Eschweiler - Kanalproblem stinkt Hehlrathern gewaltig

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Kanalproblem stinkt Hehlrathern gewaltig

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Dass ein Jahrhundertregen noch lange nicht bedeutet, dass er nur alle 100 Jahre vorkommt, sondern lediglich ein statistischer Wert ist, haben mittlerweile auch an der Inde viele leidlich erfahren müssen.

Dass in den Abendstunden des 7. Augusts bei vielen Eschweiler Hausbesitzern „Land unter” herrschte, ist bekannt. Bei 80 Liter Wasser pro Quadratmeter, die innerhalb kürzester Zeit fielen, erwischte es zahlreiche Bürger, die bisher keine Angst um ihre Keller haben mussten. Auf der Kinzweilerstraße in Hehlrath war das Unwetter dagegen „nur” eine weitere unerfreuliche Anekdote in einer Geschichte, die seit Jahrzehnten auf ein „Happy End”, besser noch auf ein trockenes Ende wartet.

„Wenn es eine halbe Stunde richtig stark regnet, dann werden wir hier alle nervös”, erzählt Anwohner Hans Paul Lowis. Seine Frau Maria nickt ebenso beipflichtend wie die Nachbarn Ewald Breuer, Bruno Galinnes, Frank Krauthausen, Franz-Georg Hoettgen, Lydia Dohlen und Helene Mertens. Von Hausnummer 1 bis 50: Über Dreiviertel der Straße war am 7. August betroffen. Pumpen haben sie mittlerweile alle im Keller. Eimer stehen parat, Aufnehmer liegen in den Ecken.

Erst in einem halben Meter Höhe beginnt bei allen das „Kellerleben”. Keiner traut sich, Möbel und Gegenstände tiefer zu platzieren, denn dafür haben sie zu oft schlechte Erfahrung gemacht. Ihr Gegner ist das Wasser, dass durch den maroden und viel zu kleinen Kanal drückt, aus dem Erdreich direkt durch die Wände sickert. „Fingerdick spritzte es teilweise aus den Fugen”, konnte es Lydia Dohlen an besagtem Freitagabend kaum glauben. Eine unhaltbare Situation, klagen die Hehlrather über fehlende Unterstützung. Denn das Problem ist alt, uralt.

Noch einige Jahre vor der Gemeindereform 1972 wurden die Abwasserrohre auf der Kinzweilerstraße gelegt. „Schon damals gab es unter Gemeinderatsmitgliedern Diskussionen, dass der Kanal zu klein sei”, erinnert sich Maria Lowis. Das ist gut und gerne 40 Jahre her. Geändert hat sich seitdem nichts, zumindest nicht an der Kanal-Problematik. Denn nicht nur die regnerischen Jahrhundertereignisse haben deutlich zugenommen, auch viele Neubauten sind in Hehlrath im Laufe der Zeit entstanden. Die Abwasserrohre platzen da aus allen Nähten und es reicht nur eine wenige Minuten andauernde starke Regenschauer und schon dürfen die genervten Nachbarn auf der Kinzweilerstraße im Dreckwasser waten.

Noch heute, drei Wochen nach dem letzten Unwetter, sieht und riecht man die Schäden. „Dieser unglaubliche Gestank, den bekommen wir gar nicht mehr raus aus den Kellern”, hat Lydia Dohlen alles versucht. Mit acht Mann waren die Familien Lowis und Dohlen im Keller. „Sonst hätte es unsere Heizanlage auch noch erwischt”, glaubt Hans Paul Lowis. Helene Mertens stand am 7. August alleine da. Die 75-Jährige schleppte 100 Dreckwasser-Eimer bis zum Rande der Erschöpfung aus dem Keller.

Die Hehlrather Anwohner sind sich einig: Es muss sich was tun! Den Glauben an die ernsthafte Unterstützung der Politiker haben sie beinahe verloren. Zu viele Versprechen wurden in Vergangenheit nicht gehalten. Das, was andere in Eschweiler nun erstmals oder nur sehr selten erleben, gehört auf der Kinzweilerstraße fast schon zum Alltag. „Das Wasser steht etwa ein Mal pro Quartal im Keller”, schätzt Rentner Lowis vorsichtig. Es kann auch, meinen andere, die ein oder andere Überschwemmung pro Jahr mehr sein.

Rückschlagklappen, Wasserpumpen - die üblichen Hilfen verhindern nur das Schlimmste. Aufhalten können sie die Wassermassen nicht mehr. „Wir brauchen dringend Unterstützung!”, geben die Hehlrather die Hoffnung nicht auf.

Bei Ewald Breuer ging durch das eindringende Wasser der Heizbrenner kaputt. Die Versicherung zahlte. Einmalig. Wenn es wieder passiert, steht sie nicht mehr Gewehr bei Fuß. Und auch bei Wasserschäden, die dadurch entstanden sind, dass sich die dreckige Brühe durch die Wände gedrückt hat, sagen die Versicherungen: „Höhere Gewalt.”

Immer wieder neue Reparaturkosten und immer wieder die Frage der Anwohner: Wann hilft die Stadt ihren Bürgern vor Ort? „Die Dringlichkeit für unseren Kanal und auch für die ebenfalls in einem schlechten Zustand befindliche Straße muss hochgesetzt werden”, fordert Franz-Georg Hoettgen. Denn so langsam steht den Anwohnern das Wasserproblem bis zum Hals.
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