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Kaum Interesse an einer Kita im Betrieb

Von: Sonja Essers und Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Seht her! Das Betreuungsangebot für Kinder ist in Eschweiler ausreichend. Diesen Schluss legt zumindest die geringe Nachfrage nach Betriebskindertagesstätten nahe. Foto: Stock/epd

Eschweiler. Die Betreuungssituation für Kinder in Eschweiler ist gut. Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man den Bedarf an Plätzen in einer Betriebskindertagesstätte zugrunde legt. Die Stadtverwaltung fragte in den vergangenen Wochen bei ihren Mitarbeitern nach, ob Interesse daran bestehe, eine Tagesmutter anzustellen. Das Ergebnis der Befragung überraschte: Bedarf besteht bei den 634 Mitarbeitern der Stadtverwaltung derzeit nicht.

Nur vereinzelt meldeten sich die Angestellten zurück und gaben an, dass man frühestens ab 2016/2017 den Wunsch nach einem Kita-Platz habe. Einen Betriebkindergarten hingegen könne man im Rathaus nicht unterbringen, wie Sandra Hunscheidt-Fink, Vorsitzende des Personalsrates, bereits vor einigen Wochen erklärte. Die Kosten, um die baulichen Voraussetzungen zu erfüllen, seien einfach zu hoch.

Thema noch nicht vom Tisch

Ähnlich beschreibt Bernhard Müller die Situation im Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion. Im Zuge ihrer Ausbildung zum Pflegedienstleiter fragten zwei Mitarbeiter dort vor eineinhalb Jahren nach. „Lediglich vier Mitarbeiter haben Bedarf angemeldet“, berichtet Müller. Diese Zahl sei zu gering, einen eigenen Betriebskindergarten einzurichten. Aber ganz vom Tisch ist das Thema an der Johanna-Neuman-Straße nicht. Denkbar sei in seinen Augen – genauso wie in der Stadtverwaltung – der Einsatz einer Tagesmutter. „Die Kinder würden auch unser Haus beleben und den Bewohnern sicherlich gut tun“, sagt er. Gespräche mit dem Jugendamt haben bereits stattgefunden. Allerdings ruhen die Pläne aktuell.

Dass in einer Einrichtung wie das SBZ, in dem rund um die Uhr gearbeitet wird, kein Bedarf an Betreuungsplätze besteht, verwundert etwas. Müller hat dafür eine Erklärung: „Viele der Mitarbeiter arbeiten halbtags.“ Für sie seien die Arbeitszeiten flexibel und damit leichter den Öffnungszeiten der Kindertagesstätten anzupassen.

Ein Unternehmen, dass viele Jahre lang einen eigenen Kindergarten für die Mitarbeiter vorhielt, ist das St.-Antonius-Hospital. Die Kita mit 21 Plätzen besteht zwar weiterhin, ist allerdings in die Trägerschaft der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul übergegangen und wird von der Stadt größtenteils finanziert. An eine Rückkehr zu einem Betriebskindergarten denkt der geschäftsführende Vorstand des Eschweiler Krankenhauses, Elmar Wagenbach, derzeit nicht. Grund sei, dass das Personal die Einrichtung derzeit kaum nutze. Dies hängt auch damit zusammen, dass viele Mitarbeiter nicht mehr aus Eschweiler kommen. „Wenn jemand in Stolberg lebt und bei uns arbeitet, der fragt sich, warum er sein Kind bei uns anmelden und dann auch im Urlaub nach Eschweiler fahren soll“, argumentiert er. Dass die Kita dennoch wieder vollständig ausgebucht sei, sei für ihn ein Indiz für die gute pädagogische Arbeit.

Wagenbach ist wie einige andere Betriebsleiter davon überzeugt, dass „das Thema zu hoch gehangen wird“. Wenn man vage Mitarbeiterbefragungen vornehme, dann sei die Resonanz vorhanden, aber wenn es um konkrete Anmeldungen gehe, dann sei der Bedarf eher gering. Sind bei Pflegekräften die Arbeitszeiten so gestaltet, dass ausreichend Zeit nach der Frühschicht bleibt, die Kinder in der Kita abzuholen, so sei die Situation der Ärzte eine andere. Dort habe Wagenbach vorgeschlagen, dass sich das Krankenhaus an den Kosten für eine Tagesmutter beteiligt. „Kein Bedarf“, sei das Ergebnis der Nachfragen gewesen.

Die Stadt will natürlich nicht locker lassen, Betriebe mit ins „Betreuungsbot“ zu holen. Olaf Tümmeler, Abteilungsleiter im Jugendamt, bestätigt, dass man in Gesprächen sei. Konkret ist allerdings noch nichts. Im laufenden Kindergartenjahr stehen in Eschweiler 1790 Kindergartenplätze zur Verfügung (siehe unten). Dass die meisten Einrichtungen ähnliche Öffnungszeiten vorweisen, wird politisch oft diskutiert. Vor allem zum Abend hin fordern einige Parteien Flexibilität. Bisher steht jedoch lediglich die Kita des Vereins Immenhofkinder in Nothberg bis 21 Uhr bereit. Tümmeler nennt auch die 180 Kindertagespflegeplätze in der Stadt, die den Eltern flexible Zeiten zur Betreuung ihrer Kinder anbieten können.

Vor allem alleinerziehende Mütter sind oft auf ein gutes Betreuungsangebot einer Stadt angewiesen. Auch berufstätige Paare benötigen Kita-Plätze mit Betreuungszeiten für ihre Sprösslinge, die sich am Berufsalltag orientieren.

Wichtige Rolle im Einzelhandel

Nicht nur für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, sind die Betreuungszeiten ihrer Kinder von enormer Bedeutung. Klaus-Dieter Bartholomy, Vorsitzender des Citymanagement-Vereins Eschweiler, ist sich sicher: „Das spielt auch im Einzelhandel eine wichtige Rolle.“ Er kann sich allerdings nicht daran erinnern, dass der Verein auf dieses Thema einmal angesprochen worden sei. „Ich denke, dass das von den Geschäftsleuten und ihren Angestellten in Eigenregie erledigt wird“, meint er und fügt hinzu: „Vielleicht traut man uns dieses Thema aber auch gar nicht zu. Schließlich können sich viele nicht vorstellen, dass sich auch Männer mit solchen Themen auseinandersetzen können.“

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