Läufer geben auf der Party-Meile alles

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
Diese laufenden „Gangster” e
Diese laufenden „Gangster” erfrischen die Zuschauer während des Hauptrennens mit ihren Wasserpistolen. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Frenetisch werden die Läufer angefeuert. Rasseln, Pfeifen und Sirenen ertönen, unter den Applaus und die gut gemeinten Zurufe der Zuschauer am Straßenrand mischen sich Klänge von Kuhglocken, Hupen, Trommeln und Vuvuzelas.

Wenn die Sportler die ansonsten eher beschauliche Straße „Am Steinacker” passieren, kommt dies für die Aktiven einer Zielankunft gleich: Alle Teilnehmer werden auf dieser „Party-Meile” enthusiastisch gefeiert, besonders die Lokalmatadoren genießen den überschwänglichen Jubel. Gartenpavillons und Sonnenschirme säumen die Straßen. Grills und Zapfanlagen zieren die Bordsteine, es sind „Die 10 Kilometer von Dürwiß”.

Dass der Volkslauf neben dem sportlichen Aspekt auch wahre Volksfestatmosphäre bietet, ist bekannt, doch in diesem Jahr bricht das sportliche und gesellschaftliche Großereignis Rekorde: Der erste ist zweifelsohne der Stimmungs-Rekord. Knapp 20 angemeldete Streckenpartys werden von der SV Germania Dürwiß mit einem Fässchen Bier unterstützt, etwa ebenso viele kommen spontan zustande. „Ich bin selbst viele Jahre mitgelaufen und kenne die Gänsehaut, die du als Aktiver hast, weil die Leute hier einfach so klasse sind”, sagt Jürgen Hagel, Vorsitzender der Germania, die das Spektakel organisiert.

Die Fans am Straßenrand sind bestens ausgerüstet: Gartenmobiliar findet den Weg auf das Trottoir, Bierbänke sind teils überdacht, um dem Regen trotzen zu können, professionelle Beschallungsanlagen sind keine Seltenheit. Was 1984 als „Wald- und Wiesen-Volkslauf” begann, wurde 1997 erstmals als Straßenlauf in Dürwiß durchgeführt. „Das war ursprünglich als einmalige Aktion gedacht, aber der Erfolg bei Sportlern und Zuschauern war dermaßen groß, dass es eine Institution geworden ist”, erinnert sich Hagel, während Streckensprecher Jochen Heringhaus die Zuschauer am Pfarrer-Bringmann-Platz über das aktuelle Sportgeschehen auf dem Laufenden hält. Heringhaus würzt seine Moderation mit Humor, besticht aber vor allem durch Fachkenntnis und permanenten Überblick im Rennen. Er ist Vollprofi und bei Großveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon im Einsatz.

Seine nächsten Stationen sind der Frankfurt-City-Triathlon und der Halbmarathon in Köln. Sein Urteil über die „10 Kilometer von Dürwiß”, die er nicht zum ersten Mal moderiert, ist eindeutig: „Ich bin immer wieder absolut begeistert. Zunächst ist das hier eine Sportveranstaltung auf hohem Niveau, die perfekt organisiert ist. Hinzu kommt die Stimmung an der Strecke - so etwas gibt es sonst nur an einem, höchstens an zwei anderen Orten bundesweit.” Die Teilnehmerzahl spricht für sich. Meldeten sich 2011 noch 830 Läufer an, sind es diesmal mehr als 1000 - neuer Rekord. „Manche Volksläufe werden leider mangels Teilnehmer eingestellt. Mit einer Meldungszahl im vierstelligen Bereich widersprechen wir klar dem allgemeinen Trend”, freut Hagel sich.

„Masse und Klasse”, nennt Karl Schroeder von der Germania den Anspruch des Vereins an die Laufveranstaltung. Er moderiert auf dem Bühnen-Lkw gemeinsam mit Charlie Gebauer, der als DJ fungiert. Um 19 Uhr können die beiden eine Pause einlegen, als Hagel Bürgermeister Rudi Bertram und Peter Borsdorff, den Begründer der Initiative „Running for Kids”, begrüßt. Borsdorff sammelt bei Laufveranstaltungen Geld für Kinder mit Beeinträchtigungen, nach einer Runde durch Dürwiß ist seine Sammelbüchse fünf Kilogramm schwerer als zuvor. Auf dem Pfarrer-Bringmann-Platz übergibt zwei Schecks á 500 Euro an die Kitas Katharina Frey in Kinzweiler und St. Marien in Eschweiler.

Hinter den Kulissen ist Helmut Pesch hochkonzentriert, denn die Sportler dürsten nach Ergebnissen. Pesch hat die Zahlen fest im Griff - Startnummer, Laufzeit, Platzierung und das Ganze mal 859, denn so viele Aktive kommen ins Ziel. Insgesamt sind 120 Helfer des SV Germania im Einsatz, doch „ohne das Engagement der Sponsoren und die Hilfe von THW und DRK wäre der Volkslauf nicht möglich”, betont der Vorsitzende.

Ein Schirmherr gehört auch zu der Sportveranstaltung - diesmal ist es Simon Rolfes, Spielführer des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, der einige Streckenpartys besucht und Autogramme gibt, bevor er mit Jürgen Hagel Siegerehrungen vornimmt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert