Eschweiler - Laut, stinkig, eng und ganz schön besch...

Laut, stinkig, eng und ganz schön besch...

Von: Rudolf Müller
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Die beiden Dinge, die dem Ruhe
Die beiden Dinge, die dem Ruhebedürfnis der Weisweiler seit jeher am meisten entgegenstehen: das RWE-Kraftwerk und die Autobahn - trotz des Lärmschutzwalls. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Mitten im Ort liegt ein kahler Fleck. Rechts ein Stück Wiese mit einem kleinen Spielplatz, links eine kleine Allee, die zum einstigen Feuerwehrgerätehaus führt. Das hat seine besten Tage weit hinter sich und ist längst durch einen funktionalen Neubau an anderer Stelle ersetzt worden. Weisweilers Mitte - ein breites Nichts.

Das soll nun anders werden. Gemeinsam mit Weisweiler Bürgern suchen Städtebau-Studenten in einem Workshop nach Ideen für ein neues Zentrum des Stadtteils.

Eine gute Initiative. Doch sie reicht nicht. Zu überlegen, wie Weisweilers „neue Mitte” sich in 15 bis 20 Jahren präsentieren soll, ist manchen Bewohnern des östlichsten Stadtteils zu wenig. Dort nämlich gibt es weit mehr Problemfelder als den ungenutzten Kern.

Den Lärm zum Beispiel, sagt Hermann Haupt. Der Anwohner der Severinstraße liest mit Interesse in unserer Zeitung von den erfolgreichen Bemühungen der Röher um mehr Ruhe. In bestimmten Wohngegenden Weisweilers sei der Lärm nicht geringer, sagt Haupt. Der vorhandene Lärmschutzwall bringe nichts, weil er schlicht in Richtung Düren zu kurz sei.

Wo er ende, breite sich der Verkehrslärm ungehindert Richtung Ort aus: „Burgfeld, Franz-Gessen-Straße... Ich weiß nicht, wie die Leute dort das aushalten.” Seinen Gegenvorschlag hat Haupt bereits vor Wochen an SPD-Fraktionschef Leo Gehlen geschrieben - bislang ohne auch nur eine Empfangsbestätigung bekommen zu haben: Die kostengünstigste Lösung sei eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn innerhalb der Ortslage auf 80 km/h allgemein und 60 km/h für Lkw.

Lärm muss Haupt auch aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft ertragen. Lärm und Gestank. An der Johannisstraße werden Uralt-Lkw per Tieflader zur Verschiffung nach Nigeria parat gemacht. „Früher wurden hier auch die Motoren auseinandergenommen, da floss literweise Öl raus, das dann mit alten Matratzen am Hoftor aufgefangen wurde. Heute laufen die Motoren stundenlang und blasen ihren Dreck in die Luft, und das passiert immer abends - bis in die Nacht hinein.” Dass dann auch noch das nahe Kraftwerk - insbesondere bei Revisionsarbeiten und durch den Baggereinsatz im Kohlebunker - zur Lärmkulisse beiträgt, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i. Wenn auch, so Haupt, ein verkraftbares.

Haupt zählt weitere Schandflecke auf, die das Leben in Weisweiler nicht eben schöner machen: ungepflegte Häuser und Grundstücke in städtischem Besitz etwa. Und damit sind nicht nur die heruntergekommenen Wohnheime an der Severinstraße gemeint, vor denen sich im Sommer die Möbel auf dem Hof stapeln. Häuser, die die Bemühungen etlicher Anwohner, ihre Wohngegend zu verschönern, konterkarieren. Wenig attraktiv und reichlich ungepflegt ist auch der Frankenplatz, früher - als die Johannisstraße noch Durchgangsstraße war - zentraler Platz des Stadtteils. Und keinen guten Eindruck macht auch, dass das Dach der alten Ziegelfabrik am Ortsausgang Richtung Hücheln und Langerwehe verfalle, statt repariert zu werden, seit es vor Monaten an zwei Stellen großflächig eingestürzt ist.

„Der schönste Teil Weisweilers ist gleichzeitig auch der beschissenste”, sagt Haupt. Und meint das wörtlich: Im historischen Ortsteil rund um Burg und Haus Palant lassen täglich Dutzende von Hundehaltern ihre Vierbeiner „Gassi gehen”, wie man putzig zu Herumscheißen sagt. Rasende Taxifahrer in den engen, verkehrsberuhigten Straßen, unschöne Fassaden an der Hauptstraße, die auch in Sachen Einzelhandel nur noch wenig zu bieten habe - Hermann Haupt kann die Liste der Dinge, die es im Interesse eines blühenden Stadtteils anzupacken gilt, noch lange fortsetzen.

Eines ist klar: Zur Verschönerung Weisweilers ist intensive Bestandspflege angesagt. Denn für Neues, speziell für neue Wohngebiete, ist kaum Platz. „Wir liegen hier eingezwängt zwischen Autobahn, Bahn und Kraftwerk - neue Baugrundstücke gibt es hier nicht”, betont Hermann Haupt.
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