Kabarettist Robert Griess glänzt im Talbahnhof

Von: Dirk Müller
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Als grünes Parteimitglied der ersten Stunde erläutert Robert Griess, wie man gelcihzeitig gegen Atomkraft und Windräder sein kann. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Gesellschaftspoltisches Kabarett vom Feinsten hat Robert Griess dem Publikum im Talbahnhof serviert. Von trocken bis scharf gewürzt war sein humoristisches Menü „Ich glaub‘, es hackt!“, das den Gästen offensichtlich gemundet hat.

Griess war mit der Bahn angereist – in sechs Stunden für 200 Kilometer. Da verwunderte die letzte Durchsage im Zug nicht: „Wir bedanken uns für die Verspätung und entschuldigen uns für die Reise mit der Deutschen Bahn.“ Erfrischend offen wetterte Griess gegen die „BWLer“. „Designerjeans, kariertes Hemd – ich bin BWL-Student“, schickte der Kabarettist voraus.

Lacher wie auch Zuspruch erntete Griess, als er konstatierte: „Wir haben es zugelassen, dass die BWLer die Weltherrschaft übernommen haben“. Er veranschaulichte die Misere an einem plastischen Beispiel: Wer vor sechs Jahren für 1000 Euro Commerzbank-Aktien gekauft habe, hätte sich darüber jeden Abend geärgert und sei heute Besitzer von Aktien im Wert von 121 Euro. „Wer aber vor sechs Jahren 1000 Euro in Bier investiert hat, konnte jeden Abend ein Bier trinken, hatte deswegen gute Laune und besitzt heute noch Pfand im Wert von 200 Euro.“ Weitere Weisheiten amüsierten das Publikum köstlich. Etwa: „Was in der Currywurst drin ist, wissen nur der liebe Gott und Uli Hoeneß“.

In Etappen holte Griess zum politischen Rundumschlag aus. Humoristisch ging er mit der „Gouvernante der sozialen Kälte“ Ursula von der Leyen ebenso ins Gericht wie mit der „lebenden Hüpfburg der Sozialdemokratie“ Sigmar Gabriel. Die Politik solle vom Fußball lernen, forderte Griess einen internationalen Transfermarkt für Politiker. „Die ganze FDP könnte man ja jetzt verkaufen“, meinte Griess. Stattdessen verdinge sich Dirk Niebel als Händler für fliegende Teppiche, Guido Westerwelle werde Präsident der Rosa Funken in Köln und Rainer Brüderle mache ein Praktikum als Weinkönigin.

Griess entlarvte auch den „Etikettenschwindel“ der Piraten-Partei: „Piraten waren noch richtige Männer und keine verzogenen Waldorf-Schüler, die gleich flennen, wenn sie an der Bushaltestelle mal kein offenes W-Lan haben.“ Während Angela Merkel für viele immer noch „Kohls Mädchen“ sei, sähen andere die Kanzlerin inzwischen als „Honeckers späte Rache an der BRD“. Für Griess stehe jedoch zweifelsfrei fest: „Qualifikation ist unter Merkel der einzige Hinderungsgrund, Minister zu werden.“

Der Kabarettist ließ das begeisterte Publikum an seiner „Horrorvision“ teilhaben und schlüpfte in die Rolle der Königin von Europa, „Queen Mutti“ - inklusive Krone und klassischer „Rauten-Handhaltung“.

Doch damit nicht genug: Auch als grünes Parteimitglied der ersten Stunde unterhielt Griess glänzend. „Bei uns kannst du gegen Atomkraft weit weg sein und trotzdem auch gegen Windräder nah dran. Oder Feministin sein und trotzdem für Kopftuch“, beschrieb der „grüne“ Griess. Zur Freude der Gäste im Talbahnhof mutierte Robert Griess zu seinem Alter Ego „Herr Stapper auf Hartz IV“, ließ ordentlich Dampf ab, bezeichnete etwa Oliver Pocher als „intellektuelles Ozonloch mit geistigen Blähungen“.

Das Publikum erlebte einen wandelbaren, intelligenten Kabarettisten, der sich stilsicher zahlreicher humoristischer Nuancen bediente und mit seinem tollen Programm „Ich glaub‘, es hackt!“ brillant zu unterhalten wusste.

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