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Jugendparlament als direkter Draht zum Rat

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
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Auf der Suche nach Stimmen? Rahel Atta und Florian Weyand (kleines Bild) engagieren sich im Projekt „Das geht“ und sie hoffen, dass viele junge Leute zur Wahl gehen. Foto: dpa/Andreas Röchter (3)

Eschweiler. Politik(er) und Jugend? Treffen da nicht zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinander? Manchmal sicherlich schon! Hauptsache ist jedoch, dass beide Seiten überhaupt aufeinander treffen, miteinander reden und nicht aneinander vorbeilaufen.

Zwei junge Menschen, die dafür sorgen, dass Politiker und Jugendliche in Kontakt treten, sind der 21-jährige Florian Weyand und die 19-jährige Rahel Atta. Weyand, bis zum vergangenen Sommer Schülersprecher des Städtischen Gymnasiums Eschweiler, absolviert momentan sein „Freiwilliges Soziales Jahr im Politischen Leben“ im Bildungsbüro der Städteregion Aachen.

Dort ist er Teil der „Koordinationsstelle Jugendpartizipation“, die für das Projekt „Das geht – Dialog zwischen Jugend und Politik“ verantwortlich zeichnet. Und an diesem Punkt kommt Rahel Atta ins Spiel. Die Indestädterin ist seit 2011 Ehrenamtlerin im Städtischen Jugendtreff „Check In“ und seit einigen Wochen Mitglied der Arbeitsgruppe, die den Eschweiler Teil des „Das geht“-Projekts vorbereitet. Heute stehen in der Eichendorffhalle ab 9 Uhr unter der Überschrift „mitdenken, mitreden, mitmischen“ zunächst Workshops auf der Tagesordnung.

Das Motto der Initiative „Das geht“ lautet mitdenken, mitreden, mitmischen. Ihr beide denkt, redet und mischt mit. Wie kam es zu eurem Engagement?

Atta: Bei mir hat dies viel mit Nicole Hillemacher von der Mobilen Jugendarbeit der Stadt Eschweiler zu tun. Ich war regelmäßig zu Gast im Jugendtreff „Check In“. Und 2011 hat mich Nicole dann gefragt, ob ich nicht als Ehrenamtlerin tätig sein möchte. Seitdem bin ich zweimal pro Woche hier vor Ort, leite unter anderem einen Tanzworkshop für Mädchen und bringe mich bei Aktivitäten wie etwa dem Graffiti-Projekt ein. Nicole war es dann auch, die mich auf die Arbeitsgruppe „Was geht“ aufmerksam gemacht hat. In dieser sind die Schülervertreter aller weiterführenden Schulen Eschweilers sowie eben die Ehrenamtler aus dem „Check In“ sowie dem Jugendzentrum der Pfarre St. Peter und Paul aktiv. Das alles hörte sich sehr interessant an. Deshalb bin ich dabei.

Weyand: Ich habe im Jahr 2012 als Schülersprecher des Städtischen Gymnasiums an der Veranstaltung „Was geht“, dem Vorgänger-Projekt von „Das geht“ im Aachener Eurogress teilgenommen und dabei das damalige Vorbereitungsteam kennengelernt. Dieser Kontakt blieb bestehen und 2013 war ich wieder bei „Was geht“ vor Ort. Nach dem Abi im vergangenen Jahr war für mich klar, dass ich ein Freiwilliges Soziales Jahr einlegen möchte. Ich finde dies wichtig.

Also habe ich mich umgeschaut, welche Möglichkeiten es gibt und bin dabei auf das „Freiwillige Soziale Jahr im Politischen Leben“ gestoßen. Daraufhin habe ich mich bei der Städteregion Aachen beworben und bin genommen worden. Im Februar 2013 hatten die Verantwortlichen der Städteregion bereits das Projekt „Das geht“ ausgeschrieben. Als Mitarbeiter der Koordinationsstelle Jugendpartizipation habe ich nun seit November des vergangenen Jahres mit der Betreuung der Arbeitsgruppen zu tun.

In welchen Kommunen außer Eschweiler findet „Das geht“ statt?

