen interessiert sind: Gebaut wird nur, wenn sich mindestens 40 Prozent der Haushalte und der Unternehmen für die Glasfaserversorgung entscheiden.

In den drei Stadtteilen gibt es 1625 Haushalte – kommen mindestens 650 Verträge zustande, steht dem Ausbau nichts mehr im Wege. „Zur Verlegung der Leitungen ist es natürlich nötig, die Gehwege aufzumachen“, sagt Rudi Bertram. Aber das soll nicht zur dauerhaften Großbaustelle ausarten, verspricht Projektleiter Daniel Aram: „Unsere Teams schaffen Strecken von einem Kilometer je Arbeitstag – vom Öffnen der Gehwege über die Verlegung der Leitung bis hin zum Wiederverschließen des Grabens.“

Dass Glasfaser im Unterschied zu den bislang üblichen Kupferkabeln 100 Prozent Leistung garantiert, und das auch synchron, ist vor allen für Unternehmen von Bedeutung, von denen einige sich bislang mit „privaten“ Lösungen behelfen – etwa mit eigener Glasfaserleitung oder Richtfunk.

Dass die Bundesrepublik in Sachen Glasfaser im europäischen Vergleich deutlichen Nachholbedarf hat, liegt laut Rudi Bertram vor allem an Hemmnissen in der Förderung: „Von den in NRW zur Verfügung stehenden Fördermitteln ist bislang gerade mal 1 Prozent abgerufen“, so Bertram, der auf komplizierte Antragsverfahren hinweist.

Im Fall Eschweiler ist es so, dass in den meisten Gebieten der Stadt die Übertragung in den Telekom-Leitungen durch technische Möglichkeiten („Vectoring“) beim Übergang von Glasfaser (im Gehweg) zu Kupfer (Hausanschluss) von 30 auf 50 MB hochgepusht wird – und damit zu schnell ist, um für eine Ausbauförderung infrage zu kommen.

Lange Garantie

Die bei bisherigen Projekten der GmbH aufgetretenen Beschwerden über eine nicht ordnungsgemäße Fertigstellung der Baustellen, wie es sie auch in Eschweiler in Zusammenhang mit der Telekom gab, soll es in Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris nicht geben. Die Deutsche Glasfaser GmbH hatte bereits Besserung gelobt und versichert nun, die Endabnahme nötigenfalls auch mehrmals gemeinsam mit der Stadt vorzunehmen und so Unzulänglichkeiten auszuschließen. Außerdem verlängere sie die Garantie von vier auf fünf Jahre.

 

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