Eschweiler - „Juliacum Brassers“ faszinierte das Publikum

„Juliacum Brassers“ faszinierte das Publikum

Von: ran
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Vertonten mit Leidenschaft das eine oder Laster, das mit Martin Luther unter Umständen in Verbindung gebracht werden könnte: die „Juliacum Brassers“ mit Klaus Luft, Johannes Meures, Andreas Trinkaus und Martin Schädlich (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Luther und Leidenschaft? Aber sicher! Luther und Laster? Nicht gänzlich auszuschließen! Und alle drei „L‘s“ in einem Atemzug? Fragen sie bei den „Juliacum Brassers“ nach.

Das Quartett mit Klaus Luft, Martin Schädlich (beide Trompete), Johannes Meures (Posaune) und Andreas Trinkaus (Horn) war am frühen Samstagabend auf Einladung der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler in der Dreieinigkeitskirche zu Gast und faszinierte das Publikum im diesmal leider nicht vollbesetzten Gotteshaus mit musikalischen Darbietungen voller Esprit, Einfallsreichtum und Präzision.

„Martin Luther hat mit viel Energie und Leidenschaft dafür gekämpft, das durchzusetzen, was er als richtig empfand. Diese Art des Handelns liegt uns nahe, denn auch wir betreiben die Musik leidenschaftlich“, betonte Johannes Meures zu Beginn des Konzerts, um unmittelbar darauf den Worten Taten folgen zu lassen. Mit ansteckender Spielfreude ließen die vier Blechbläser zunächst das Glockenläuten des Werks „Sortie“ des zeitgenössischen französischen Komponisten Jacques Charpentier hören, bevor sie sich eindeutig an die Fersen des Reformators hefteten, als sie das „Sanctus“ des bereits zu seinen Lebzeiten (1450/1455 bis 1521) berühmten Komponisten, Sängers und Luther-Zeitgenossen Josquin Desprez interpretierten. „Laut Luther war Desprez der einzige Komponist, der die Noten beherrscht“, zitierte Klaus Luft den Namensgeber des Konzerts und wies somit auf dessen recht eindeutige und vielleicht sogar im weitesten Sinne lasterhafte Sprache hin.

Im Jahr 1872, womöglich unter dem Eindruck des Grauens des deutsch-französischen Kriegs wenige Monate zuvor, schrieb Camille Saint-Saens den „Danse macabre“, dessen mittelalterliches Motiv die in dieser Epoche alltäglichen Übel Krankheit, Krieg und Hunger aufgreift. Eine geradezu meditative Atmosphäre schufen die vier studierten Musiker mit der Interpretation des „Da pacem Domine“ („Gib Frieden, Herr) des estnischen Komponisten Arvo Pärt, der dieses Werk als Auftragsarbeit für ein Friedenskonzert in Barcelona im Jahr 2004 verfasste und zwei Tage nach den Zuganschlägen von Madrid am 11. März des gleichen Jahres mit der Arbeit begann. Drei Variationen der von Luther geschriebenen Liedstrophe „Verleih uns Frieden gnädiglich“ sowie ein Quartett von Arthur Frackenpohl setzten die Schlusspunkte des ersten Konzertteils, dem sich nach zehnminütiger Pause die „Homage to the noble Grape“ von Goff Richards anschloss, während der sich die Blechbläser dem „spritzigen“ Champagner, dem „melancholischen“ Chablis sowie dem wie auch immer gearteten „Hock“ (englischer Ausdruck für Rheinwein) widmeten. Andreas Trinkaus als Solohornist vorneweg.

Vortrefflicher Abschluss

Weiter ging es in Sachen „Luther – Laster – Leidenschaft“: Schließlich wird dem berühmten Mönch, neben vielen anderen Sätzen, auch der Vers „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“ zugeschrieben. Eine Vorlage, die die „Juliacum Brassers“ mit der Interpretation des gleichnamigen Walzers von Johann Strauss (Sohn) nicht nur aufnahmen, sondern auch verwandelten. Ein Medley aus dem Musicalklassiker „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber sowie eine großartige Quincy-Jones-Soul-Version des „Hallelujah“ aus dem Klassik-Monument „Messiah“ von Georg Friedrich Händel bildeten den vortrefflichen Abschluss.

Die mit lautstarkem und stehend dargebrachtem Applaus geforderte Zugabe hatte dann definitiv kaum etwas mit Martin Luther zu tun, war aber dennoch hörenswert: „Mack the Knife“ („Mackie Messer“). Arrangiert, wie so vieles, von Johannes Meures.

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