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Integrationsratswahlen: Alle puzzeln gemeinsam am bunten Bild

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Eine Stadt, viele Gesichter: Ob Folklore- oder Sportfest - in Eschweiler leben über 100 Nationen friedlich miteinander. Integrationsarbeit wird seit Jahren groß geschrieben. Foto: Jana Röhseler

Eschweiler. In 101 NRW-Kommunen geht es für insgesamt eine Million Ausländer und Eingebürgerte am 7. Februar an die Wahlurne. Insgesamt 1169 Mandate sind für die Integrationsräte zu vergeben. In Eschweiler gibt es elf Plätze. 3600 Wahlberechtigte können ihre Stimme abgeben. Aber was macht ein Integrationsrat überhaupt?

Wie sieht es an der Inde mit der Eingliederung von Zugewanderten ins gesellschaftliche wie politische Leben aus? Unser Mitarbeiter Stefan Herrmann sprach mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt Eschweiler, Jürgen Rombach, und dem amtierenden Vorsitzenden des Integrationsrates, Ilker Zaman.

Herr Rombach, wie kam es dazu, dass Eschweiler 2005 die Stelle des Integrationsbeauftragten einrichtete und dass Sie dieses Amt übernahmen?

Rombach: Es gab ab dem 1. Januar 2005 mit dem Zuwanderungsgesetz eine neue gesetzliche Grundlage. Damals sagte Bürgermeister Rudi Bertram dann, dass wir das Ganze zentriert und mit einem Konzept angehen müssten. Ich war bereits seit 1997 Geschäftsführer des Ausländerbeirates, es bot sich also an, dass ich am 1. April 2005 Integrationsbeauftragter wurde.

Herr Zaman, 3600 ausländische Mitbürger sind zur Wahl des Integrationsrats aufgerufen. Warum sollten sie von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen?

Zaman: Es gibt sehr viele Gründe, aber der wichtigste Grund ist, dass für viele Migranten die Wahl des Integrationsrats die einzige Möglichkeit ist, ihre Stimme abzugeben und am politischen Leben der Stadt teilzuhaben. Übrigens: Auch wenn die Wähler den Wahlschein nicht mehr haben, dürfen sie am 7. Februar nach Vorzeigen ihres Passes ihre Stimme abzugeben.

Herr Rombach, die Indestadt gilt über über Regionsgrenzen hinweg als Vorbild in Sachen Integrationsarbeit. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Rombach: Integration ist hier kein politischer Spielball. Außer bei der Frage zur Änderung des kommunalen Wahlrechts gab es im Rat stets einstimmige Entscheidungen über Parteigrenzen hinweg. Das Tolle bei uns ist: Die Menschen leben hier nicht nebeneinander her, sondern zusammen.

Wo gibt es aber auch in Eschweiler noch Integrationsbaustellen?

Rombach: Beide Seiten, Ureinwohner wie Zugewanderte, wissen noch immer zu wenig voneinander. Wir sind zwar eine Hochburg was Vereinsarbeit angeht, aber auf der Ebene der Kulturvereine wünsche ich mir noch einen stärkeren Austausch. Essen und Sprache - um nur einige Beispiele zu nennen -, da können wir beiderseitig noch so viel voneinander lernen. Türkisch ist schließlich nach Deutsch und Eischwiele Platt die dritthäufigste gesprochene Sprache an der Inde. Wir tun zudem noch immer zu wenig für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Die fühlen sich allein gelassen.

Und die Erfolge?

Rombach: Das ist ein Riesenpuzzle mit vielen Teilchen. Das Wichtigste: Wir haben ein Integrationskonzept, das umgesetzt wird. Ganz aktuell ist, dass wir mindestens unter den ersten drei Gewinnern des DFB-Integrationspreises sind. Nicht schlecht bei 293 Bewerbern. Und last but not least: Wir haben es in den letzten fünf Jahren geschafft, den Integrationsrat positiv zu etablieren.

Herr Zaman, 2005 lobten Sie als Ausschussvorsitzender, der Integrationsrat habe einen hohen Stellenwert. Wie beurteilen Sie das heute? Welche Forderungen konnten umgesetzt, welche Ziele müssen noch erreicht werden?

Zaman: Wir haben die uns selbst gestellten Ziele von Jahr zu Jahr höher gestellt. Es gibt aber immer noch viel zu machen. Einige der wichtigsten Arbeiten sind, uns für das Anliegen der Migranten, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, Herkunft und Religion einzusetzen. Wir unterstützen die interkulturelle Erziehung aller Kinder, bieten Projekte zur Verbesserung der Schulsituation der Kinder mit Migrationshintergrund an. Kurz gesagt: Wir wollen die kulturelle Vielfalt in Eschweiler fördern, einen guten Dialog zwischen den Kulturen schaffen und mithelfen, Vorurteile abzubauen und für mehr Toleranz zu sorgen.

Warum gibt es trotz allen immer wieder Vorurteile gegenüber Ausländern? Was kann ein Integrationsrat dagegen tun?

Zaman: In der Stadt Eschweiler leben über 100 verschiedene Nationalitäten. Sie haben verschiedene Kulturen, Religionen und Mentalitäten. Die Schaffung von Akzeptanz und Toleranz zwischen diesen Menschen ist nicht einfach. Dafür gibt es verschiedene Brücken. Eine davon ist der Integrationsrat. Sportfeste, Folklorefeste und noch vieles andere sind Aktivitäten, die beim Zusammenkommen von Deutschen und Migranten helfen.

Herr Rombach, warum ist das 2004 installierte Gremium „Integrationsrat” besser als der vorherige Ausländerbeirat?

Rombach: Im Integrationsrat sind neben den elf Migrantenvertreter auch sieben Ratsmitglieder vertreten. Damit gebe ich dem Gremium ein ganz anderes politisches Gewicht. Der Ausländerbeirat war ein Tiger ohne Zähne. Der Integrationsrat hat immerhin schon Milchzähne. Ich würde mir wünschen, dass er irgendwann einmal auch richtig beißen kann.

Eschweiler ist eine Vorzeigestadt in Sachen Integration, weil...

Zaman: ...die Eschweiler Bevölkerung uns unterstützt, weil der Bürgermeister uns unterstützt und weil die politischen Parteien uns unterstützen. Mittlerweile hat die Stadt Eschweiler in ganz NRW einen guten Ruf.

Kurz nach der Wahl steht der Straßenkarneval vor der Tür. Feiern Sie mit?

Zaman: Als Migranten werden wir natürlich an Karneval mitfeiern. Integration ist keine Einbahnstraße. Deutsche und Nicht-Deutsche müssen sich gegenseitig gut verstehen. Was könnte es Schöneres geben, als an Karneval gemeinsam zu feiern?
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