Eschweiler - Jugendarbeiter Oliver Krings wechselt nach Herzogenrath

Jugendarbeiter Oliver Krings wechselt nach Herzogenrath

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Über sieben Jahre lang das Gesicht der Mobilen Jugendarbeit: Oliver Krings wechselt zum 1. März nach Herzogenrath. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Für viele Jugendliche war er ein wichtiger Ansprechpartner. Bei Problemen, aber auch bei Ideen und Wünschen. Und immer war er da, wo sich die jungen Indestädter trafen: Oliver Krings, der die Mobile Jugendarbeit in Eschweiler auf die Füße stellte und viele Jahre ihr Gesicht war. Jetzt wechselt er die Seiten und übernimmt die Abteilungsleitung im Jugendamt der Stadt Herzogenrath. Zum 1. März.

Jetzt wechselt er die Seiten und übernimmt die Abteilungsleitung im Jugendamt der Stadt Herzogenrath. Zum 1. März.

Eine Erfolgsgeschichte

Der Blick zurück: Am 1. September 2003 trat Oliver Krings seine Stelle bei der Stadtverwaltung Eschweiler an. Als Mobiler Jugendarbeiter, wobei sich niemand so recht vorstellen konnte, was sich dahinter verbirgt. Heute ist man um einiges schlauer, denn das erste Kapitel, was im besagten September aufgeschlagen wurde, mündete schließlich in einer Erfolgsgeschichte, die auch mit Krings nicht endet.

Im Gegenteil, denn in den letzten Monaten war er sowieso nicht mehr mit dem bunten Bus der Mobilen Jugendarbeit unterwegs, sondern arbeitete im Rathaus. Auf diese Position rückt jetzt Olaf Tümmeler nach, Nicole Hillemacher übernimmt die Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort. „Sie beide haben neue und andere Ideen als ich, aber die Philosophie bleibt”, hebt er hervor.

„Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und gehe mit schwerem Herzen”, sagt Oliver Krings. Aber schon von Anfang an sei für ihn klar gewesen, dass er ein Paar Jahre Erfahrung mit der Mobilen Jugendarbeit sammeln wolle, aber eben nicht bis zur Rente bleibe.

„Irgendwann ist man auch zu alt und zu weit weg von den jungen Leuten”, begründet er diese Haltung. Neben seiner Arbeit bildete er sich immer weiter fort, machte eine Zusatzausbildung zum „Social Group Worker” und verfasst derzeit seine Promotion mit dem Titel „Soziale Arbeit und Nationalsozialismus”. Jetzt sei eben der Zeitpunkt gekommen, beruflich den nächsten Schritt zu machen.

Andere Städte in der Region haben die Idee der Mobilen Jugendarbeit aufgegriffen. Dabei klingt der Leitsatz recht simpel: „Von Jugendlichen für Jugendliche” oder auch „Von Bürger für Bürger”. Aber in diesen wenigen Worten steckt das Prinzip. Schon das erste Projekt als Mobiler Jugendarbeiter wies den Weg - die Hütte in Hastenrath, die von Jugendlichen demoliert worden war.

Oliver Krings holte die jungen Hastenrather mit ins Boot, machte mit einem Holzhandel in Alsdorf ein Geschäft: Das Unternehmen gibt das Holz, dessen Kosten die jungen Leute im Betrieb abarbeiteten. Anschließend zimmerten sie selbst die Hütte wieder zusammen. Und sie steht seitdem immer noch unversehrt in Hastenrath.

Weitere Aktionen folgten: Grafitti-Künstler gestalteten den Skater-Park und die Wand am Grünen Weg. Junge Indestädter bauten den Minigolf-Platz in Dürwiß wieder auf und betreuen ihn auch weiterhin. Ein Zeltplatz entsteht am Freibad - und wieder packten Jugendliche mit an. „Das alles kann natürlich nur funktionieren, wenn alle dahinterstehen”, dankt Krings den Firmen ebenso wie den Kollegen in der Verwaltung und den Parteien im Rat.

Dass nicht alles gelang, liegt auf der Hand. Die Müllproblematik an manchen Treffpunkten hat auch Oliver Krings nicht lösen können. Aber es gibt eindeutige Gründe. Auch die sind manchmal recht einfach: „Was machen sieben Jugendliche, die sich treffen und Hunger haben? Sie bestellen Pizzen”, weiß Krings.

Schon beim ersten Pizza-Karton sei der klassische Mülleimer verstopft, die anderen landen dann eben daneben. Deswegen hofft er weiter, dass an bestimmten Punkten größere Müllbehälter angebracht werden. Dagegen spreche jedoch, dass die Verwaltung mit kleineren Mülleimern erreichen wolle, dass niemand seinen Hausmüll dort hineinstecke. Die Quadratur des Kreises.

Nie den Zeigefinger gehoben

Aus voller Überzeugung kann er jedoch sagen: „Die große Mehrheit Jugendlichen in Eschweiler sind in Ordnung.” Und selbst bei Problemen habe er nie den moralischen Zeigefinger gehoben. Was jedoch nicht bedeutet, dass der ein Mobiler Jugendarbeiter alles durchgehen lässt, aber er kündigt seine Schritte an. „Transparenz”, nennt Oliver Krings das. Und Verlässlichkeit.

Morgens lange ausschlafen konnte er als Mobiler Jugendarbeiter schon, aber dafür musste er auch abends ran. „So toll das auch sein mag, das ist nicht ewig beziehungstauglich”, meint der Aachener. Auch darum der nächste Schritt in seinem Berufsleben.

Am 24. Februar soll der offizielle Abschied erfolgen, dann sagen die Weggefährten: „Tschüss, Olli.” Aber schon Karneval ist er wieder in Eschweiler - allerdings dann als Privatmann und eben nicht mehr als erster Mobiler Jugendarbeiter der Stadt.
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