Eschweiler - Klauen als Kavaliersdelikt? Von wegen!

Klauen als Kavaliersdelikt? Von wegen!

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
7296052.jpg
Strafbar: Ladendiebstahl zieht auch bei „kleinen“ Dingen schon große Konsequenzen nach sich. Foto: stock/Horst Rudel
7296043.jpg
Die Schüler der sechsten Klasse der Gemeinschaftshauptschule Stadtmitte beschäftigten sich im Rahmen des „Schülerwettbewerbs 2013“ der Bundeszentrale für politische Bildung ausführlich mit dem Thema „Ladendiebstahl“ und wurden für ihre Arbeit prämiert. Foto: Andreas

Eschweiler. Max hat in einem Geschäft ein Smartphone „mitgehen“ lassen. Seine Freunde Evi und Tim haben mitgemacht. Doch der Diebstahl der drei Jugendlichen wurde von einer Kamera aufgezeichnet, das Trio also auf frischer Tat ertappt. Nun folgen äußerst unangenehme Konsequenzen: Der Anzeige des Geschäftsinhabers schließt sich zunächst eine Befragung durch die Polizei an.

Und da Max als 14-jähriger strafmündig ist, kommt es zu einem Verfahren vor dem Jugendgericht, an dessen Ende Max zum Ableisten von Sozialstunden verurteilt wird. Im Fall von Evi und Tim, die noch strafunmündig sind, schaltet sich das Jugendamt ein, deren Mitarbeiter mit den Familien Kontakt aufnehmen, um erzieherische Hilfen zu leisten.

Natürlich sind die Eltern alles andere als begeistert. Sie verhängen als Strafe Hausarrest für Evi und Tim. Immerhin sind die drei Freunde einsichtig. Sie geben das Smartphone persönlich zurück und bitten den Ladenbesitzer um Entschuldigung. Dieser nimmt daraufhin das zuvor erteilte Hausverbot zurück.

Zum Glück sind Max, Evi und Tim nur fiktive Personen und der Ladendiebstahl hat in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden. Stattdessen sind Schüler der sechsten Jahrgangsstufe der Gemeinschafshauptschule Stadtmitte im Rahmen des „Schülerwettbewerbs 2013“ der „Bundeszentrale für politische Bildung“ in die Rollen der Jugendlichen geschlüpft. Unter der Überschrift „Geklaut, erwischt – und jetzt?“ beschäftigten sich die Schüler unter der Federführung ihrer Deutschlehrerin Patricia Jansen mehrere Monate lang mit dem Thema „Ladendiebstahl“ und fertigten neben einem Projektbericht eine „Fotogeschichte“ an.

Der verdiente Lohn: Die Arbeit der Schüler der GHS Stadtmitte wurde unter den insgesamt 2200 Einsendungen des elf unterschiedliche Themen umfassenden Wettbewerbs ausgezeichnet und mit einem Geldpreis von 150 Euro für die Klassenkasse prämiert.

„Als ich im Sommer die Unterlagen zu diesem Wettbewerb in meinem Fach vorfand, dachte ich sofort, dass dies ein interessantes Thema für meine Schüler wäre. Auch aus ganz praktischen Gründen, schließlich befinden sich eine Reihe von Geschäften in unmittelbarer Nähe unserer Schule“, denkt Patricia Jansen an die Anfänge des Projekts zurück. Als sie ihre Idee zur Teilnahme am Wettbewerb ihren Schülern vorstellte, stieß sie auf ein ungeteilt positives Echo.

„Zu Beginn des Projekts haben wir uns zunächst damit befasst, was Diebstahl überhaupt bedeutet. Dann wurden ‚Experten‘ befragt. Ein Mitarbeiter einer Warenhauskette war ebenso in unserer Schule zu Gast wie ein Polizist und ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe. Darüber hinaus folgten Gespräche mit der Schulsozialarbeiterin Annette Simons und der Schulleiterin Birgit Schultes-Zartmann“, erklärt die Deutschlehrerin. „Die Klasse wurde in mehrere Gruppen unterteilt. Jede Gruppe bekam einen Experten zugeteilt, für den sich die Schüler Fragen ausdenken sollten, um anschließend ein Interview führen zu können.

Anschließend wurden die Ergebnisse des jeweiligen Gesprächs den anderen Schülern vorgestellt und im Projektbericht festgehalten“, so die Pädagogin weiter. Dann stand mit der „Fotogeschichte“ die nächste Herausforderung auf dem Programm. Zunächst wurde ein „Drehbuch“ entwickelt, dann ging es an das „Casting“ der Schauspieler.

Denn nicht nur die Rollen von Max, Evi und Tim mussten besetzt werden, sondern auch die der Polizisten, des Ladenbesitzers, der Eltern sowie der Richterin. „Die Jury sollte sehen, wie ausführlich sich die Schüler inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt haben“, unterstreicht Patricia Jansen, dass alle Beteiligten der Ehrgeiz gepackt hatte. Doch die Mühen haben sich schließlich gelohnt. Zum Abgabetermin 1. Dezember standen Projektbericht und Fotogeschichte.

Und was hat das Projekt für den Alltag gebracht? „Für mich war das Thema völlig neu“, berichtet Schüler Kevin Falter. „Auch ich habe vor dem Projekt wenig über das Thema Ladendiebstahl nachgedacht. Vor allem die Konsequenzen und Strafen, die ein Diebstahl nach sich ziehen kann, waren mir nicht bewusst“, ergänzt Mitschülerin Melanie Münstermann. Diese Einschätzung bestätigt Patricia Jansen: „Den Schülern ist nun klar geworden, dass auch die Entwendung ganz kleiner Gegenstände, zum Beispiel eines Kaugummis, einen Diebstahl darstellt.

Zuvor herrschte der Gedanke vor, Diebstahl beginne erst bei ‚großen‘ Gegenständen. Dabei ist der Wert einer Ware für die Art der Strafe nicht alleine ausschlaggebend“, weiß die Pädagogin, deren Projektfazit äußerst positiv ausfällt. „Die Schüler haben gerne mitgemacht, obwohl das behandelte Thema ein sensibles ist. Sie mussten sich bei den Gesprächen mit den Experten etwas zutrauen, gut in Gruppen zusammenarbeiten und Eigeninitiative entwickeln.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert