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Kabarettist Jens Neutag strapaziert Lachmuskeln

Von: Dirk Müller
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Kabarettist Jens Neutag amüsiert das Publikum mit seinem Programm „Schön scharf“. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Die erste Bilanz des Kabarettabends im Talbahnhof zog Jens Neutag bereits nach 20-sekündiger Bühnenpräsenz und sicherte dem Publikum zudem ein „Grundrecht auf schlechte Laune“ zu. „Wer nicht lachen will, der lässt es einfach“, schlug Neutags eingangs seines nunmehr fünften Soloprogramms „Schön scharf“ vor.

Die Lacher hatte er in der Folge dennoch auf seiner Seite, besonders wenn er sich auf das aktuelle Zeitgeschehen bezog. Beim Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama etwa habe man auch die „stylische Enticklung“ von Kanzlerin Angela Merkel bemerken können. „Was für ein Wandel. Einst war sie ,Kohls Mädchen‘, jetzt ist sie die Lady Gaga der Uckermark“, würdigte Neutag.

Dass aber Millionen Steuergelder in der Drohnen-Affäre um den Euro-Hawk verschleudert wurden, konnte der Kabarettist so gar nicht nachvollziehen: Wenn das Fliegen unbemannter Drohnen in Deutschland so problematisch sei, könne man doch vorne einfach jemanden hineinsetzen. „Der zu Guttenberg hätte doch jetzt Zeit. Oder wir nehmen Mathias Rust, das ist doch auch ein erfahrener Mann“, schlug er vor.

In der Politik vermisse Neutag grundsätzlich die Schärfe. Gesundheitsminister Daniel Bahr zum Beispiel habe eher die „charakterliche Schärfe einer Flasche Weichspüler“. „Den hat die FDP doch nur ins Spiel gebracht, weil sie dachte, für Bahr könne sie Kindergeld kassieren.“

Bahrs Parteikollegen Dirk Niebel gab Neutag einen wohlgemeinten Rat: „Ich sag ja immer: Wenn schon einen Teppich klauen, dann auch darauf nach Hause fliegen.“ Um der politischen Landschafts mehr Würze zu verleihen, schlüpfte er zur Freude des Publikums in die Rolle eine A-Jugend Fußballtrainers aus dem Ruhrpott, der humorvoll die Regierungsmannschaft auf Vordermann brachte. So ließ er Merkel auch ihren Ausspruch „Multikulti ist gescheitert“ nicht durchgehen: „Da die neuen deutschen Nationalhelden Mesut Özil und Lukas Podolski heißen, frage ich mich, in welches unsichere Drittland die Merkel eigentlich ihr Gehirn abgeschoben hat.“

Die Frage „wie kommt das Pferd in die Lasagne?“ nahm Neutag zum Anlass, anhand eines Discounter-Prospektes den Preis für Fischstäbchen zu analysieren. „15 Stück aus originalem Alaska-Seelachs kosten 1,19 Euro. Da muss doch ein Eskimo den Seelachs aus reiner Nächstenliebe kostenlos aus Alaska in den deutschen Supermarkt getragen haben.“ Würzig scharf, bissig sarkastisch und dabei doch auf seine Art liebevoll erklärte Neutag den Katholizismus für Migrantenkinder.

Dass zum Beispiel Pfarrer und Messdiener in der Kirche „Frauenkleider“ trügen, begründete er: „Das machen die, damit es nicht mehr so ungerecht ist, dass die Frauen in der katholischen Kirche nicht so viel mitmachen dürfen.“ Gläubigen Menschen zollte Neutag nach dieser kabarettistischen Betrachtung trotzdem Respekt, mahnte aber an, „beim Glauben das Denken nicht vollständig einzustellen“.

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