Weyand: Neben Eschweiler sind auch Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Stolberg „Modellkommunen für Jugendpartizipation“.

Ist die Veranstaltung, die heute in der Eichendorffhalle stattfindet, die einzige Aktivität der Arbeitsgruppe Eschweiler?

Weyand: Nein! Vor einigen Tagen gab es bereits die Aktion „Food & Talk“, bei der Jugendliche in lockerer Atmosphäre mit den fünf Eschweiler Bürgermeisterkandidaten ins Gespräch kommen konnten und dies auch getan haben.

Frau Atta, war diese Aktion Ihr erster direkter Kontakt mit Kommunalpolitikern?

Atta: Einen Tag vor „Food & Talk“ war ich mit einigen anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe zu Gast im Jugendhilfeausschuss, wo wir die Möglichkeit hatten, das Projekt „Das geht“ vorzustellen. Aber die Gespräche am folgenden Tag stellten dann eigentlich den ersten wirklichen Kontakt dar.

Und wie ist „Food & Talk“ bei Ihnen angekommen? Haben Ihnen diese Gespräche etwas gebracht?

Atta: Definitiv! Vor allem war zu bemerken, dass Kommunalpolitiker Menschen wie du und ich sind. Wobei ich schon Unterschiede zwischen den Politikern ausgemacht habe. Bei mir hat sich auch relativ schnell ein Favorit herauskristallisiert. Dagegen ging ein anderer Kandidat meiner Meinung nach ziemlich über die Fragen hinweg, ohne sie konkret zu beantworten.

In welchem Zusammenhang stehen das Projekt „Was geht“ und die anstehende Kommunalwahl?

Weyand: Die Kommunalwahl ist sicherlich der Aufhänger für „Das geht“. Im Vorfeld einer Wahl ist es natürlich immer relativ einfach, Politiker für derartige Veranstaltungen zu begeistern und sie für eine Teilnahme zu gewinnen. Entscheidend ist aber, dass auch langfristig ein Dialog zwischen Politik und Jugend entsteht und dieser auch in Jahren, in denen keine Wahl vor der Tür steht, nicht abreißt. Um dies zu gewährleisten, sind natürlich nicht nur die Politiker, sondern auch die Jugendlichen gefordert. Diese müssen verinnerlichen, dass Politik, ob sie nun wollen oder nicht, wichtig für sie ist. Denn politische Entscheidungen betreffen definitiv auch Lebensbereiche von Jugendlichen.

Sehen das Ihre Freunde denn genauso? Ist bei Jugendlichen Interesse für Politik vorhanden?

Atta: Ich habe mich früher, ehrlich gesagt, nicht für Politik interessiert. Aber durch meine Aufgaben als Ehrenamtlerin und meine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe ist mir bewusst geworden, dass Politik wichtig ist und Engagement etwas bringt. Seit „Food & Talk“ unterhalte ich mich zum Beispiel mit meiner besten Freundin, die ebenfalls Ehrenamtlerin im „Check In“ ist, oft über politische Themen. Deshalb ist für mich auch klar, dass ich nächste Woche wählen werde. Denn Themen wie „Schule“ oder „Treffpunkte für Jugendliche“ sind eben auch politische Themen. Leider ist zu wenigen Jugendlichen bewusst, welche Konsequenzen ein Desinteresse an Politik haben kann.

Weyand: Ich habe in den insgesamt fünf Arbeitsgruppen bis zu 100 Jugendliche erlebt, die über Monate hinweg kontinuierlich großes Engagement und Interesse gezeigt haben. Die zurückliegenden Monate haben sowohl diesen Jugendlichen als auch mir viel für die Zukunft gebracht. Davon bin ich fest überzeugt. Manchmal ist es notwendig, dem einen oder anderen Jugendlichen einen kleinen Schubs zu geben, damit er mitmacht und sich engagiert. Nicht selten ist es nämlich so, dass Jugendliche nur vorgeben, sich nicht für gesellschaftspolitische Themen zu interessieren, dies in Wirklichkeit aber sehr wohl tun. Schließlich besteht Politik aus mehr als den Parteien.

Sind die Arbeitsgruppen in den fünf Kommunen gleich strukturiert?

