Aachen/Eschweiler - Kegelnacht endet mit Tritten ins Gesicht

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Kegelnacht endet mit Tritten ins Gesicht

Von: jab
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Aachen/Eschweiler. Wegen einer brutalen Schlägerei in der Schnellengasse mit drei Verletzten müssen sich seit Freitag zwei junge Männer vor einer Jugendkammer des Landgerichts Aachen verantworten. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung.

Die heute 20 und 22 Jahre alten Angeklagten sollen in einer Julinacht im Jahr 2010 drei Kegelfreunde völlig unvermittelt von hinten attackiert und mit Fußtritten zu Fall gebracht haben. Hier sollen sie ihre am Boden liegenden Opfer weiter mit Tritten und Schlägen gegen Köpfe und Gesichter traktiert haben.

Während zwei der Opfer mit vergleichbar geringfügigen Blessuren davonkamen, erlitt ein heute 44 Jahre alter Mann bei dem Geschehen eine Vielzahl von Brüchen im Gesicht. Er musste zwei Mal operiert werden und leidet eigenen Angaben zufolge bis heute an den Verletzungen.

Der Fall wurde bereits einmal vor dem Amtsgericht Eschweiler verhandelt. Hier kam das Jugendschöffengericht aber zu dem Ergebnis, dass möglicherweise sogar ein versuchter Totschlag vorliegt. Es verwies die Sache deshalb an das zuständige Landgericht Aachen. Im ersten Verfahren hieß es in einer Zeugenaussage über einen Tritt, er sei von der Wucht her vergleichbar gewesen mit einem „Torwartabstoß beim Fußball“ und vollkommen ohne Rücksicht auf die Person erfolgt. Auch der Rechtsmediziner hatte ausgeführt, es sei „reines Glück“ gewesen, dass der Mann mit den vielen Brüchen im Gesicht nicht lebensbedrohlich verletzt worden war.

Einer der beiden Angeklagten sagte jetzt vor Gericht, er sei zuerst beleidigt und angegriffen worden: „Dann fing die Sache richtig an.“ Er habe sich aber nur mit Tritten gegen die Oberschenkel seiner Kontrahenten gewehrt. Auch er habe Verletzungen davongetragen. So sei sein Gesicht am anderen Morgen derart angeschwollen gewesen, dass er nicht einmal mehr einen Hamburger habe essen können. Er habe später gehört, die Prügelei sei weitergegangen, als er längst nicht mehr dabei gewesen sei.

Auch der Mitangeklagte will Beleidigungen im Vorfeld der Prügelei gehört haben, an der Schlägerei aber nicht direkt beteiligt gewesen sein. Dafür belastete er den Freund auf der Anklagebank. Der habe ihm nachher erzählt, er sei „mit den Füßen zuerst in die Gruppe reingesprungen“. Dieser habe nach dem Vorfall auch über Schmerzen im Fuß geklagt.

Fest steht, dass die Angeklagten beide nach dem Geschehen auf einer Internet-Plattform Seltsames niederschrieben. Der eine: „Ich hab dem den Endkick gegeben“ und der andere: „Leute geben Fäuste und schreien um ihr Leben, hahaha.“ Nachvollziehbare Erklärungen dazu hatten sie am Freitag nicht parat.

Dem einen Verletzten ist jedoch bis heute nicht zum Lachen zumute. Er sei mit zwei Kegelbrüdern in jener Nacht zum Taxistand gegangen. Alle drei seien sie eingehakt die Schnellengasse entlang gegangen. Da habe er auf einmal einen Tritt im Rücken gespürt und sei nach vorne gefallen. Als er sich habe aufrappeln wollen, habe ihn ein Tritt im Gesicht getroffen.

Noch einmal habe er versucht aufzustehen. Da sei schon der nächste Tritt gefolgt und „von da an gingen die Lichter aus“. Gebrochen, zum Teil sogar zertrümmert, waren am Ende beide Jochbeine, Augenhöhlen, Nasenbein, Oberkiefer. Er habe Implantate eingesetzt und auch wieder entfernt bekommen. Noch heute leide er an Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen. Sein Mittelgesicht sei nach wie vor komplett taub, sagte der 44-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

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