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Jupp Hammerschmidt mit Soloprogramm im Talbahnhof

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Der Eifel-Kabarettist Jupp Hammerschmidt tanzt mit der Wäscheschleuder, singt, dichtet und unterhält das Publikum im Talbahnhof glänzend. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Bei den weltbekannten Filmfestspielen von Imgenbroich traf er „Costners Kevin“ und inspirierte ihn zu dem Hollywood-Klassiker „Der mit der Schleuder tanzt“. Dies ist gleichsam der Name des aktuellen Soloprogramms von Jupp Hammerschmidt, in dem er sich im gut besuchten Talbahnhof aber nicht nur den wild umher schlingernden, hüpfenden, ja tanzenden ersten Wäscheschleudern widmete, sondern mit bestem „Nationalpark-Humor“ und starker Bühnenpräsenz die Gäste vielseitig unterhielt.

Eine gute Grundvoraussetzung war es, das Eschweiler Publikum zunächst mit den Eigenarten der Eifeler Sprache bekannt zu machen. „Sie besticht durch einen ehrlichen Inzest-Sound voller einfühlsamer Poesie und absoluter Präzision“, beschrieb Hammerschmidt. Dennoch würden die Eifeler bewusst wenig Gebrauch von der verbalen Kommunikation machen. „Das ist aber weniger eine Sprechallergie, eher ein sprachtechnischer Energiesparmodus.“

Besonders in seinem Heimatort Höfen, aus dem auch Til Schweiger stamme, spare man zusätzlich Energie, indem man die Lippen kaum bewege. Die Nachbarn in Kalterherberg beschrieb er als „eine liebenswerte Mischung aus Hobbit, Yeti, dem Glöckner von Notre-Dame und Räuber Hotzenplotz“. Seinen Besuch im „Reservat“ Kalterherberg habe er trotzdem nicht bereut, denn dort lernte er Marie-Luise Sabber, die über hohes lyrisches Talent verfügt, kennen. Unnachahmlich gab er ihr Gedicht von der Wandkaffeemühle zum Besten und erntete dafür ebenso viel Applaus wie für seine Erinnerungen an die Zeit, als „das Jüppchen“ zum Jupp wurde, und die Vorbereitung zur Fronleichnamsprozession noch ein echtes „Ievännt“ war. Hammerschmidts Kindheitserinnerungen, pubertäre Verwirrungen unterm Heubock und die ersten Fernsehgeräte in der Eifel amüsierten das Publikum köstlich.

Souverän schlüpfte der Kabarettist in die Rolle des berühmten Tierforschers Bernhard Grzimek: „Die Serengeti ist die Eifel Afrikas“, erklärte er und plädierte: „Unsere Eifel darf nicht sterben.“ Seine faszinierenden Beobachtungen des „homo europaeensis brutalis“, dessen Alttiere sich zunehmend auf Gran Canaria ausbreiten und dabei ihre Kleidung nahezu vollständig abstoßen, quittierte das Publikum mit vielen Lachern aber auch Erstaunen. Zum Beispiel darüber, dass die mit ballonartig aufgeblähten Bäuchen versehen Männchen der Spezies offensichtlich trächtig seien.

Mit stimmiger Mimik und Gestik begeisterte Hammerschmidt die Gäste im Talbahnhof auch mit einigen Liedern, streute den anspruchsvollen philosophischen Aphorismus „Zweifel in der Eifel“ in sein abwechslungsreiches Programm ein. Er demonstrierte immer wieder die lyrischen Qualitäten des Eifeler Platt anhand von „Originalfassungen“ inzwischen veränderter Gedichte von berühmten Eifeldichtern wie Fontanes Thé. Dessen „Herrn von Zwieback zu Zwieback im Eifelland“ kam beim Publikum genauso gut an wie großartige Adaptionen von Gedichten des „Johann Wolfjang von Joethe“. Besonders die bekannte Ballade „Der Schleuderkönig“, bei dem sein Vater dem kleinen Jüppchen die Angst vor der durch den Keller tanzenden Wäscheschleuder nimmt, entfachte Beifallsstürme. Bei der Gelegenheit entlarvte Hammerschmidt überzeugend den „Gangnam-Style“ als eine moderne Variante des Eifeler Schleudertanzes.

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