Kein Suizid: Erschossene Frau wurde ermordet

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Blumen für die ermordete Freun
Blumen für die ermordete Freundin: Freunde erinnern an diesem Feldweg bei Eschweiler an eine grausame Tat. In der Nacht zum Dienstag hat an dieser Stelle ein 26-jähriger Polizeianwärter zuerst die 30 Jahre alte Frau und dann sich selbst erschossen. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler. Am Rande des Feldweges stehen drei Blumenvasen im Gras. Rosen, Lilien und Sonnenblumen sollen erinnern an eine junge Frau, deren Leben dort in der Nacht von Montag auf Dienstag jäh endete

. Und die Blumen verurteilen eine brutale Tat, angesichts derer der Name des Weges bloß wie böser Hohn klingt: „Glücksburg” heißt der schmale Asphaltstreifen, der am Rande von Eschweiler hinter dem Autobahnrastplatz Aachener Land durch Wiesen und Felder hindurch unter anderem zu zwei Reithöfen führt.

Wo jetzt Blumenvasen stehen, parkte tags zuvor in den frühen Morgenstunden noch ein Fahrzeug. Ein Mann, der seine Pferde im nahen Reiterhof versorgen wollte, entdeckte in dem Auto zwei Leichen: eine gerade erst 30 Jahre alt gewordene Friseurmeisterin und einen 26-jährigen Polizeianwärter, beide gestorben an Kopfschüssen. Sprach Oberstaatsanwalt Robert Deller am Dienstag noch davon, dass „sehr viel auf Suizid und eventuell erweiterten Suizid hindeute”, ist der Erkenntnisstand der Ermittler nun klar - und völlig anders. Denn was dort auf dem Feldweg am Rande Eschweilers geschehen ist, war Mord.

„Nach dem Ergebnis der Ermittlungen und der Rekonstruktion des Geschehens hat der 26-Jährige seine völlig arglose Freundin von hinten mit der Dienstwaffe seines Vaters erschossen”, erklärt Deller. Danach erschoss sich der Polizeianwärter selber.

Die Blumen haben die engsten Freunde der jungen Frau an den Wegesrand gestellt. Am Tag nach der Tat sind sie fassungslos über die Brutalität der Tat, aber auch darüber, dass zunächst von einem erweiterten Selbstmord ausgegangen wurde. „Für uns war das alles ein Schock”, sagt eine Freundin des Opfers, „aber uns allen war sofort klar, dass das nicht stimmen konnte.” Die 30-Jährige habe sich von dem Freund, mit dem sie seit einem halben Jahr liiert war und erst vor wenigen Wochen in Augsburg zusammengezogen sei, gerade erst getrennt. „Sie hatte die feste Absicht, ihr Leben ab jetzt wieder alleine zu leben”, erzählt ein Freund.

Pläne habe sie geschmiedet und Wohnungsanzeigen studiert. Mit einem eigenen Friseurladen habe sich die junge Frau, die voriges Jahr ihre Meisterprüfung abgelegt hatte, selbstständig machen wollen. „Sie war definitiv nicht selbstmordgefährdet”, sagt die Freundin, „sie war so eine lebensfrohe, glückliche Frau.” Und fügt hinzu: „Wir wollten doch bald noch zusammen in Urlaub fliegen.”

Dass die Beziehung mit dem 26-Jährigen in einem solchen Drama enden könnte, hätten sie sich nie vorstellen können, sagen die Freunde. Auch wenn es Hinweise gegeben habe, dass der junge Mann nicht so einfach mit der Trennung fertig wurde. Einer der Freunde erzählt, er habe mit der 30-Jährigen vereinbart, sie nach Augsburg zu fahren, um ihre Sachen aus der Wohnung zu holen. Davon habe auch der Polizeianwärter gewusst. Und am nächsten Morgen seien an dem Jeep des Helfers alle Scheiben eingeschlagen gewesen. Ein Alarmsignal? Oder bloß purer Zufall? „Mit so einer Tat hätte ich nie gerechnet”, sagt ein guter Freund des Opfers. „Das Treffen der beiden am Montagabend sollte doch nur ein abschließendes Gespräch über die Details der Wohnungsauflösung sein.”

Doch da hatte der 26-Jährige die Tat offenbar schon minutiös geplant. Denn laut Staatsanwaltschaft musste er einiges anstellen, um an die Dienstwaffe seines Vaters zu gelangen. Dieser habe diese nicht zu Hause in Alsdorf, sondern auf seiner Polizeiwache aufbewahrt - unter Verschluss. „Der Sohn hat zu Hause den Schlüssel des Vaters entwendet und dann auf dessen Dienststelle die Waffe geholt”, schildert Oberstaatsanwalt Deller den Hergang des Geschehens.

„Nach allem, was wir wissen, hat sich der Vater nichts zuschulden kommen lassen.” Zur Frage nach dienstrechtlichen Konsequenzen für den Beamten verweist Polizeipräsident Klaus Oelze darauf, dass er dies erst nach Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen sagen könne. Zu erwarten sind solche Folgen eher nicht. Denn aus genannten Gründen hat die Staatsanwaltschaft gegen den Vater keine Ermittlungen eingeleitet. Zugeklappt wird die gesamte Ermittlungsakte. „Gegen einen Toten können wir nicht ermitteln”, sagt Deller.

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