Eschweiler - Landwirte hoffen auf regenreiche Nächte

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Landwirte hoffen auf regenreiche Nächte

Von: Christina Handschuhmacher
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Bei ihm richtet sich auch die Urlaubsplanung nach der Ernte: Der Dürwisser Landwirt Hubert Mock kümmert sich derzeit um seinen Weizen, den er im August ernten will. Aber: „Der lange Winter hat eindeutig seine Spuren hinterlassen.“ Foto: Christina Handschuhmacher

Eschweiler. Die warme Junisonne strahlt auf die Felder von Hubert Mock. Der Himmel ist leuchtend blau, kaum eine Wolke ist zu sehen, ein leichter Windzug bringt die Gerstenhalme dazu, sich hin und her zu bewegen. Ein perfekter Frühsommertag. Fast. Denn so ganz kann sich Hubert Mock, 58 Jahre alt, grau meliertes Haar, Schnurrbart, beim Anblick seiner Felder nicht freuen.

Noch sieht es dort nicht so aus, wie es sich der Landwirt aus Dürwiß zu dieser Jahreszeit wünscht. „Der lange und kalte Winter hat eindeutig seine Spuren hinterlassen“, sagt Mock. Und auch der sehr verregnete und vergleichsweise kühle Frü

hling habe seinen Teil dazu beigetragen, dass die Pflanzen auf den Feldern rund um Eschweiler derzeit kleiner sind als zu dieser Jahreszeit sonst üblich.

Und von diesen Temperatur- und Wetterschwankungen sind nicht nur die Spargel- und Erdbeerbauern betroffen, die in diesem Jahr bislang eine wenig ertragreiche Ernte eingefahren haben. Auch der klassische Ackerbau – Mock baut Zuckerrüben, Weizen, Raps, Mais und Gerste an – ist in diesem Jahr spät dran.

Jahrhunderternte

„Die Rüben sind mit acht Tagen Verzögerung erst Anfang April in den Boden gekommen“, sagt der Ortsvorsteher der Eschweiler Landwirte. Mock hat zwei Vergleichsfotos aus den ersten Junitagen der vergangenen beiden Jahre zur Hand. Auf dem Bild vom Juni 2011 sind die Zuckerrübenpflanzen deutlich weiter entwickelt. „Die Ernte im Jahr 2011 war schon eine Jahrhunderternte, die wir da eingefahren haben“, sagt Mock. Diese Rekordernte wird in diesem Jahr wohl nicht getoppt werden. „Der Vorsprung in der Entwicklung, den die Pflanzen in den Vorjahren um diese Jahreszeit hatten, lässt sich nicht mehr aufholen.“

Den Mais hat es besonders hart getroffen. Einige Blätter der Maispflanze sind gelb statt grün. Ein Anzeichen dafür, dass das Wachstum der Pflanze durch den Frost gehemmt wurde. „Im schlimmsten Fall wird die Maispflanze durch den Frost blau. Dann ist sie kaum noch zu retten.“ Herbert Mock hat Glück gehabt, die Maispflanzen auf seinen Äckern weisen einige gelbe Stellen auf, aber in einigen Wochen werden sie bereit zur Ernte sein.

Doch bei der Ernte könnten Mock und seine Kollegen in diesem Jahr aufgrund der späten Aussaat unter Zeitdruck geraten. „In den letzten zehn Jahren haben wir stets in der zweiten Augustwoche mit der Weizenernte begonnen“, sagt Mock. „Wenn sich die Weizenernte in diesem Jahr nach hinten verschiebt, wird das kritisch.“ Denn die Weizenernte dauert circa zwei Wochen, ebenfalls im August muss auch der Raps geerntet und wieder ausgesät werden. Und ab Mitte September sind dann die Zuckerrüben dran.

„Es ist auch schon vorgekommen, dass wir kaum den Mähdrescher sauber machen konnten und uns dann direkt auf den Roder für die Rüben setzen mussten“, erzählt der Landwirt, der 150 Hektar Land – das ist in etwa die Fläche von 210 Fußballfeldern – bewirtschaftet. Ein direkter Übergang von der Getreideernte zur Rübenernte ist ungünstig, da die Zeit dazwischen unter anderem benötigt wird, um Strohballen zu pressen.

Deshalb muss sich der Ackerbauer seine Zeit gut einteilen und bei Bedarf auch einmal umdisponieren – das Wetter spielt dabei die Hauptrolle. Mock ruft an jedem Abend verschiedene Wettervorhersagen ab und weiß so meist genau, wann etwa der Zuflug von speziellen Schädlingen wahrscheinlich ist oder wann das Wetter perfekt ist, um auszusäen. Momentan etwa behandelt Mock zum letzten Mal in diesem Jahr seinen Winterweizen gegen Pilzbefall. In wenigen Wochen wird dann als erstes Getreide die Gerste eingefahren.

Und auch die Urlaubsplanung richtet sich bei Familie Mock nach der Ernte. „Ein Urlaub wird bei uns meist Last Minute gebucht“, erzählt der Landwirt. „Meine Frau fragt mich dann fast jeden Tag: „‚Was meinst du? Wie lange braucht der Weizen noch?‘“ Wenn der Weizen noch Zeit braucht, geht es für Familie Mock in den Urlaub – meist im Monat Juli, der gesamte August ist für die Weizenernte reserviert. In diesem Jahr soll es nach Kitzbühel gehen – wenn denn wettermäßig nichts dazwischen kommt.

Gewünscht: Treibhauswetter

Und wenn Mock die Chance hätte, Wettergott zu sein und für den Rest des Jahres das Wetter bestimmen zu können? „Ich würde mir Treibhauswetter wünschen“, ist die Antwort. „Tagsüber soll die Sonne scheinen, aber nachts brauchen meine Pflanzen dann schon Regen. Außer während der Weizenernte im August, da wären zwei Wochen Trockenheit ideal.“

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