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Kein Ausbildungsplatz? Mobilität ist gefragt!

Von: Christina Handschuhmacher
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Hier werden Azubis händeringend gesucht: In der Altenpflege, in der Ga-stronomie, dem Einzelhandel und auch in der IT-Branche sind derzeit noch viele Ausbildungsplätze frei. Foto: stock/caro

Eschweiler. Über 60 Bewerbungen hat Mario Kranbach (Name von der Redaktion geändert) geschrieben. Sein Ziel: ein Ausbildungsplatz als Industriekaufmann oder Versicherungskaufmann. Das Ergebnis: bislang nur Absagen.

Mario Kranbach ist nur einer von etlichen Jugendlichen aus Eschweiler, der zurzeit noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle ist. Die vorläufigen Zahlen sehen laut Bürgermeister Rudi Bertram so aus: 128 derzeit noch unversorgten Bewerbern stehen 79 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Für den Bürgermeister kein zufriedenstellendes Ergebnis. Deshalb lud er am Freitag zum Pressegespräch, um über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu informieren.

Es ist das Jahr des doppelten Abiturjahrgangs – in diesem Jahr strömen so viele junge Abiturienten in Richtung Hochschule und Ausbildung wie noch nie. Während die einen bereits zum 1. August ihre Ausbildung begonnen haben, haben nicht alle jungen Leute eine Perspektive gefunden. Deshalb appelliert Bertram an die Unternehmen in der Region: „Wir brauchen nicht nur engagierte junge Leute, sondern genauso Betriebe, die diese ausbilden.“

Heinz Gehlen, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, berichtet, dass die Ausbildungsbereitschaft in der Städteregion im Jahr 2013 stark angestiegen sei. „Wir haben ein Plus von zwölf Prozent bei den bei der IHK gemeldeten Ausbildungsverhältnissen.“ Im Kammerbezirk der Handwerkskammer Aachen sind die registrierten Ausbildungsverhältnisse hingegen noch nicht auf dem Niveau des Vorjahres, sagt Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen.

„Wir haben derzeit im Kammerbezirk rund 100 weniger eingetragene Ausbildungsverhältnisse als im Vorjahr“, sagt Deckers. Zu viel Bedeutung will er dieser Zahl dennoch nicht beigemessen wissen. „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist derzeit noch sehr dynamisch.“ Aber Deckers betont auch, dass es sich gerade Handwerksbetriebe nicht leisten können, gar nicht oder nur wenig auszubilden. Derzeit geht die Handwerkskammer davon aus, dass bereits jetzt in ihrem Kammerbezirk – dieser umfasst die Städteregion sowie die Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen – rund 800 Fachkräfte fehlen. Vor allem im Elektro-, Sanitär-, und Klimabereich seien viele Stellen unbesetzt.

Einen Mangel an Auszubildenden und dementsprechend noch viele freie Stellen sieht Jutta Schmid, Bereichsleiterin der Bundesagentur für Arbeit, vor allem in der Altenpflege, der Gastronomie, im Einzelhandel und der IT-Branche. Für Schmid ist es ein positiver Trend, dass sich immer mehr suchende Jugendliche frühzeitig bei der Bundesagentur melden. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich rund 20 Prozent mehr Jugendliche bei uns gemeldet“, sagt Schmid. „Das zeigt, dass sich die jungen Menschen mit dem Thema Ausbildung beschäftigen.“

Bei den von der Arbeitsagentur in Eschweiler akquirierten Ausbildungsstellen sieht Schmid allerdings ein Problem. „Da müssten sich zwei Jugendliche eine Ausbildungsstelle teilen.“ Deshalb hält es nicht nur Schmid für dringend notwendig, dass die Jugendlichen mobil sind und auch in angrenzenden Städten nach freien Ausbildungsplätzen suchen.

Dazu können Jugendliche eine von der Handwerkskammer entwickelte App nutzen: Der Lehrstellenradar zeigt freie Ausbildungsplätze in der Umgebung an. Auch die IHK bietet eine App-Version ihrer Lehrstellenbörse an.

Und was geschieht mit den Jugendlichen, die auch Mitte September noch keinen Ausbildungsplatz haben? Alle bei der Arbeitsagentur gemeldeten Jugendlichen werden dann zu einer Nachvermittlungsaktion von IHK, Arbeitsagentur und Handwerkskammer eingeladen.

Die IHK hat in der zurückliegenden Woche 3500 Ausbildungsbetriebe angeschrieben und darum gebeten, dass diese ihre noch offenen Stellen melden. „Denn es kommt auch oft genug vor, dass etwa ein Auszubildender zum Bankkaufmann doch noch einen Studienplatz erhält und nun kurzfristig absagt“, sagt Heinz Gehlen. „Im Moment gibt es also noch keinen Grund, Trübsal zu blasen und den Kopf in den Sand zu stecken“, so Gehlen weiter.

Und vielleicht hat auch Mario Kranbach dann endlich Glück bei seiner Suche nach einem Ausbildungsplatz.

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