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Interview: Jugendarbeiterin vor allem Ansprechpartnerin für Mädchen

Von: Sonja Essers
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Nicole Hillemacher ist immer mittendrin, statt nur dabei: Nicht nur im Jugendtreff Check In ist sie stets vor Ort, auch bei „Rock am Pool“ (links oben), mit Kollege Christian Meusgens im Mobil (links), bei Hiphop-Battles (links unten) und Aktionen gegen Rechts mit Schulsozialarbeiter Lothar Hondt (rechts). Foto: Sonja Essers/Archiv

Eschweiler. Sie ist Ansprechpartnerin, Ideen- und Ratgeberin für viele Jugendliche: Seit September 2010 ist Nicole Hillemacher für die Mobile Jugendarbeit der Stadt Eschweiler tätig. Die Jugendlichen kommen nicht nur mit ihren Problemen zu ihr, sondern haben auch immer wieder Ideen für neue Veranstaltungen oder Projekte. Im Interview erzählt Hillemacher von ihrem Arbeitsalltag und erklärt, warum zu diesem auch Themen wie Kochen, Schminken und Fußball gehören.

Frau Hillemacher, seit wann arbeiten Sie für die Mobile Jugendarbeit der Stadt Eschweiler?

Hillemacher: Bei der Mobilen Jugendarbeit bin ich seit September 2010. Ich habe damals angefangen mit einer halben Stelle und im März 2011 bekam ich dann die volle Stelle.

Den Jugendtreff „Check In“ gibt es ja noch nicht sehr lange. Wie genau sahen denn die Anfänge aus?

Hillemacher: Wir saßen am Anfang noch in einem Büro im Rathaus und nebenan gab es einen kleinen Raum mit einem Kicker, einem Billardtisch, einem Tisch und Stühlen und zwei Computern. Daran konnten Jugendliche dann beispielsweise für die Homepage-Redaktion arbeiten. In diesem Raum konnten wir natürlich auch mit den Jugendlichen sprechen. Ansonsten hatten wir zu dieser Zeit unseren Bus und haben draußen viel Projektarbeit geleistet. Seit September 2011 gibt es den Jugendtreff „Check In“. Zwar gab es vorher schon viele verschiedene Projekte für Jugendliche, aber wir mussten immer gucken, wo man diese stattfinden lassen konnte, wie beispielsweise die Hip-Hop-Tanzgruppe für Mädchen.

Damit haben Sie nun keine Schwierigkeiten mehr?

Hillemacher: Hier hatten wir die Möglichkeit, ein Jugend-Café zu eröffnen, das sehr gut angenommen wird. Aktuell wird gerade eine Gesangskabine für unser Tonstudio gemeinsam mit Jugendlichen gebaut. Hier haben wir die Möglichkeit, dass auch im Winter Veranstaltungen stattfinden und den Jugendlichen so verschiedene Angebote zu machen.

Können Sie dafür einige Beispiele nennen?

Hillemacher: Im Januar wird ein Fifa-Playstation-Turnier stattfinden. Das haben die Jugendlichen sich gewünscht. Wir haben diese Idee dann mit ihnen besprochen und geguckt, dass Beamer und Leinwände da sind. Wir kümmern uns um die Rahmenbedingungen und beziehen die Jugendlichen grundsätzlich mit ein.

Also legen Sie in Ihrer Arbeit sehr viel Wert darauf, dass die Jugendlichen ihre Projekte auch selbst mitgestalten?

