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Kostbare Barockaltäre vor dem Abriss gerettet

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Ein Blick auf das heimatliche Idyll: Sammler Paul Zysk stiftete seiner Heimatgemeinde im Bergischen Land unter anderem zwei Barockaltäre aus der Region, die sonst dem Tagebau zum Opfer gefallen wären.

Eschweiler. Gimborn im oberbergischen Kreis ist seit Jahren unter Heiratswilligen bis in den Kölner Raum hinein ein absoluter Geheimtipp: Ein schmuckes Schloss bietet sich als wunderschöne Kulisse an, das nebenan stehende Schlosshotel wartet mit feinsten Delikatessen auf und vor der Kirche fahren nun bereits seit Jahren weiße Hochzeitskutschen vor. Ein wenig zu diesem Idyll hat auch der Eschweiler Sammler Paul Zysk beigetragen.

Doch was bewegt einen Indestädter dazu, im fernen Bergischen Land den Hochzeitsmarkt anzukurbeln? Die ersten Kapitel dieser Geschichte liegen eine ganze Ecke zurück. Sie wurden in den letzten Kriegsjahren Mitte der 40er Jahre geschrieben. Damals nämlich lebte der heute 73-jährige Zysk noch als kleiner Bub in Gimborn.

In der Kirche St. Johann Baptist war er Messdiener. „Ich hatte damals verschiedene Aufgaben”, erinnert sich der Rentner heute. Unter anderem war er für das Läuten der großen Glocke zuständig. Eine ehrenwerte Aufgabe und gleichzeitig eine Riesengaudi. „War die Glocke einmal in Bewegung, zog sie mich damals am Seil ein, zwei Meter in die Höhe”, erinnert sich Zysk an luftige Freuden im Kirchturm.

Heute noch fährt er regelmäßig nach Gimborn, da seine Eltern und sein Opa auf dem Friedhof neben der Kirche begraben liegen. Und bereits vor vielen Jahren, Anfang der 80er Jahre, fing der Sammler an, zur Verschönerung der Kirche viele gute Stücke zu spenden. Denn nach den Kriegsjahren präsentierte sich das Gotteshaus lange Zeit von innen kahl und lieblos.

Bis der mittlerweile nach Eschweiler gezogene Vertreter Zysk mit dem Pfarrer von St. Johann Baptist, Ernst Erlinghagen, ins Gespräch kam. Schnell war der Plan geboren: Unsere Kirche muss schöner werden. Für Zysk eine Herzensangelegenheit. „Passenderweise” fielen in den 80er Jahren rund um Eschweiler viele Dörfer dem Tagebau zum Opfer. Der gewiefte Sammler hatte schnell den Kontakt zur damaligen Abrissfirma Kaesmacher aus Dürwiß hergestellt und die Ausnahmegenehmigung erhalten, alles, was fest verankert war und bisher nicht mitgenommen wurde, kurz vor dem Einschlag der Abrissbirne noch aus den Kirchen zu entfernen. „So stand ich dann da mit dem Brecheisen. Nur durch diesen Zufall konnte ich später Barockaltäre nach Gimborn schaffen.”

Damit nicht genug: Am 9. Dezember 1981 kam ihn der damalige Gemeindedirektor von Marienheide, Werner Knabe, in Dürwiß besuchen. Ergebnis der Stippvisite: Für den frisch gelegten Wasserzugang am Friedhof fertigte Zysk gemeinsamen mit Schmieden aus der Region ein großes Kreuz an. Geschmiedet wurde übrigens in Zysks Garten. „Ich hab die damals gut bewirtet, es wurde gegrillt und Freibier gab es auch”, sagt Zysk und schmunzelt. Über seine Stifter-Tätigkeit im Bergischen Land sprach Zysk dagegen lange Zeit nicht.

„Wenn mir das mal einer früher gesagt hätte, dass ich in Gimborn die Kirche ausstatte, hätte ich das für ein Märchen gehalten”, blickt der auf einem Bauernhof groß gewordene Zysk zurück. Und nun ist er mit dafür verantwortlich, dass in der Kirche seines Heimatortes seit Jahren wieder fleißig „gehochzeitet” wird - weiße Kutschen, steinreiche Fürsten und Schlossidylle inklusive. Es klingt fast wie das glückliche Ende eines Märchens.
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