Eschweiler - Kulturförderung: Viel zu viele Vereine lassen Geld links liegen

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Kulturförderung: Viel zu viele Vereine lassen Geld links liegen

Von: mic
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Unser Redakteur Robert Esser (links) moderierte die Veranstaltung, bei der es um die Frage ging, wie Vereine und Kunstschaffende an Fördergelder kommen. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Mit diesem Ansturm hatte Max Krieger wohl selber nicht gerechnet. Seine Idee: In Zeiten knapper Kassen gilt es für kulturtreibende Vereine und Kulturschaffende mehr denn je, sich im Dschungel der Fördermöglichkeiten zurechtzufinden.

Er hatte in den Talbahnhof eingeladen, um „Neue Wege in die Kulturlandschaft Städteregion Aachen” aufzuzeigen. Die Resonanz gab ihm Recht: der Saal war voll. „Ich möchte mit dieser Veranstaltung erreichen, dass möglichst viel Geld zur Förderung unserer kulturellen Grundversorgung in Eschweiler Vereine fließt”, hatte der Kulturmanager angekündigt.

Entsprechend waren es vor allem Vertreter der Vereine, die in den Kulturbahnhof gekommen waren, um sich über Möglichkeiten der öffentlichen Förderung und des Sponsorings durch Unternehmen zu informieren. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in der Städteregion, es wird nicht die letzte gewesen sein.

Moderator Robert Esser, der gewohnt schwungvoll und dabei aufmerksam durch den Abend führte, hatte zu Beginn „kompetente Menschen” angekündigt, die nach und nach das Podium betraten - darunter Max Krieger, die Kulturbeauftragte der Städteregion, Dr. Nina Mika-Helfmeier, und die Eschweiler Kulturamtsleiterin Petra Seeger.

Bürgermeister Rudi Bertram machte zu Beginn keinen Hehl daraus, dass er sich angesichts des „verschwindend geringen Anteils” der Fördergelder am städtischen Etat manchmal schäme. Er kündigte an, dass es demnächst im Rathaus einen Koordinator geben werde, „der zu den Töpfen führt”. Die Stadt könne also vor allem logistisch helfen, etwa indem sie Kontakte zu Unternehmen herstelle, die Vereine unterstützen.

Eines dieser Unternehmen ist die EWV, die in diesem Jahr erstmals als alleiniger Hauptsponsor des Eschweiler Musikfestivals auftritt, darüber hinaus aber viele kleine und größere Projekte fördert. „Pro Jahr machen wir über 250 Sponsorings”, erklärte Marketingleiter Andreas Ihrig.

Die EWV, die als Sponsor exemplarisch für die Unternehmen im Aachener Raum auf dem Podium vertreten war, fühle sich der Region tief verbunden. Und wie geht ein Verein nun - beispielsweise auf die EWV - zu, um Geld zu bekommen? „Anrufen, kurz skizzieren, um was es geht, und dann eine schriftliche Anfrage stellen”, riet Ihrig. „Solange wir das Budget haben, sagen wir eher ja als nein. Kleine Beträge sind relativ leicht zu bekommen.” Allerdings erwarte ein Sponsor auch eine gewisse Gegenleistung, etwa das Firmenlogo auf der Eintrittskarte oder ein Banner bei der Veranstaltung.

Neben dem Sponsoring ist die Unterstützung durch die Stadt eine zweite Säule der Vereinsförderung. Auch wenn diese freiwilligen Ausgaben immer mehr eingeschränkt werden, sollte man nicht davor zurückschrecken, einen Antrag zu stellen.

Etwa nur ein Drittel der 153 als kulturtreibend anerkannten Vereine in Eschweiler stellten überhaupt einen Zuschussantrag, schätzte Petra Seeger am Donnerstag. „Wir versuchen jeden Antrag, der bis zum 15. 11. eines Jahres eingeht, zu bedienen.” Ansprechpartner ist Marc Beys, der unter 71221 erreichbar ist. Informationen über Zuschüsse an Kulturvereine finden sich unter http://www.eschweiler.de/6_276.html auf der Homepage der Stadt.

Eine dritte Säule sind die Förderprogramme und -töpfe etwa des Landes oder der Europäischen Union, die Nina Mika-Helfmeier und Max Krieger an diesem Abend vorstellten. Dabei machte die Kulturbeauftragte der Städteregion deutlich, dass hier kreative, innovative Projekte gemeint seien. Sie versprach, bei der Konzeptentwicklung behilflich zu sein, wenn es um vernetzte Projekte gehe, die vom Land oder der EU gefördert werden können.

Krieger und Mika-Helfmeier stellten am Donnerstag einzelne, zum Teil brandaktuelle Förderprogramme vor und hatten entsprechende Infos und Formulare dabei. Aktuell ist etwa das Förderprogramm „Regionale Kulturpolitik”, mit dem das Land historisch gewachsene Kulturregionen wie die Regio Aachen stärken will. Förderanträge müssen bis zum 30. September gestellt sein. Ansprechpartner ist Manfred Bausch, 0241/568610. Weitere Infos unter http://www.regioaachen.de.

Neu ist auch das Förderprogramm „Economy meets Art” mit Seminaren und Workshops für Künstler über betriebswirtschaftliche Aspekte; das Projekt soll zu einer sich gegenseitig befruchtenden Zusammenarbeit von Firmen und Kunstschaffenden führen. Zudem ist ein „EMA”-Preis ausgelobt, der mit zweimal 10.000 Euro dotiert ist.

Am Donnerstag kamen viele konkrete Fragen auf, etwa, ob die Arbeit der „Naturfreunde” oder der Karneval Kultur sei. Eindeutige Antwort: ja! Auch wollte der Vorsitzende des Sängerbunds Dürwiß, Bernhard Breuer, wissen, ob und wie der Auftritt eines Gastchores beim jährlichen Konzert gefördert werde könne. Und wieder kam, wie auch die City-Offensive NRW „Ab in die Mitte!”, eine weitere Fördermöglichkeit zu Sprache. Denn die EU unterstützt entsprechende Vorhaben im Rahmen einer Städtepartnerschaft.

Gegen Ende der zweistündigen Veranstaltung hatten alle die Möglichkeit, mit den Fachleuten über Projekte und Förderanträge ins Gespräch zu kommen. Max Krieger war sehr zufrieden, denn bereits am Donnerstag zeichneten sich einzelne konkrete Vorhaben ab. Über eine Liste, in die sich die Besucher eintragen konnten, soll zudem eine Art Netzwerk entstehen, das dem Informationsaustausch dient.
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