Hillemacher: Wir arbeiten ganz klar nach dem Motto: Von Jugendlichen für Jugendliche. Ohne die Ideen der Jugendlichen wäre das schwierig. Wenn die Jugendlichen mit ihren Vorschlägen zu uns kommen, können wir sofort reagieren. Wir sind aber grundsätzlich sehr flexibel in unseren Angeboten. Von Konzerten bis zu Tanzbattles. Das sind natürlich Dinge, die wir vorher so nicht anbieten konnten. Mit den Mädels aus dem Mädchentreff haben wir das perfekte Mädchendinner veranstaltet. Die Idee kam von ihnen, wir haben dann ein bestimmtes Budget zur Verfügung gestellt. Die Mädels haben selbst eingekauft und in Teams gekocht. Ich war richtig überrascht, was da für tolle Sachen auf den Tisch gekommen sind. Anschließend haben wir das Essen dann bewertet, genauso wie im Fernsehen bei Promi-Dinner.

Wie wichtig ist es für die Jugendlichen, an Projekten beteiligt zu sein?

Hillemacher: Wenn Jugendliche ein Projekt mitplanen, dann wird es automatisch zu ihrem Projekt und dann hängen sie sich richtig rein.

Aber die Jugendlichen kommen nicht nur mit ihren Wünschen, sondern auch mit ihren Problemen zu Ihnen.

Hillemacher: Ja, das stimmt. Wenn die Jugendlichen Probleme haben, dann haben sie die jetzt und nicht morgen oder übermorgen. Dann sind wir natürlich auch für sie da, wenn sie uns brauchen. Meist ist es so, dass die Jugendlichen sich gezielt ihren Ansprechpartner aussuchen. Es gibt aber auch Situationen, in denen wir das zusammenmachen, natürlich nur, wenn die Jugendlichen das auch möchten.

Welche vorrangigen Probleme haben die Jugendlichen heutzutage?

Hillemacher: Es gibt 1000 verschiedene Arten von Problemen. Die Probleme, die die Jugendlichen haben, wenn sie zu dir kommen, sind für sie dann in dem Moment richtige Probleme. Oft sind das „nur“ Alltagsprobleme wie Liebeskummer oder Stress mit den Eltern. Aber das können natürlich auch schwerwiegendere Probleme sein. Ich bin immer froh, wenn sich Jugendliche an mich wenden, weil mir das zeigt, dass sie Vertrauen zu mir haben. Ich bin dann auch für sie da. Ich versuche ihnen dann soweit zu helfen, dass sie später problemlos nach Hause gehen können. Aber es gibt natürlich auch Situationen, über die auch ich erst einmal nachdenken muss.

Wie schaffen Sie es, nach Feierabend abzuschalten?

Hillemacher: In unserem Job ist es sehr wichtig, dass man nach Feierabend abschaltet, auch wenn das nicht immer ganz so einfach ist.

Wie sind Sie überhaupt zu diesem Beruf gekommen? Stand für Sie schon immer fest, dass Sie mit Jugendlichen arbeiten wollen?

Hillemacher: Ich habe nach meinem Studium ein Jahr lang in Düren bei der Handwerkskammer gearbeitet und dort eine so genannte BVB-Maßnahme betreut. Da gab es Jugendliche, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz oder keinen Job hatten und wir haben versucht, ihnen diesen zu verschaffen. Das, was ich jetzt mache, ist das, was ich schon immer gerne machen wollte. Nach meinem Abitur habe ich ein zweijähriges Praktikum in verschiedenen Institutionen in Eschweiler absolviert, unter anderem in der Gesamtschule Waldschule, dem Haus St. Josef und im damaligen Jugendtreff „Oase“. In dieser Zeit habe ich gelernt, wie dieses ganze Netzwerk funktioniert. Später war ich dann im Jugendamt der Stadt Eschweiler und in der Suchtberatung tätig. Ich habe auch sehr lange als Honorarkraft im Café Kick gearbeitet. In den zwei Jahren meines Praktikums habe ich sehr viel Praxis gelernt und während dieser Zeit auch schon oft mit Jugendlichen zusammengearbeitet.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Hillemacher: Ich finde es toll, dass ich in meinem Beruf viele verschiedene Menschen und auch Kulturen kennenlerne. Es wird nie langweilig, schließlich ist kein Jugendlicher wie der andere. Meine Arbeit hier hat so viele Facetten. Ob ich mich mit Fußball, Kochen oder Schminke beschäftige, kommt immer ganz auf die Ideen der Jugendlichen an. (lacht)

Um die Jugendlichen zu verstehen, müssen Sie doch mit Sicherheit immer auf dem neusten Stand sein.

