bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Ist der „Hartz4”-Teller am Ende gar ein Kunstobjekt?

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
Schmeckts? Den „Hartz4”-Tel
Schmeckts? Den „Hartz4”-Teller serviert Jamal Abdo den Gästen in seiner Döner-Bude. Foto: Stefan Schaum

Eschweiler. Schwer zu sagen, was der Mann mit seinem Schild erreichen will. Ob er überhaupt etwas anderes damit bezweckt, als einfach bloß aufzufallen? Jamal Abdo legt sich da nicht fest. „Ein politischer Typ bin ich jedenfalls nicht”, sagt er, „ich will auch niemanden provozieren”.

Dann lacht er. Schließlich weiß er ganz genau, dass das Schild, das er abends vor seiner Döner-Bude an der Aachener Straße aufstellt, das Zeug zum Aufreger hat. „Hartz4”-Teller steht in großen Lettern darauf. Den gibt es bei ihm mit Pommes, macht dann sechs Euro. „Dafür gibts aber auch ne ganz ordentliche Portion!”

Hier darf man wohl sagen: Auf die Verpackung kommt es an. Denn das, was Jamal Abdo unter dem „Hartz-IV-Etikett” auf den Teller packt, ist für eine Döner-Bude das Standard-Programm: Fleisch, Pommes, Zaziki, das Ganze auf Wunsch ein bißchen scharf.

Der Titel gibt die Würze

Der Titel würzt die Sache zusätzlich - doch ist er auch Geschmackssache. Übel aufgestoßen sei das Ganze aber bislang niemanden, beteuert der Imbissbudenbetreiber. Erst neulich habe ein Polizist in Uniform sich bei ihm den „Hartz”-Teller schmecken lassen, auch einem Lokalpolitiker habe er den bereits serviert. „Fand er ganz lecker. Es hat noch niemand gemeckert”, sagt Abdo. Auch als Fotomotiv kommt das Schild an. Immer wieder zücken Passanten ihr Fotohandy und halten drauf. „Mich freut das, wenn die Leute es lustig finden.”

Ob der Kurde mit dem Schild nicht doch einen bissigen Kommentar zum deutschen Arbeitsmarkt abliefern will? „Nein, nein.” Er bleibt gern vage, auch sein Alter verrät er nicht. Vielleicht versteckt sich die Antwort auf die Frage nach dem Warum ja ganz unten. Im Keller der Döner-Bude. Dort hat Abdo ein Atelier eingerichtet. „Wissen Sie, ich bin nämlich Künstler.” Etliche bunte Leinwände stehen in den Räumen. Die hat er über und über mit Eierschalen beklebt. „Meine Eierkunst”, sagt er. Und da wird klar, was der Mann will: Einfach mal was Besonderes machen. Ob das den Leuten nun schmeckt - oder auch nicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert