Initiative will „Monsteranlage“ verhindern

Von: Patrick Nowicki
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Windräder
Da die Stadt ein Gebiet für 200 Meter hohe Windräder kurz vor Heistern plant, regt sich dort der Widerstand. Norden stark betroffen.

Eschweiler. Der Ausbau der Windenergie ist beschlossene Sache. Landesweit soll der Anteil an Strom aus Windkraft bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent steigen. Die Stadt Eschweiler will nicht tatenlos zusehen und plant Gebiete für weitere Anlagen.

Allerdings sind die Anwohner nicht immer begeistert, wenn sie auf drehende Rotorenblätter schauen, die in der Nacht auch noch blinken. In Heistern, auf dem Gemeindegebiet Langerwehe, regt sich jetzt schon Widerstand gegen die Pläne der Stadt Eschweiler. Das Hauptargument der Menschen dort: Die Pläne für das Gebiet, auf dem südlich von Heistern neben der Halde Nierchen drei Windräder errichtet werden sollen, berücksichtigt die Mindestabstände zum Schutz der Menschen nicht.

Keine einheitliche Regelung

Eine einheitliche gesetzliche Regelung, in welchem Abstand solche Anlagen eine zumutbare Belastung für die Anwohner darstellen, gibt es nicht. Als Orientierung gilt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem Jahr 2006. Dort kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass in der Regel eine dominante und bedrängende Wirkung der Anlage vorliegt, wenn der Abstand geringer ist als die zweifache Gesamthöhe des Windrades. Erst bei einem Abstand, der die dreifache Anlagenhöhe beträgt, geht das Gericht davon aus, dass normalerweise keine unzumutbare optische Belastung vorliegt. Um eine Klage der Anwohner zu vermeiden, wäre demnach mindestens die dreifache Anlagenhöhe als Abstand erforderlich.

Dennoch legt jede Stadt selbst ihre Mindestabstände fest: Für die Fläche südlich von Hücheln, unweit des Bovenberger Waldes neben der Kreisstraße 23, gilt mindestens 450 Meter zu Einzelhöfen und 600 Meter zu Siedlungen. In den Augen der Anwohner reichen diese Abstände nicht aus. Die Stadt Eschweiler geht von einer Anlage mit einer Gesamthöhe von 185,5 Metern aus. Die Heisterner errechneten demnach eine Mindestentfernung zu den Anlagen von 556,50 Metern, also die dreifache Anlagenhöhe. „Tatsächlich sind dort Räder mit einer Höhe von 199,50 Metern geplant, also müsste der Abstand noch größer sein“, argumentiert Walter Müller. Er gründete mit weiteren Betroffenen in Heistern eine Bürgerinitiative, die sich gegen das Gebiet zwischen Halde Nierchen und Bovenberger Wald wehrt.

Die Zahl der Areale, auf denen in Eschweiler überhaupt Windräder stehen können, ist gering, zumal nur Bereiche berücksichtigt werden, auf denen mindestens drei Anlagen stehen können. Viele Auflagen sind zu beachten, bevor der Bau genehmigt ist. Moderne Anlagen mit einer Gesamthöhe von fast 200 Metern sind zwar deutlich effizienter als die kleineren, die sich bereits auf der Halde Nierchen und nördlich des Kraftwerks befinden, allerdings ist ihre Wirkung auch eine andere. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist gerade einmal 157,38 Meter hoch, die Schornsteinhöhe des Kraftwerks Weisweiler beträgt 168 Meter. Die aktuellen Anlagen auf der Halde Nierchen messen etwa 90 Meter. „Es kann sich jeder einmal in Echtz hinstellen, um zu spüren, welche Wirkung solch große Windräder bei solch einem geringen Schutzabstand auf den Menschen haben“, sagt Walter Müller.

Im Norden Eschweilers werden sich die Menschen an den Blick auf rotierende Räder gewöhnen müssen. Dort wurde vor wenigen Wochen eine Anlage auf dem Gebiet der Gemeinde Aldenhoven gebaut. Die Stadt Eschweiler sieht dort auf ihrem Gebiet Chancen für weitere 24 Windräder, 7 nördlich von Kinzweiler, 17 nördlich von Fronhoven. Allerdings sind diese Pläne noch nicht in Stein gemeißelt, denn aktuell liegt nur eine Voruntersuchung vor, die allerdings in den Flächennutzungsplan einfließen soll. Dieser legt dann für die Zukunft fest, wo solche Anlagen möglich sein werden. Der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss spricht darüber in seiner nächsten Sitzung am 22. Mai, eine Entscheidung soll allerdings erst der neue Rat treffen.

Die Bürgerinitiative in Heistern will unbedingt verhindern, dass sie auf weitere Windräder mit solch geringen Abständen blicken müssen. Im Zweifel werde man auch nicht vor einer juristischen Auseinandersetzung mit der Stadt zurückschrecken. In einer Erklärung heißt es: „Wir wehren uns gegen Kungelei von lokalen und regionalen Seilschaften, mit denen Einzelinteressen durchgesetzt werden sollen.“ Man sei zwar grundsätzlich für Windkraftanlagen, „allerdings mit Augenmaß“. Die derzeit geplanten Anlagen würden in Eschweiler allerdings bis auf 450 Meter an die Siedlungen herangehen. „In Bayern halten solche Monsteranlagen den zehnfachen Abstand ihrer Höhe zur nächsten Ortschaft ein“, schreibt die Bürgerinitiative, die den Namen „Für Windkraft mit Verstand und Augenmaß – Heistern“ trägt.

Wirtschaftliche Interessen?

Die Initiatoren vermuten auch wirtschaftliche Interessen der Stadt. „Wir haben recherchiert, dass Grundstückseigentümer, die ihr Land für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen, mit bis zu 30.000 Euro geködert werden – und das pro Jahr“, heißt es. Und: „Zudem sollen den Kommunen von Windkraft-Betreibern lukrative Offerten in Millionenhöhe gemacht worden sein, wenn die Genehmigungen in Landschaftsschutzgebieten und Wäldern freundlich von den politisch Verantwortlichen durchgewunken werden.“ Grundstückseigentümer auf dem Areal südlich von Heistern seien unter anderem RWE, Energiekontor Windpower GmbH sowie die Städte Aachen und Eschweiler.

Losgelöst von neuen Flächen für Windkraftanlagen werden auch die bereits vorhandenen Standorte im Rahmen eines sogenannten Repowering angepackt. Das bedeutet, dass die kleineren Anlagen durch neue ersetzt werden. Auf der Halde Nierchen werden die derzeitigen neun Räder durch vier deutlich größere ausgetauscht. Der Wechsel der beiden Räder nördlich des Kraftwerkes wird allerdings noch mindestens acht Jahre dauern.

Bis weitere Anlagen in Eschweiler gebaut werden, wird noch viel Wasser die Inde hinunterfließen. Im November des vergangenen Jahres war die Suche nach Standorten bereits Thema im Ratssaal. Sämtliche Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses stimmten in der Sitzung dafür, das Verfahren mit den fünf sogenannten „Suchräumen“ fortzusetzen. Allerdings legten die Kommunalpolitiker auch fest, dass die Bürger früh beteiligt werden.

Darauf will die Heisterner Initiative nicht warten. Sie fordert, dass das Gebiet aus den Planungen herausgenommen wird. Zumal dort nach ihren Berechnungen ohnehin maximal eine Anlage gebaut werden könnte.

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