Hillemacher: Die Jugendkultur entwickelt sich immer weiter und auch wir müssen mit der Zeit gehen. Sei es im Bereich Jugendsprache, bei den aktuellen Charts oder bei den sozialen Netzwerken. Darüber kann man die Jugendlichen heute einfach besser erreichen. Nur bei der Beratung ist mir der persönliche Kontakt sehr wichtig. Da ist es wichtig, dass das Netzwerk funktioniert. Wenn Jugendliche Probleme haben, einen Job zu finden oder in der Schule gemobbt werden, kann man sich direkt mit den dazugehörigen Profis wie dem Arbeitsamt oder dem Schulsozialarbeiter beraten.

Kommt es auch vor, dass Eltern sich an Sie wenden?

Hillemacher: Es kommt auch vor, dass Eltern uns aufsuchen oder anrufen, weil sie Probleme mit ihren Kindern haben. Wir versuchen dann immer, zwischen beiden Seiten zu vermitteln, und in den meisten Fällen gelingt uns das dann auch.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Beruf?

Hillemacher: Die Beziehungsarbeit ist das A und O bei unserem Job. Mittwochs haben wir immer unseren offenen Mädchentreff. Da kommt immer eine Gruppe, die aus sieben, acht Mädels besteht und für die ich dann voll und ganz da bin. Wir veranstalten auch schon mal Beauty- oder Kinoabende oder gehen schwimmen. In dieser Gruppe haben sie einen geschützten Rahmen und reden dann auch offen, wenn sie Probleme haben. Unser oberstes Gebot lautet: Das, was hier erzählt wird, das bleibt auch hier.

Also reden Sie nicht nur mit den Jugendlichen, sondern beteiligen sich auch aktiv an den Projekten?

Hillemacher: Mein Ziel ist es, den Jugendlichen Raum für positive Erlebnisse zu geben. Gerade wenn ich sehe, unter welchem Druck sie auch oft in der Schule stehen. Mir ist es wichtig, dass sie wissen, dass ich für sie da bin. Und wenn man sie lässt, dann kommen sie von alleine. Dann überlegen sie sich auch eigene Projekte, bei denen ich sie unterstütze. Wenn ich zum Beispiel mit ihnen Fußball spiele, haben sie da mehr Spaß dran, als wenn ich nur daneben stehe. Dann machen wir nämlich etwas gemeinsam. So baue ich natürlich auch eine Beziehung zu ihnen auf. Denn ohne diese läuft in unserem Job gar nichts. Meine größte Freude ist es, wenn ich sehe, dass die Jugendlichen Spaß an ihren Projekten haben. Man muss dazu sagen, dass sie auch wirklich sehr dankbar sind. Da besteht auf beiden Seiten ein großer Respekt voreinander. Das ist schon schön.

Also üben Sie Ihren Beruf mit voller Leidenschaft aus?

Hillemacher: Halbherzig kann man diesen Job gar nicht machen.

Welche Projekte stehen in den nächsten Monaten auf dem Programm?

Hillemacher: Viele Projekte finden spontan statt. Wir haben eigentlich das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen wie Fußball-Turniere, Konzerte und Tanzbattles und den Vorentscheid zu „Rock am Pool“. An einem normalen Freitagabend sind meist so zwischen 30 und 40 Jugendliche im Café. Draußen ist in dieser Jahreszeit etwas weniger los. Dazu kommt natürlich auch, dass die Jugendlichen auf weiterführenden Schulen bis nachmittags Unterricht haben. Die Freizeit wird dann immer weniger.

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