Legionellen im Kraftwerk Weisweiler: Block abgeschaltet

Von: Patrick Nowicki und Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
Kraftwerk Weisweiler rwe
Reaktion auf die erhöhte Legionellen-Konzentration: Der betroffene Kühlwasserblock wurde abgeschaltet. Foto: dpa

Eschweiler/Jülich. Auch am Mittwoch konnte noch niemand sagen, woher die Legionellen stammen, die in Jülich eine Krankheitswelle mit rund 30 Erkrankungen ausgelöst haben. Der Legionellen-Befund im Kraftwerk Weisweiler beunruhigt derweil die Menschen in Eschweiler. Noch am Dienstagabend hat Betreiber RWE den Kraftwerksblock F abgeschaltet.

Das Landesumweltamt hatte im Kühlwasser des Blocks eine deutlich überhöhte Belastung mit den Bakterien festgestellt. Die in Weisweiler gemessenen Konzentrationen reichen von 7500 Kolonien pro 100 ml im Block H bis zu 61.500 Kolonien im Block F, der Ablauf Q ist mit 4000 Kolonien pro 100 ml belastet.

Am Mittwoch informierte Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram die Kommunalpolitiker im Rathaus über den Stand der Dinge. Demnach soll es in der Städteregion noch keine verdächtigen Krankheitsfälle gegeben haben. Dies habe ihm das Gesundheitsamt auf Anfrage mitgeteilt.

Experten der Bezirksregierung Köln haben am Mittwoch Proben im Weisweiler Kraftwerk genommen. Dort war der Block F, in dessen Kühlsystem die erhöhte Legionellen-Konzentration gemessen wurde, noch am Dienstagabend abgeschaltet worden. „Vorsorglich“, wie es am Mittwoch hieß.

Am Donnerstag will eine Expertengruppe im Düsseldorfer Umweltministerium zusammenkommen, um die Ergebnisse aus Jülich und Weisweiler zu bewerten. Sie soll klären, wie man den Legionellen-Befall im Kraftwerk eindämmt. Nach Informationen unserer Zeitung sitzt das Gesundheitsamt der Städteregion nicht mit am Tisch. In der gesamten Städteregion waren in diesem Jahr 16 Fälle mit Legionellen-Erkrankungen bekannt geworden. Bei allen Fällen wurde eine Ursache gefunden.

RWE selbst wollte sich am Mittwoch nicht konkret zu den Vorfällen äußern. Lediglich die Abschaltung des 300-Megawatt-Blockes wurde bestätigt. Man wolle die weiteren Ergebnisse abwarten, teilt das Unternehmen mit. Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, selbst Mitglied des Aufsichtsrates von RWE Power, erhielt aus Essen immerhin die Zusage, dass man ihn ständig auf dem neusten Stand halte.

In Jülich waren von Mitte August bis Mitte September 30 Patienten an einer durch Legionellen verursachten Lungenentzündung erkrankt, zwei davon starben. Seitdem läuft die Suche nach der Ursache für die Krankheitswelle. Auch in einem Rückkühlwerk des Forschungszentrums Jülich war eine deutlich erhöhte Zahl der Erreger festgestellt worden.

Ob die entdeckten Legionellen der Auslöser der Erkrankungswelle in Jülich waren, wird derzeit in einem Speziallabor in Dresden untersucht. Unter anderem werden die genetischen Merkmale der Erreger miteinander verglichen. In der kommenden Woche werden Ergebnisse erwartet.

Unterdessen liegen nach Angaben von Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Düren, die Analysen von über 50 Umweltproben vor, die in und um Jülich sowie in den Tagebauen und im Kraftwerk genommen wurden. „Aktuell sind zwei potentielle Quellen dabei“, sagte Schnitzler und spricht damit die Legionellen-Befunde im Kraftwerk Weisweiler und in der Kühlanlage des Forschungszentrums Jülich an.

Zwei industrielle Rückkühlwerke in Aldenhoven und Jülich wurden aus technischen Gründen abgeschaltet. Dort waren in einem metallverarbeitenden und einem kunststoffverarbeitenden Betrieb Legionellen entdeckt worden. Beide Kühlanlagen sind inzwischen außer Betrieb. Der Verdacht eines überhöhten Legionellenbefalls habe sich laut Norbert Schnitzler aber dort nicht bestätigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (24)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert