KG Blaue-Funken-Artillerie: Und dann schlägt die Stunde der Nostalgiker

Von: ran
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Nostalgie pur: Die „Eschweiler Prinzenlieder- und Pagentanz-Revue“ riss das närrische Volk von den Sitzen. Foto: Andreas Röchter
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Riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin: das Tanzpaar Maike Uber/Torsten Modschink der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler.

Eschweiler. Ein „wintersportgestählter“ Präsident, der den eisigen Außentemperaturen mittels Pudelmütze und Skiern erfolgreich die Stirn bot, aber trotz vielversprechender Zwischenzeiten am Ende um sage und schreibe acht (!) Minuten überzog (wie sein Vorsitzender süffisant anmerkte), ein Ehrenrat, der die karnevalistische Zeitrechnung kurzerhand um einige wenige Jahrzehnte zurückdrehte, großartige Tanzeinlagen in blau und weiß sowie einige Blechbläser, die einen Parforceritt durch so ziemlich alle Musikstile der Weltgeschichte hinlegten.

Wenige Tage vor ihrem 85. Geburtstag (der punktgenau auf den Rosenmontag fällt) stellte die KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler während ihrer Kostümsitzung im Haus Flatten ihre beinahe jugendlich anmutende Vitalität unter Beweis.

Kiloweise Rosen

Und so regnete es zum Einmarsch des „staatsen“ Korps gleich kiloweise Rosen, bevor mit Präsident Marc Engelhardt das einzige Mitglied des Skiclubs „Schwaaze Bersch“ das Wort ergriff, um selbiges gleich an Kommandant Harry Schmitz alias „Funke Galopp“ weiterzugeben, der seinem Namen alle Ehre bereitete und stehenden Fußes meldete: „111 Funken angetreten“. Beim anschließenden „Gewehrtanz“ zeigten die Uniformierten sich dann von ihrer schönsten (Kehr-)Seite. Dass es auch ganz anders geht, zelebrierte wenig später Tanzmariechen Sarah Freialdenhofen mit einer Darbietung voller Charme, Eleganz und Esprit. Der Regimentsspielmannszug unter der Leitung von Lambert Sauerbier ließ zur Freude der ausgelassenen Jecken im Saal ein Bläck-Fööss-Medley erklingen, das von der „Kaffeebud“ bis zum legendären „Bye bye my love“ führte.

„Luftballontierchendrehen“

Eine geradezu „uuunglaubliche Empfängnis“ seitens des Publikums wurde „Zauberkünstler“ Schmitz-Backes zuteil, der nicht zuletzt wegen seines (nicht ganz freiwilligen) Assistenten Heinz-Josef seine Zuseher mittels der Chinesischen Ringe an den Rand ihres Verstandes brachte. „Für einige ist dies allerdings kein weiter Weg“, unterstrich er ausdrücklich, bevor sich der amtierende Weltmeister im „Luftballontierchendrehen“ an Penguinen und Platzhirschen versuchte.

Die erste Rakete des Abends verdiente sich anschließend das Tanzpaar Maike Uber/Torsten Modschink, das unter anderem mit fulminanten Hebefiguren das närrische Volk von den Sitzen riss und mit einem temperamentvollen Tanz „seinen“ Blauen Funken alle Ehre machte. Dann schlug die Stunde der Nostalgiker, denn mit Ex-Prinz Dr. Georg Mathar und Ex-Zeremonienmeister Toni Peters waren zwei Mitglieder des karnevalistischen Hochadels noch einmal in ihre Ornate geschlüpft, um mit dem in wunderschönen Pagenkostümen gekleideten Ehrenrat, darunter natürlich Ideengeber Hans Peter Müller, die „Eschweiler Prinzenlieder- und Pagentanz-Revue“ zu präsentieren. Die Stimmung im Saal kochte über, als unter anderem „Mambo No. 5“, die „Hastenrather Zwerge“, „ene Tanz für kleene Lü“ und die „Jecke Stadt“ erklangen. Ehrensache, dass Toni Peters natürlich eine erstklassige Mambo-Zugabe zum Besten gab.

Alfred Wings alias „Der Lange“ musste allerdings berichten, an „sooo“ schlimmen Zahnschmerzen gelitten zu haben, dass er selbst den Weg zu „Dr. Mörtelbrei“ nicht scheute. „Dessen Urteil fiel vernichtend aus, dieser Zahn muss raus.“ Ein Blick in den Saal ließ den Charmeur aber wieder strahlen: „Die schönsten Mädchen ganz allein, die können nur aus Eschweiler sein“, so sein Fazit, das jedoch nicht über das von seiner besseren Hälfte ausgelöste Drama hinwegtröstet: „Lasst euch nicht überraschen, zu jedem Schuh, da gibt es Taschen“, so sein Rat an die Herren der Schöpfung.

Kurzer Augenblick der Wehmut

Einen brillanten Tanz voller Schwung und Enthusiasmus legte kurz darauf die Tanzgruppe der KG Blaue-Funken-Artillerie aufs Parkett. Nach begeistertem Applaus folgte ein kurzer Augenblick der Wehmut, denn Miriam Dittrich gab am Freitagabend ihre tänzerisch vollauf überzeugende Abschiedsvorstellung.

Dass Bizets „Carmen“ und Michael Jacksons „Billy Jean“ und „Thriller“ wunderbar harmonieren, wenn zwei Trompeten sowie Horn, Tuba und Posaune dies wollen, stellten die fantastischen „Blechharmoniker“ unter Beweis. Darüber hinaus präsentierten Ruth Funke, Stephan Dürschmidt, Roland Kämmerling, Bernd Lechtenfeld und Martin Kaiser einen „Freien Schütz“ der besonderen Art unter dem Motto „Do simmer dabei“ und „Viva Colonia“.

Auf die Stühle trieb es das närrische Volk, als seine Tollität Prinz Wolfgang II. samt Gefolge die Bühne stürmte und gemeinsam mit Zeremonienmeister Frank die Loblieder „Jecke Stadt“ und „Du ming Stadt“ auf „et Städtsche an de Ing“ anstimmte. Die Tanzgruppe „Höppe Kroetsch“ der KG Lätitia Blaue-Funken-Artillerie Weisweiler bot beeindruckende Bühnenbilder und bestätigte einmal mehr ihren Ruf als „Luftflotte von Eschweiler“. Zum Abschluss einer ideen- und abwechslungsreichen Sitzung gaben sich dann die ein wenig ungeduldigen „staatsen Kerels“ der KG Blaue-Funken-Artillerie Köln von 1870 die Ehre. Der Regimentsspielmannszug ließ den Klassiker „Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia“ erklingen, bevor Stippefötsche-, Funken- und Artillerietanz das Herz der Eischwiele Fastelovendsjecken an diesem Abend letztmals höher schlagen ließen.

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