Weyand: Es gibt schon deutliche Unterschiede: So ist in Herzogenrath der von Jugendlichen gewählte Jugendbeirat für die Vorbereitung von „Was geht“ zuständig. In Baesweiler zeichnet die SV der Realschule verantwortlich. Und in Stolberg sind nicht zuletzt die Vertreter des Jugendparlaments involviert.

Wäre ein Jugendparlament auch etwas für Eschweiler?

Atta: Ich bin dafür und würde mich nach der Gründung eines Jugendparlaments auch darin engagieren.

Worin lägen die Aufgaben?

Atta: Meiner Meinung nach vor allem darin, einen direkteren Draht zum Bürgermeister und zu den Mitgliedern des Stadtrates zu schaffen. Ich fände es schön, wenn ich mich als Ehrenamtlerin regelmäßig mit dem Bürgermeister zusammensetzen könnte. Die Wege, etwas zum Positiven zu verändern, wären einfach kürzer.

Herr Weyand, haben sie über Ihr Engagement während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres hinaus bereits weitere politische Erfahrungen gesammelt?

Weyand: Ich bin Mitglied der CDU und der JU. Darüber hinaus habe ich noch bis zum 3. Juni 2014 das Amt des Bezirksschülersprechers innerhalb der Städteregion Aachen inne. Dadurch verfüge ich über einen Sitz im Schulausschuss des Städteregionstages und ein stellvertretendes Mandat im Kinder- und Jugendhilfeausschuss. In solchen Ausschüssen lernt man Demokratie sehr gut kennen. Vor allem, wie schwierig und kompliziert Demokratie sein kann. Doch auch gerade deshalb ist es mein Fernziel, die Politik nach Abschluss des Studiums zu meinem Beruf zu machen.

Haben sich die Jugendlichen innerhalb der Arbeitsgruppen während der vergangenen Monate verändert, vielleicht sogar weiterentwickelt?

Weyand: Ich denke ja. Als das Projekt „Das geht“ von uns vorgestellt wurde, gingen die Reaktionen häufig in die Richtung „klingt ganz spannend und interessant, können wir mal machen“. Jetzt stehen wir kurz vor der Veranstaltung, an der hoffentlich mehrere hundert Jugendliche teilnehmen, und ich merke ganz stark, wie viel Herzblut die Jugendlichen in die Organisation gesteckt haben und nach wie vor stecken. Zu Beginn war das Ganze ein gemeinsames Projekt der Arbeitsgruppe und des Jugendamts. Inzwischen ist es eindeutig zum Projekt der Jugendlichen geworden.

Und die Erwartungen für heute?

Atta: Ich hoffe, dass viele Jugendliche vor Ort sein werden, um sich zu informieren, an den Workshops teilzunehmen und während der Arena mit den Kommunalpolitikern zu diskutieren. Auch ich möchte noch möglichst viel neues über Politik, zum Beispiel über die Städteregion, erfahren. Auch im Hinblick auf die Wahl am Sonntag.

Und wie geht es (politisch) weiter?

Weyand: Die Veranstaltung „Das geht“ des Jahres 2014 soll nicht das Ende eines Projekts markieren, sondern den Anfang. Das geht aber nur, wenn sich alle Menschen auf die Partizipation, also die Teilnahme und das Einbeziehen von Jugendlichen einlassen. Auch durch die Serie der „Was geht?“-Veranstaltungen in Aachen in den vergangenen drei Jahren ist das nun dezentrale „Das geht“-Projekt als Marke durchaus schon etabliert. Ich bin mir sicher, dass es eine Fortsetzung geben wird. Wobei natürlich die entscheidende Voraussetzung ist, erneut engagierte Jugendliche zu finden.

Atta: Finde ich die Zeit, ich möchte nämlich nach meinem Abschluss am Berufskolleg Stolberg an die Katholische Hochschule in Aachen oder Köln, bin ich bei einer möglichen Fortsetzung dabei. Dabei vertraue ich darauf, dass die Politiker bereit sind, weiterhin mit Jugendlichen in den Dialog zu treten, auch wenn keine Wahlen unmittelbar vor der Türe stehen.

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