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„Karfreitagsmusik” mit anrührender Marien-Klage

Von: Joachim Peters
Letzte Aktualisierung:
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Führte mit einer Meditation in die „Karfreitagsmusik” ein: Pfarrer Dr. Andreas Frick. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Die chromatisch durchsetzte Harmonik von Wagners „Tristan” gilt als Einfallstor der musikalischen Moderne in eine romantisch geprägte Welt. Arnold Schönberg, ein Hauptvertreter der dann schon etablierten „Neutöner”, sah die Sache etwas anderes.

Er und seine Zeitgenossen hätten für ihr Schaffen mehr Anregungen vom „späten Franz Liszt” erhalten als von der Musik des übermächtigen Bayreuther Meisters.

Diesen Überlegungen konnten sich die Zuhörer, die zahlreich und über Eschweilers Stadtgrenzen hinaus zur „Karfreitagsmusik” in die Pfarrkirche St. Peter und Paul gekommen waren, anschließen. Eingeführt von Meditationen des Hausherrn Pfarrer Dr. Andreas Frick und unterlegt mit an die Wand geworfenen Bilder zur Leidensgeschichte Jesu Christi, sang der Kirchenchor St. Peter und Paul die „Via crucis” von Franz Liszt (1811-1886).

Während die damals ungewohnten Harmonien Wagners oder eines Richard Strauss noch von romantischen Klangteppichen überdeckt werden, klingen die Spätwerke Franz Liszts in ihrer Verbindung von „schreiender” Harmonie und „asketischer”ÊBegleitung noch heute erschreckend modern.

Liszt verbot sich schon wegen des Themas, der Passion Christi, spätromantische Schwelgerei: „Die Vorrangstellung des Religiösen erforderte Demut statt Virtuosität”, so Pfarrer Dr. Frick bei seiner Einführung zu der 1879 vollendeten Kreuzweg-Musik. Der Komponist trägt dem in reizvoller wie oft verstörender musikalischer Weise Rechnung.

All dies verfehlte seine Wirkung auf das Gemüt der Besucher nicht: die LisztschenÊBerabeitungen gregorianischer Gesänge und protestantischer Choräle (Frucht lebenlanger Verehrung des Ungarn für den Thomaskantor, gipfelnd im Orgelwerk „b-a-c-h”), die aufwühlenden Schmerzens-Schreie der ChöreÊ(„Jesus candit!” -ÊJesus fällt vor dem Kreuz), die anrührenden Frauen-Solostimmen und tremolierenden Orgelklänge über das Herzeleid Mariens, das „Schweigen” bei den meditativen Orgel-Zwischenspielen von Joszef Acs, die eigentümlich „herbe” AtmosphäreÊder Werkanlage.

Die von den einfühlsamen Chordarbietungen ausgehende Demut ging auf die Besucher über: Den letzten Tönen folgte ergriffenes Schweigen. Dann brach sich langer Beifall Bahn: für den Kirchenchor St. Peter und Paul und seinen Leiter Jozsef Acs an der Orgel, die Solisten Urs Wörner (Bariton - sehr schön das Pilatus-Solo!) aus Freiburg, Violetta Palatinus (Sopran) Martina Adrian (Mezzo-Sopran), Melanie Effenberg, Liesel Effenberg (Alt) - und für Domkapellmeister Berthold Botzet (Aachen) mit seinem die Feinheiten der Partitur erfassenden Dirigat.

Dramatik und Trost beim „Stabat mater”

In Zeiten abbrechender Traditionen hat so etwas Seltenheitswert - und verdiente deshalb Erwähnung durch Pfarrer Dr. Andreas Frick und Anerkennung der Besucher in der fast vollbesetzten Kirche: Zum 21. Male in Folge veranstaltete der Kirchenchor St. Peter und Paul unter der Leitung Jozsef Acs eine kirchenmusikalische Feier am Karfreitag-Abend.

Das geistliche Werk von Franz Liszt ist ein Eckpfeiler bei den von Acs - auch musikalischer Leiter der hiesigen Liszt-Gesellschaft - einstudierten Konzerten.

Doch auch andere „Perlen” der Kirchenmusik werden wohlklingend ausgebreitet. So diesmal das „Inflammatus” aus dem „Stabat mater” von Gioacchino Rossini. Die einsetzenden Orgel-„Fanfaren”, das inbrünstige wie stimmstarke Solo von Sopranistin Violetta Palatinus und die Chor-Einwürfe vermittelten einen dramatischen wie tröstlichen Eindruck, der vom Jüngsten Gericht einerseits und der Fürsprache Mariens für die Menschen an diesem Ort andererseits ausgeht.
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