Kleine Schritte, damit Pflegerinnen wieder pflegen können

Von: Jutta Geese
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Eschweiler. Junge Leute für einen Pflegeberuf zu begeistern, ist durchaus schwierig. Dabei ist die Alten- und Krankenpflege der Wachstumsmarkt schlechthin.

Qualifizierte Fachkräfte werden schon jetzt von vielen Krankenhäusern, Heimen und ambulanten Pflegediensten gesucht, „und die Mitarbeiter merken, dass ihr Marktwert steigt”, sagt Professor Michael Isforth vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung Köln. „Arbeitslosigkeit gibt es praktisch nicht.” Für die Einrichtungen bedeute dies: „Sie müssen Bedingungen schaffen, die die Beschäftigten im Job halten.” Und die ihn attraktiv für junge Menschen machten. Aber wie?

Ideen dazu wurden zuhauf entwickelt, diskutiert und zum Teil auch bereits praktisch umgesetzt im Modellprojekt „Pflege-Innovationen in der Gesundheitsregion Aachen” (PIA), das am Dienstag mit einer Konferenz in Eschweiler beendet wurde. Führungskräfte und Beschäftigte aus zehn Einrichtungen haben zwei Jahre lang intensiv von- und miteinander gelernt.

Begleitet wurden sie dabei von Fachleuten des Würselener Beratungsunternehmens MA&T, des Instituts Arbeit und Technik Gelsenkirchen und des Amtes für Altenarbeit der Städteregion Aachen. Und herausgekommen ist, da waren sich Dienstag alle einig, eine ganze Menge Positives - für die Beschäftigten, für die Einrichtungen und nicht zuletzt für die Menschen, die der Pflege bedürfen. Denn, so eine Maxime des Projekts, zufriedene Mitarbeiterinnen steigern die Qualität der Pflege und bringen neue Ideen ein, von denen letztlich alle Beteiligten profitieren.

Manuela Garbrecht ist dafür ein Beispiel. Die Erzieherin und examinierte Altenpflegerin arbeitet in der Altenhilfe St. Gereon Brachelen und berichtet, dass ihr Arbeitgeber ganz viele Projekte umgesetzt hat, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Es gebe etwa Kurse zur Gesundheitsförderung, der Betreuungsbereich sei zur Entlastung der examinierten Kräfte, die viele administrative Dinge erledigen müssen, ausgebaut worden, „was uns das schlechte Gewissen genommen hat, zu wenig Zeit für die alten Menschen zu haben”. Und sie selbst hat den Anstoß erhalten, eine berufsbegleitende Ausbildung zum Demenz-Clown zu absolvieren. Zweimal in der Woche arbeitet sie jetzt mit den alten Menschen, hat wieder das Gefühl: „Dafür bin ich Altenpflegerin geworden!”

Ihr Arbeitgeber hat nicht nur, aber auch mit PIA viele Neuerungen eingeführt. Dazu gehört das Konzept „Arbeitnehmer als Mitunternehmer”, also Einbeziehung der Beschäftigten in Entscheidungsprozesse, die Entwicklung eines Verhaltenskodexes unter dem Titel „Respekt” oder die Förderung älterer Beschäftigter. Zweimal hat die Einrichtung dafür einen Sonderpreis im bundesweiten Wettbewerb „Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen” erhalten.

Im Alltag bisher untergegangen

Auch im Aachener Marienhospital wird sich mit PIA einiges verändern, sagt Daniela Korres, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. „PIA hat uns Wege aufgezeigt, wie wir die Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen bis hinauf zur Geschäftsführung verbessern können.” Kommunikation sei das A und O, „aber das ist im Arbeitsalltag untergegangen”. Daran werde weitergearbeitet, sagt sie. Und Christel Amann, die seit 30 Jahren als Krankenschwester arbeitet, geht davon aus, dass es Umstrukturierungen geben wird. Mit PIA habe man erkannt, wo Ansatzpunkte sind.
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