Eschweiler - Innige und höchst erschütternde Klänge

Innige und höchst erschütternde Klänge

Von: Joachim Peters
Letzte Aktualisierung:
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Sensible Interpretationen: József Acs vermittelte den Kirchenkonzertbesuchern in St. Peter und Paul die aufwühlende Dramatik der Musik zum Karfreitag. Foto: Irmgard Röhseler

Eschweiler. „O höchstes Gut, unschuldigs Blut! Wer hätt dies mögen denken, dass der Mensch sein Schöpfer sollt an das Kreuz aufhenken.” Die im Jahre 1688 vertonten und heute in einem Gemeindelied gesungenen Verse des Jesuiten und Dichters Friedrich Spee treffen die Stimmung des Karfreitags. Sie dienten als Leitwort für das jährliche Karfreitagskonzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Kantor Jószef Ács mit inniger bis erschütternder Musik am Flügel und Pfarrer Dr. Andreas Frick mit werkerläuternden Meditationen machten die von den Eschweiler Katholiken und Musikfreunden seit Jahren gut angenommene musikalische Vesper zu einer beeindruckenden Feierstunde.

Mathematik und Metaphysik

József Ács eröffnete sie mit dem Präludium und der Fuge in es-moll von Johann Sebastian Bach. Der musikalische Leiter der Franz-Liszt-Gesellschaft, die den Flügel für das Konzert bereitgestellt hatte, hob das mit mathematischer Präzision komponierte Werk auf eine hohe metaphysische Ebene: „Harfenmäßige” Akkorde unterstrichen den meditativen Charakter des Stücks, das „Durchdeklinieren” des motivischen Materials gemahnte an die vielen irdischen Prüfungen des Menschen. Schließlich scheint die Seligkeit vor Gott als Ziel auf und es weicht die Fassungslosigkeit vor dem, was Spee in seinen Versen beklagt: dass die Welt den Erlöser nicht erkannt hat.

Franz Schuberts große unvollendete Klaviersonate E-Dur ist von einem ähnlichen Geheimnis umgeben wie das großartige Fragment von Mozarts Requiem. Dass beide Werke vom Wissen der Komponisten um ihr nahendes irdisches Ende durchtränkt sind, gibt ihnen etwas Erschütterndes. Diese Erschütterung wusste József Ács den Konzert-Besuchern in expressiven wie sensiblen Interpretationen zu vermitteln. Schuberts Werk, das in seiner Sanftheit manchmal schon nicht mehr „von dieser Welt” scheint, ist von geheimnisvollen und wiederkehrenden Trillern durchzogen: eindringliche Mahnung an die irdischen Dinge und den unausweichlichen Tod.

Franz Liszt hat eine Klavierfassung von Mozarts „Requiem” verfasst; der Kantor an St. Peter und Paul spielte daraus das „Confutatis maledictis” mit seinen die Hölle abbildenden unerbittlichen punktierten Rhythmen und als Kontrast dazu das engelsanfte „Lacrymosa” - jenem Stück, über dem der 35-jährige Mozart starb. Schuberts und Mozarts in Musik sich offenbarenden Todesstunden und -kämpfe verwoben in der in Dunkelheit gehüllten Pfarrkirche St. Peter und Paul mit dem Leiden und Sterben Jesu Christi.

Die eindringliche musikalische Andacht fand ihr Ende mit der Klavierfassung des „Pie Jesu” (Frommer Jesus) aus dem jüngst von József Ács herrausgegebenen Requiem von Ruggiero Leoncavallo: ein stiller Ausklang eines von mächtigen Klängen erfüllten Konzertes. Die aufwühlende Dramatik des Karfreitags wich in diesem Finale und schuf den stimmungsmäßigen Übergang zum nahenden Auferstehungsfest.
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