Jacques Stotzem massiert die Seelen der Zuhörer

Von: vr
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Begeisterte im Talbahnhof: Jacques Stotzem. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Wenn eine Melodie zum Träumen einlädt und die Musik die Seele massiert, wenn alles still ist und jede einzelne Note im Raum bleibt, dann ist er da, jener magische Moment, der einen Song oder ein Riff zu etwas ganz Besonderem werden lassen kann, das bei einem bleibt. Diese Magie können nur wenige Musiker so verlässlich kreieren wie der Fingerstyle-Gitarrist Jacques Stotzem, der auf seiner aktuellen Tour ein weiteres Mal im Talbahnhof Halt machte und seine Fans verzauberte.

„Ich werde jetzt ein wenig nostalgisch, aber keine Angst: immer optimistisch“, mit sympathischer, fast ein wenig naiver Unbefangenheit gelang es Stotzem, mit wenigen Worten das Publikum auf seine Seite zu ziehen, falls er nicht gerade seine Gitarre für sich sprechen ließ.

Singen kam für den Ausnahmegitarristen wie gewohnt nicht in Frage, Gefühle transportierte er viel lieber mit Hilfe seiner Plastikpicks und der sechs Stahlsaiten der Lowden, die einen erstaunlich runden, warmen Ton produzierten. Wie bei der Ballade „Sur Vesdre“, die der Belgier für seine Heimatstadt Verviers komponiert hat und in ihrer „Nostalgie“, oder wohl eher Melancholie unweigerlich an das Intro von Mark Knopflers „Going home“ denken ließ.

Beim „Saitensprünge“-Konzert am Freitag im Talbahnhof waren es aber vor allem die großen Helden und Vorbilder, die Jacques Stotzem in seinem ganz eigenen Stil zitieren sollte. So ließ er als Hommage an den 1996 bei einem Flugzeugunglück verstorbenen französischen Gitarristen Marcel Dadi „Picking in Paris“ mit seiner ganzen unbeschwerten Dynamik erklingen und coverte sein Lieblingsstück von Led Zeppelin „Goin‘ to California“.

Nachdem der achtjährige Jacques Stotzem den Auftritt des amerikanischen Bluesgitarristen Stefan Grossmann im Fernsehen als Initialzündung für sein Gitarrenspiel erlebt hatte, war es vor allem ein Gitarrist, der den Fingerstylisten nachhaltig beeindruckt hat: „Ich bin so froh, dass ich Rory Gallagher einmal live hören durfte!“. Und so spielte Stotzem am Freitag mit „Tatoo‘d Lady“, „Moonchild“ und „I don‘t know where I‘m going“ gleich drei Stücke des Bluesman aus Irland.

„Honky Tonk Woman“ von den Rolling Stones, „Come together“ der Beatles, U2‘s „With or without you“, „The clap“ von Yes, das Talbahnhof-Publikum hörte viele bekannte Blues-, Rock- und Popsongs im Stotzem-Gewand, das dank der dynamischen Fingerstyle-Technik häufig mehrstimmig daher kam.

Was er so alles mit seiner Gitarre anstellen kann, demonstrierte Jacques Stotzem seinen begeisterten Fans dann schließlich noch mit „Jungle“, dem Song, der nicht nur klingt, sondern auch kratzt, beißt, kriecht und klopft. Offensichtlich scheint der Musiker, dem seine Blues- und Ragtime-Wurzeln schnell zu wenig waren und sich dem Jazz öffnete, nach zahlreichen eigenen Albumkompositionen wieder die Liebe zum Cover entdeckt zu haben, sehr zur Freude seines Publikums. So soll dann auch sein Cover-Album „Catch the Spirit“ nach vier Jahren eine Fortsetzung erhalten, atemberaubende Dynamik und Seelenmassage inklusive.

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