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Kupfer-Diebe verursachen Wasserschaden

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Kupfer-Klau an St. Marien: Die Diebe, die hier zugeschlagen haben und das Fallrohr abmontierten, haben damit einen erheblichen Wasserschaden im Inneren der Kirche verursacht. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Eigentlich ist es schon traurig genug, dass viele Kirchen der Stadt tagsüber verschlossen bleiben müssen, um sakrale Gegenstände und die Einrichtung vor Vandalen und Dieben zu schützen. Aber wie kann man das Äußere einer Kirche schützen? Dachrinnen, Fallrohre und Blitzableiter?

Kupfer-Diebe machen auch vor Gotteshäusern nicht Halt. Bitter zu spüren bekommt das derzeit die Kirche St. Marien. Aber auch an anderen Gotteshäusern, zum Beispiel die Friedhofskapelle, haben die Kupferdiebe schon zugeschlagen.

Lange Schadensliste

Die Gemeindemitglieder an der Bourscheidtstraße müssen seit November immer wieder entdecken, dass kupfernes Fallrohr von einem Tag auf den nächsten einfach nicht mehr da ist. So auch erst vor wenigen Tagen. Da war Kirchenvorstandsmitglied Hans-Peter Römer mit einem Dachdecker an der Kirche, um über bisherigen Schäden zu sprechen. Der Rundgang brachte mal wieder einen neuen Punkt auf der Schadensliste. Der Dachdecker entdeckte, dass eine etwa zwei Meter lange Dachrinne über einem Seiteneingang fehlt.

Besonders zu schaffen macht der Kirche aber ein Schaden, der Mitte Dezember entstanden ist.

Da wurde ein langes Fallrohr an einer seitlichen Kirchenmauer geklaut. Und vor wenigen Tagen machte Römer dann eine schlimme Entdeckung: Im Inneren der Kirche machen sich große Wasserflecken breit. Farbe und Putz fangen langsam an, sich von der Wand zu lösen. „Weil Tauwasser und der vielen Regen nicht richtig abgeleitet werden konnten, ist das Wasser in die Mauer gezogen”, erzählt Römer. Dabei war die Kirche erst vor einigen Wochen von einem Anstreicher wieder auf Vordermann gebracht worden.

„Ich weiß wirklich nicht, wie wir den Dieben das Handwerk legen sollen”, sagt Römer. Eine Bürgerwache, wie es sie vor einigen Jahren in Wuppertal gegeben hat, kann das kleine ehrenamtliche Team unmöglich stemmen.

Die Kupfer-Diebe sind dreist und haben ein Fallrohr sogar mitten am Tag entwendet. Ein Passantin hatte die Männer sogar gesehen. Doch da an der Kirche ohnehin Dachdeckerarbeiten anstanden, kam ihr die Situation nicht verdächtig vor. Dass nicht Dachdecker, sondern Diebe am Werk waren, wurde am nächsten Tag klar, als das Fallrohr fehlte.

Keine Anzeige erstattet

Anzeige erstattet hat die Pfarrgemeinde bisher aber nicht. „Was nützt das schon, wenn sie gegen Unbekannt geht?”, sagt Römer resignierend. Und in der Gebäudeversicherung sei ein solcher Schaden ohnehin nicht enthalten.

Polizeisprecherin Sandra Schmitz ist, was die Anzeigen betrifft, anderer Meinung: „Uns ist natürlich immer daran gelegen, dass eine Strafanzeige erstattet wird. Sie helfen uns einzuschätzen, wo Schwerpunkte liegen und zeigen uns, wo wir eventuelle Maßnahmen einleiten müssen.”

Metall-Diebstähle, vor allem von Kupfer, sind laut Polizei mittlerweile zu einem Massendelikt geworden. Einzelpersonen, die in Kupferrohren leichte Beute sehen, gehören ebenso zu den Tätern, wie organisierte Gruppen die im großen Stil sogar schwere Kabelrollen mit Lastern abtransportieren. „Die Fälle häufen sich immer dann, wenn der Schrottpreis anzieht. Sie sind schon seit einiger Zeit wieder auf einem hohen Stand.”

„Mich wundert, dass es Händler gibt, die dieses Diebesgut kaufen”, sagt Römer kopfschüttelnd. Kupferdiebe können jedoch stets verschiedene Händler ansteuern, so dass es nicht immer leicht einschätzbar ist, ob es sich um Diebesgut handelt. Außerdem bietet das Internet Möglichkeiten. „Und Gruppen, die im großen Stil Kupfer stehlen, haben auch ihre Abnehmer”, sagt Polizeisprecherin Schmitz.

Schrottmarkt im Internet

Diebe können sich auf Internetseiten schnell über den Schrottpreis informieren, um abzuschätzen, ob sich der Raubzug lohnt. An der Börse wird Kupfer derzeit für weniger als sieben Euro pro Kilogramm gehandelt. Für Schrott gibt es immerhin noch rund 4,60 Euro pro Kilo. Der Wert für Kupfer ist, dass zeigen die Schrottpreisrechner, höher, als für die meisten anderen Metalle. Außerdem bestehen fast 18 Prozent des Kupfers auf dem Weltmarkt aus recyceltem Material.

Wenn Fälle von Schrottdiebstahl auffliegen würden, wäre eine Zuordnung zu einzelnen Gebäuden jedoch schwierig, sagt die Polizeisprecherin. Es sei denn, es handele sich um sakrale Figuren. Tun können die Betroffenen wenig. Bewegungsmelder und Videos könnten Diebe abschrecken, sagt Schmitz. Für die meisten Pfarrgemeinden ist die Anschaffung einer Kameraüberwachungsanlage jedoch kaum zu finanzieren.

An der Kirche St. Marien sollen die schlimmsten Schäden zunächst notdürftig repariert werden. Wenn nach dem Winter die ohnehin geplanten Dachdeckerarbeiten beginnen, werden auch alle anderen Schäden behoben. Wieviel das kosten wird, kann die Pfarrgemeinde noch nicht abschätzen. Der Kostenvoranschlag liegt noch nicht vor. Überlegt wird derzeit, die Kupferrohre durch Stahlrohre zu ersetzen. „Das sieht zwar nicht so schön aus, die Rohre sind für Diebe aber nicht so attraktiv”, sagt Römer. Die Hoffnung auf Ruhe gibt die Gemeinde aber nicht auf.
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