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Kammerphilharmonie Köln: Zugabe ist Höhepunkt des Konzerts

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
Die  Kammerphilharmonie Köln
Die Kammerphilharmonie Köln bei ihrem Auftritt in der fast voll besetzten Eschweiler Dreieinigkeitskirche am Mittwoch mit der Oboen-Solistin Malgorzata Sbroja (Mitte) und dem Geigensolisten Anton Georg Gölle (links). Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Die gute Nachricht gleich am Anfang: Auch im Jahr 2012 wird die Kammerphilharmonie Köln in der Eschweiler Dreieinigkeitskirche auftreten. Wiederum am 28. Dezember. „Ich habe den Termin gerade fest abgemacht”, strahlte Kantor Gerhard Behrens am Mittwoch in der Pause des Konzerts, als auf dem Platz vor der Evangelischen Kirche Glühwein ausgeschenkt wurde.

Der Glühwein war auch nötig, denn dort zog ein eisiger Wind wie sonst nur auf der Kölner Domplatte.

Welche Solisten in einem Jahr in Eschweiler auftreten werden, ist natürlich noch nicht abzusehen. Das ist das Besondere an der Kammerphilharmonie Köln: ihre Ensembles werden aus den Meisterklassen der Kölner Musikhochschule immer neu zusammen gestellt. In diesem Jahr präsentierte sich ein siebenköpfiges Kammerensemble mit zwei beeindruckenden Solisten: dem erst 21-jährigen, aus Mülheim an der Ruhr kommenden Geiger Anton Georg Gölle und der aus Polen stammenden Oboistin Malgorzata Sbroja.

Unterhalten nicht belehren

Unterhaltsame Konzerte aus der Barockzeit überwiegen in den Programmen der Kammerphilharmonie Köln, vor allem Werke von Vivaldi und Bach. „Musik soll unterhalten, nicht belehren” steht im Programmheft des Ensembles. Das war am Mittwoch in der Dreieinigkeitskirche nicht anders. Wie immer begannen die jungen Musikerinnen und Musiker mit einem Vivaldi-Konzert, diesmal mit dem „Winter” aus dem Konzertzyklus der Vier Jahreszeiten. Die wunderbar raue Intonation von Gölle gleich im ersten Satz ließ die Zuhörer - das Konzert war mit mehreren hundert Besuchern fast ausverkauft - in der dankenswerterweise vorgeheizten Kirche unwillkürlich frösteln.

Der Komponist und Bach-Zeitgenosse Alessandro Marcello ist heute nicht so bekannt wie Vivaldi, wohl aber sein d-moll-Konzert für Oboe und Orchester. Der Mittelsatz wird gelegentlich bei Rekonstruierungsversuchen in das Bachsche d-moll-Konzert BWV 1059 eingefügt, das nur als Bruchstück erhalten ist. Malgorzata Sbroja als Solistin spielte dieses Adagio innig, aber nicht sentimental, und zeigte im flotten dritten Satz große Virtuosität.

Innigkeit ist auch das richtige Wort für die vorherrschende Stimmung beim Concerto grosso Nr. 8 g-moll von Arcangelo Corelli, mit dem der erste Teil des Konzertes schloss.

Nach der Pause eröffnete die Kammerphilharmonie mit einem fröhlichen Jugendwerk Mozarts, dem auch „Salzburger Sinfonie” genannten Divertimento D-Dur. Das Presto aus diesem Mozart-Stück hätten sicher viele Zuhörer mitsummen können - man kennt es als Abspann der Sendung „Klassikforum” im WDR3.

Ein Kammerensemble muss ohne einen Dirigenten auskommen, die Musiker müssen sich sozusagen blind verstehen. Beim Hauptwerk des zweiten Konzertteils, einem Oboenkonzert in F-Dur als Transkription des Cembalokonzertes E-dur BWV 1053 von Johann Sebastian Bach, hätte ich der Kammerphilharmonie einen Dirigenten gewünscht. Mir jedenfalls drängte sich besonders im 3. Satz der Eindruck auf, dass sich die Begleitung und die Solistin Malgorzata Sbroja über die Tempi nicht ganz einig waren. Dass die Oboistin allerdings beim Schlussapplaus des Konzertabends nicht mehr vors Publikum trat, sondern in der Sakristei blieb, während die anderen Künstler sich verbeugten, kann daran kaum gelegen haben - ihr Spiel war makellos und jeden Beifall wert.

Den offiziellen Abschluss des Konzerts bildete der bekannte Kanon von Johann Pachelbel. Der heftige und dankbare Beifall der Konzertbesucher wurde mit zwei Zugaben belohnt, zunächst dem Presto aus dem zweiten Konzert der „Jahreszeiten” von Vivaldi, dem Sommer, und abschließend dann als sanfter Abschiedsgruß eine Orchesterfassung der Arie „Ombra mai fu” aus der Oper „Xerxes” von Händel.

Dabei wurde der furiose Schlusssatz des Vivaldi-Sommers zum Höhepunkt des Konzertabends. Geigensolist Anton Georg Gölle legte ein atemberaubendes Tempo vor, dem das Ensemble wie befreit und geradezu losgelassen folgte. Einzelne Bravo-Rufe aus dem Publikum nach dieser virtuosen Meisterleistung waren völlig verdient.
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