Eschweiler-Kinzweiler - Inhaftierter Besitzer: Mieter sind auf sich allein gestellt

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Inhaftierter Besitzer: Mieter sind auf sich allein gestellt

Von: Sonja Essers
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Wie geht‘s weiter? Die Mieter dieses Hauses haben seit Monaten keinen Ansprechpartner. Der sitzt nämlich hinter Gittern. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Kinzweiler. Zahlreiche Bilder und Orden zieren die Wände von Hermann Frieshammers Wohnung. Sogar eine Vitrine hat der 70-Jährige gebaut. In dieser bewahrt er eine ganz besondere Kostbarkeit auf. „Ich war mal Karnevalsprinz in Übach-Palenberg“, erzählt er stolz und fügt hinzu: „Das Stück wäre doch viel zu schade, um es in den Kleiderschrank zu hängen.“

Für Hermann Frieshammer besteht seine Wohnung aus lauter kleiner Erinnerungen. Ausziehen kommt für den 70-Jährigen nicht in Frage. „Stellen Sie sich mal vor, man müsste das alles abnehmen“, sagt er und lacht. Nach Lachen ist Frieshammer seit Januar allerdings kaum noch zumute, zumindest dann nicht, wenn er an seinen Vermieter denkt. Schließlich sitzt der niederländische Besitzer seitdem im Gefängnis. Nachdem sich auch der Hausverwalter aus dem Staub gemacht hat, sind die Mieter auf sich allein gestellt. Hermann Frieshammer hat die Nase voll. So soll es nicht weitergehen.

Anfang des Jahres berichtete nicht nur unsere Zeitung über den Fall. Auch das Fernsehen war an der Kalvarienbergstraße in Kinz-weiler zu Gast und zeigte die Situation der Mieter. Betroffen sind sieben Parteien. Nicht nur Privatpersonen zählen zu den Mietern, sondern auch Ärzte, die in den Räumen ihre Praxen betreiben. Geändert habe sich die Situation bisher nicht. „Wir brauchen einen Ansprechpartner, an den wir die Miete zahlen können und der sich um alles kümmert“, fordert Frieshammer. Der 70-Jährige wohnt seit 1999 in dem Haus an der Kalvarienbergstraße. Früher habe es nie Probleme gegeben, sagt er. Das sei erst seit dem vergangenen Jahr der Fall. „Im vorigen Jahr saß ich hier sechs Wochen ohne Abfluss“, erinnert sich der Mieter. So legte der Rentner an dem defekten Waschmaschinenabfluss in der Küche selbst Hand an. „Ich habe einen Schlauch von der Küche ins Badezimmer gelegt“, erklärt er.

Probleme habe es auch mit der Heizung gegeben. Bereits im Januar bestellten die Mieter 3000 Liter Heizöl. „Wir hatten zwar Öl, aber keiner von uns wusste, wie man die Heizung in Betrieb nehmen soll“, sagt Frieshammer. Er habe sich mit einer Firma in Verbindung gesetzt, die allerdings nur gegen Vorkasse arbeitete. „Das ist doch kein Zustand hier“, meint der Rentner. „Seit Ende Januar haben wir keinen Ansprechpartner mehr und zahlen alles selbst.“

Erst vor einigen Wochen sorgten die Mieter vor und orderten 10.000 Liter Heizöl für den Winter. Das sei momentan recht günstig, deshalb habe man sich bereits jetzt darum gekümmert, meint Frieshammer. Der stolze Preis: 7700 Euro. So betrugen die Kosten 1100 Euro für jede Partei. „Einige wussten gar nicht, wo sie das Geld hernehmen sollten. Aber wir müssen die Kosten doch auf alle umlegen“, sagt Frieshammer. Er selbst zahlt seit Februar keine Miete mehr, sondern überweise den Betrag am Anfang des Monats auf ein privates Sparbuch. So könne er das Geld für entstehende Kosten verwenden.

Zu diesen zählt, nach Aussage des Mieters, nämlich nicht nur das Heizöl. Seit Januar mussten die Mieter die Kosten für einen Heizungsmonteur, die Wasserversorgung und auch die Gartenpflege selbst zahlen. Die Parteien im Nachbarhaus traf es noch schlimmer. „Das Haus nebenan gehört dem Vermieter auch. Da mussten die Mieter sogar einen neuen Brenner für die Ölheizung kaufen, weil ihrer kaputt war“, sagt der 70-Jährige. Die beiden Häuser in Kinzweiler sind nicht die einzigen Objekte, die dem Niederländer gehören. Er besitzt zudem noch Häuser in Dürwiß, Aachen, Bad Münstereifel und in Sindorf bei Kerpen.

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