Initiative gegen Missbrauch von Bier, Schnaps und Alcopops

Von: ran
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Mittels beschrifteter Karten vollzogen die Teilnehmer der Fortbildung den Weg eines Alkoholabhängigen vom Genuss über den Missbrauch bis hin zur Sucht nach. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Alkohol kann in (möglichst) kleinen Mengen durchaus ein Genuss sein. Doch bei zu vielen und nicht zuletzt zu jungen Menschen gehört Alkohol zum Alltag. Worte wie Vollrausch oder Komasaufen klingen für zahlreiche Heranwachsende nicht abschreckend, sondern geradezu verlockend.

Vorbeugung tut also Not. In Kooperation mit der Mobilen Jugendarbeit der Stadt Eschweiler boten die Verantwortlichen der Suchthilfe in der Städteregion Aachen nun in der Suchtberatungsstelle an der Bergrather Straße eine Fortbildung in Sachen Alkoholprävention für Personen an, die in Schulen oder Jugendeinrichtungen mit jungen Menschen in unmittelbarem Kontakt stehen. Dabei stellten die Diplom-Sozialpädagoginnen Gabi Fischer und Elke Koch gemeinsam mit Nicole Hillemacher von der Mobilen Jugendarbeit den Alkoholkoffer vor, den das NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter allen Fachberatungsstellen Nordrhein-Westfalens zur Verfügung gestellt hat.

Konsum, Genuss, Rausch

„Unsere Aufgabe besteht darin, in Fortbildungsveranstaltungen Menschen in Vorbeugungsmethoden zu schulen und sie damit zu Multiplikatoren zu machen. Es gilt, über das Thema Alkohol aufzuklären und sich mit den Gefahren auseinanderzusetzen”, macht Nicole Hillemacher deutlich. Dazu bietet der Alkoholkoffer vier praktische Methoden. Karten mit Schlagwörtern wie Konsum, Genuss, Rausch, Missbrauch oder Abhängigkeit sollen die Phasen eines Suchtverlaufs beschreiben. „Während des Prozesses des Alkoholmissbrauchs ist es immer noch möglich, auszusteigen. Tritt schließlich die Sucht, also die Abhängigkeit, ein, ist diese endgültig”, betont Gabi Fischer.

Weitere Methoden zur Vorbeugung, die der Alkoholkoffer bietet, sind ein Alkoholquiz, ein Film mit dem Titel „Du fehlst”, der Alkohol im Straßenverkehr aus der Sicht des Täters und des Opfers thematisiert, sowie Rauschbrillen, die es möglich machen, die Wahrnehmungsdefizite, die ein Alkoholrausch verursacht, im nüchternen Zustand nachzuvollziehen.

Ein großes Thema im Bereich Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sind vor allem die sogenannten Alcopops, die seit einigen Jahren den Markt überschwemmen, durch ihren hohen Zuckergehalt süßlich schmecken und dadurch auch für Mädchen attraktiv erscheinen.

„Statistisch machen Jugendliche heute im Alter von 14,5 Jahren erste Erfahrungen mit Alkohol und erleben mit 15,9 Jahren ihren ersten Vollrausch”, nennt Elke Koch Zahlen. „Also in einem Alter, in dem die Alkoholausgabe gesetzlich verboten ist, schließlich sind Bier, Wein und Sekt ab 16, härterer Alkohol wie Schnaps, Wodka oder auch ein ?kleiner Feigling erst ab 18 erlaubt.”

Deshalb lautet die Forderung der Sozialpädagogin: „Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass das Jugendschutzgesetz konsequent umgesetzt wird.” Überlegungen, wie den Verkauf von Alkohol nach 22 Uhr an Tankstellen zu verbieten, seien begrüßenswert.

Klar sei, dass das Problem Rauschtrinken bei Jungen und jungen Männern wesentlich häufiger auftrete als bei Mädchen und jungen Frauen. „Dafür sind Frauen in Sachen Alkohol verwundbarer, werden schneller abhängig und erleiden bei Abhängigkeit noch schwerere körperliche Schäden”, relativiert Elke Koch. Aber warum trinken Jugendliche überhaupt? „Die Ursachen sind vielfältig. Langeweile, Sorglosigkeit, Gruppenzwang, aber auch der Wille, Grenzen auszuloten, gehören dazu.”

Deshalb sei ein wichtiger Aspekt der Suchtvorbeugung, die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Frage muss lauten: Welche Funktion erfüllt der Alkohol? Dient er zum Beispiel als gefühlte Lösung bei Problemen?”, fragt Gabi Fischer. Und wann beginnt eigentlich Sucht? „Dies genau zu beantworten ist sehr schwierig. Doch trinkt ein Mensch ein halbes Jahr lang jeden Tag Alkohol, kann von einer Abhängigkeit ausgegangen werden”, lässt Elke Koch wissen.
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